Arztgespräch

Gesetzliche Krankenkassen Auch am Abend noch zum Arzt

Stand: 20.12.2018 16:07 Uhr

Immer mehr Patienten suchen die Notaufnahme auf. Aus Sicht der gesetzlichen Krankenversicherungen kein Wunder. Am Abend und am Wochenende bleiben Arztpraxen meist geschlossen. Die Kassen wollen das nun ändern.

Ein Arztbesuch verlangt ab und an gute Planung: Die Sprechzeiten herausfinden, sich auf Wartezeit einstellen - und ein Praxisbesuch in den Abendstunden oder am Wochenende ist meist gar nicht möglich. Das sollte sich aus Sicht des Vize-Vorstandsvorsitzenden des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherung, Johann-Magnus Stackelberg, in Zukunft ändern.

Er bringt Sprechzeiten "abseits der Kernzeiten" ins Spiel: Praxen sollten auch mal abends oder am Wochenende öffnen. Diese Arbeit dürfe nicht an wenigen Ärzten hängen bleiben, appellierte Stackelberg:

"Krankheiten richten sich nicht nach den Lieblingsöffnungszeiten der niedergelassenen Ärzte."

Kaum offene Praxen am Samstagvormittag

Einer Umfrage zufolge, die der Kassenverband beim Forsa-Institut in Auftrag gegeben hatte, zeigt, dass es bereits unter der Woche schwierig sein kann, einen Arzt zu konsultieren: Am Mittwoch hätten bundesweit im Durchschnitt nur 20 Prozent der Praxen zwischen 14.00 und 17.00 Uhr geöffnet. Am Freitag seien es sogar noch weniger. Sprechstunden zwischen 19.00 und 20.00 Uhr bieten an einigen Wochentagen lediglich zehn Prozent aller Praxen an und am Wochenende sinkt der Durchschnitt der Ärzte, die Patienten auch am Samstagvormittag behandeln, auf ein bis zwei Prozent.

"Kein Wunder, dass immer mehr Menschen in die Notaufnahmen der Krankenhäuser gehen", warnte Stackelberg. Und auch der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach schlägt im Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" in die Kerbe:

Der SPD-Abgeordnete Karl Lauterbach spricht im Bundestag zum Thema Gesundheit. | Bildquelle: dpa
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Einen Arzt am Mittwoch? Laut Karl Lauterbach hat man da auch auf dem Golfplatz Chancen.

"Der ein oder andere Arzt wird ab Mittwochnachmittag auf dem Golfplatz gesehen."

"Schlag ins Gesicht" der Ärzte

Bei den Ärztevereinigungen selbst kommt der Vorschlag, die Arbeit auf den Abend oder das Wochenende auszuweiten weniger gut an. Die Idee sei "dreist und frech", hieß es von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Deren Vorsitzender, Andreas Gassen, sprach von einem "Schlag ins Gesicht" der niedergelassenen Ärzte. Er betonte, dass ein Arzt im Durchschnitt 52 Stunden pro Woche arbeite. Pflicht sind derzeit nur 20 Wochenstunden.

Ein Argument, das auch KBV-Vorstandskollege Wolfgang Krombholz gegenüber dem Bayerischen Rundfunk anführt. Und nur, weil eine Praxis nicht geöffnet hat, bedeute das nicht, dass der Arzt nicht arbeite. Es müsse auch irgendwann die Bürokratie erledigt werden, zudem führte Krombholz auch Hausbesuche als Arbeitszeit außerhalb der Praxis an. Außerdem bleibe noch die Frage, woher das Geld für die zusätzliche Arbeit kommen solle.

Auch Spahn fordert mehr Sprechstunden

Doch in der hohen Auslastung während der Arztsprechzeiten sieht auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ein Problem. Auch sein Vorschlag: mehr Sprechzeiten - gegen eine höhere Vergütung. Vor allem das Angebot an offenen Sprechzeiten ohne Termin soll erweitert werden.

Im Sommer legte Spahn seinen Entwurf für ein Terminservice- und Versorgungsgesetz vor. Ärzte sollen demnach künftig zu mindestens 25 Wochenstunden verpflichtet werden, die Terminvermittlung soll ausgebaut werden. Kommt das Gesetz durch, könnten die neuen Regelungen ab kommenden April gelten.

Über dieses Thema berichtete mdr aktuell am 20. Dezember 2018 um 08:28 Uhr.

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