Karl Lauterbach | dpa

Bessere Versorgung 1000 Gesundheitskioske für Deutschland

Stand: 31.08.2022 17:50 Uhr

Mit rund 1000 sogenannten Gesundheitskiosken will die Bundesregierung eine bessere medizinische Versorgung in sozial benachteiligten Regionen erreichen. Minister Lauterbach stellte die Pläne vor. Kritik gibt es an der geplanten Finanzierung.

Die Bundesregierung will die medizinische Versorgung in sozial benachteiligten Gebieten verbessern - mit rund 1000 sogenannten Gesundheitskiosken im gesamten Bundesgebiet. Ziele dieser Einrichtungen - die bereits im Koalitionsvertrag vereinbart wurden - sind eine bessere niedrigschwellige medizinische Versorgung und eine verbesserte Prävention. Die Kioske sollen pro 80.000 Menschen errichtet werden. "Im Vordergrund muss die Armut des Stadtteils stehen", sagte Lauterbach bei der Präsentation der Pläne.

Blutdruck nehmen und an Ärzte vermitteln

Initiiert werden sollen die Anlaufstellen von den Kommunen. Die Mitarbeiter sollen Pflegekräfte, Kinder-, Alten- und Krankenpfleger sein. Sie sollen auf ärztliche Veranlassung in verschiedenen Sprachen medizinische Routine-Untersuchungen wie Blutdruck- oder Blutzuckermessungen durchführen, Behandlungen in Arztpraxen und Krankenhäusern vermitteln, chronisch Kranke begleiten oder in Gesundheitsfragen wie Abnehmen oder Raucher-Entwöhnung beraten. Das Angebot gelte für Menschen mit und ohne Krankenversicherung, sagte Lauterbach. Vernetzungen mit Jugendämtern, Familienzentren, Integrationszentren oder Stadtteilmanagementbüros würden angestrebt.

In Deutschland dürfe weder der Geldbeutel noch der Wohnort über die Behandlung von Patienten entscheiden, sagte Lauterbach. Er präsentierte das Konzept am Gesundheitskiosk in Hamburg-Billstedt, der seit 2018 als bundesweit erste Einrichtung dieser Art eine wichtige Anlaufstelle für Menschen des Stadtviertels ist.

Blick in den Gesundheitskiosk im Stadtteil Billstedt (Hamburg). | dpa

Der erste Gesundheitskiosk Deutschlands im Hamburger Stadtteil Billstedt. Bild: dpa

Kassen kritisieren Finanzierungskonzept

Die Kosten für die Gesundheitskioske soll zu 74,5 Prozent die gesetzliche Krankenversicherung tragen, zu 5,5 Prozent die privaten Krankenkassen und zu 20 Prozent die Kommunen - was prompt auf Kritik stieß.

Der AOK-Bundesverband begrüßte das Angebot zwar grundsätzlich. Die Vorstandsvorsitzende Carola Reimann bezeichnete es angesichts der prekären Finanzsituation der Kassen aber als nicht machbar, dass die Gesundheitskioske überwiegend von der Gesetzlichen Krankenversicherung finanziert werden sollen. Mindestens die Hälfte der Mittel sollte von der öffentlichen Hand aufgebracht werden, forderte sie.

Der Direktor des Verbands der Privaten Krankenversicherung, Florian Reuther, sagte, die vorgeschlagenen Gesundheitskioske seien Aufgabe des öffentlichen Gesundheitsdienstes "und sollten vollständig von Ländern und Kommunen finanziert werden".

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 31. August 2022 um 17:50 Uhr.