Starker Schneefall behindert den Verkehr auf einer Landstraße bei Neustadt in Holstein. | dpa

Extremes Wetter Frostige Geduldsprobe

Stand: 09.02.2021 18:58 Uhr

Endlose Staus auf verschneiten Autobahnen, Verspätungen und Ausfälle bei der Bahn. Das extreme Winterwetter sorgt weiter für chaotische Zustände. Auch in der kommenden Nacht bleibt die Lage angespannt.

Immer noch lähmen Eis und Schnee große Teile Deutschlands. Auf Straßen und Schienen ging heute häufig gar nichts mehr. In Nordrhein-Westfalen zählte die Polizei binnen 24 Stunden rund 900 wetterbedingte Einsätze. Insgesamt rückte sie landesweit zu rund 800 Unfällen auf verschneiten und glatten Straßen aus.

Auf der A2 bei Bielefeld steckten Hunderte Auto- und Lkw-Fahrer die ganze Nacht im Schnee fest und mussten bei klirrender Kälte zum Teil mehr als 16 Stunden lang in ihren Autos ausharren. Die Autobahn wurde zeitweise in beiden Fahrtrichtungen gesperrt - insgesamt bildeten sich rund um Bielefeld am Morgen mehr als 70 Kilometer Stau. Helfer verteilten Essen und Getränke. Aus Sicht der Autobahn GmbH Westfalen hatten Lastwagenfahrer das nächtliche Schneechaos auf der A2 maßgeblich mitverursacht, indem sie sich nicht an das verhängte Fahrverbot gehalten hätten.

Die Bielefelder Polizei warnte auch für die kommende Nacht vor der Nutzung der A2. Die Fahrbahndecke sei noch immer in weiten Teilen schneebedeckt und vereist. Durch die niedrigen Temperaturen sind der Einsatz und die Wirkung von Streumitteln eingeschränkt. Es bestehe weiterhin die Gefahr, dass der Verkehr streckenweise witterungsbedingt zum Erliegen kommen könnte.

Auch auf anderen Autobahnen wie der A4 in Osthessen kam es zu erheblichen Verkehrsbehinderungen. Starke Schneefälle hatte in Teilen Deutschlands bereits am Sonntag ein Verkehrschaos verursacht.

Ein liegengebliebener Lkw blockiert an der B66 Richtung Bielefeld die Ausfahrt zur Autobahn A2 Richtung Hannover.  | dpa

Ein liegengebliebener Lkw blockiert eine Ausfahrt zur A2. Auf der A2 bei Bielefeld verbrachten Fahrer und Mitfahrende zuvor die ganze Nacht auf der Straße und mussten bei klirrender Kälte zum Teil mehr als 16 Stunden lang in ihren Autos ausharren. Bild: dpa

Ausfälle und Verspätungen bei der Bahn

Die Deutsche Bahn spricht von "extremem Unwetter", durch das es in weiten Teilen Deutschlands zu Verspätungen und Zugausfällen gekommen sei. Die Bahn arbeite daran, nach und nach wieder ihre Züge losschicken zu können. Auf der wichtigen Ost-West-Verbindung zwischen Berlin über Hannover ins Ruhrgebiet sei der Zugverkehr wieder in Gang gekommen. "Allerdings ist weiterhin mit Einschränkungen und Verspätungen zu rechnen", hieß es.

Und auf einigen Verbindungen herrschte weiterhin Stillstand. Von Dresden aus fuhren bis auf weiteres keine Fernverkehrszüge in Richtung Leipzig, Frankfurt, Hannover und Köln, wie es im Internetauftritt der Bahn hieß. Auch zwischen Hamburg und Kiel, zwischen Hamburg und Lübeck sowie zwischen Hamburg und Westerland auf Sylt rollten demnach keine Fernzüge

In Kassel ist der Hauptbahnhof für den Zugverkehr gesperrt. Der Schnee auf den Dächern der Bahnsteige müsse in mehreren Schichten abgetragen werden, so ein Sprecher der Bahn. Zuvor hatte der hr berichtet, dass Statiker sich um die Stabilität der Dächer sorgen.

Kein Flugbetrieb am Flughafen Dortmund

Wegen Schnee und Eis auf der Landebahn starten und landen bis einschließlich Mittwoch am Flughafen Dortmund keine Flugzeuge. Der ohnehin coronabedingt ausgedünnte Flugbetrieb solle bis Donnerstag, 6 Uhr, eingestellt bleiben, teilte der Flughafen mit. Betroffen waren die Passagiere von 18 Maschinen, die am Dienstag starten oder landen sollten. Flüge fielen aus oder sollten verschoben werden. Ankommende Flugzeuge wurden zu anderen Flughäfen umgeleitet.

Am Mittwoch hätten ohnehin keine Flüge auf dem Plan gestanden, sagte eine Sprecherin. Mit der Entscheidung wolle man den Fluggästen Planungssicherheit geben, so dass keiner umsonst anreisen müsse. "Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Situation in den Griff zu bekommen", so der Flughafen auf Twitter.

Sorge um Obdachlose

Unterdessen verstärkten Hilfsorganisationen ihren Einsatz für Obdachlose und versorgten sie vielerorts mit warmem Essen, Getränken, Kleidung, Schlafsachen und Hygieneartikeln. Die Coronavirus-Pandemie verschärft die Situation der Bedürftigen zusätzlich. "Aus Hygienegründen können die Einrichtungen nicht so belegt werden wie in den Zeiten vor Corona - wir wissen von Fällen, in denen Betroffene Notunterkünfte aus Angst vor einer Corona-Ansteckung meiden", erklärte Sandra Schuhmann, Vorständin beim Diakonischen Werk Bayern. Die Diakonie forderte die Kommunen auf, Notunterkünfte durchgehend zu öffnen und auch andere Gebäude wie Turnhallen oder leerstehende Hotels zu nutzen.

"Der Schnee geht, der Frost bleibt"

Zwar soll es nun insgesamt weniger schneien, die Temperaturen bleiben aber eisig. "Hoch 'Gisela' sorgt mit einer nordöstlichen bis östlichen Strömung auch in den nächsten Tagen für verbreitet frostige Temperaturen tagsüber und nachts für strenge, über Schnee bei Aufklaren auch sehr strenge Fröste um minus 20 Grad", so DWD-Meteorologe Jens Bonewitz. Von Donnerstag an werde sich - anders als bisher - auch im Süden Deutschlands die Kaltluft komplett durchsetzen.

Für die Ostsee sagten die DWD-Meteorologen teils starken Schneefall mit Schneeverwehungen voraus. Für Ostholstein galten deswegen amtliche Unwetterwarnungen. An den Küsten sei es windig bis stürmisch.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer rechnet weiter mit Beeinträchtigungen durch das extreme Winterwetter. "In vielen Regionen Deutschlands beginnt die Lage sich allmählich zu beruhigen. Bis alles wieder seinen gewohnten Gang geht, kann es aber noch etwas dauern. Strecken- und gebietsweise bleiben Beeinträchtigungen", sagte Scheuer der Nachrichtenagentur dpa. Deshalb werde es selbst bei nachlassendem Schneefall noch ein paar Tage ruckeln. "Der Schnee geht, der Frost bleibt. Darauf sollten sich alle einstellen."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. Februar 2021 um 17:00 Uhr.