Ein Schneepflug steckt bei Dortmund fest. | FRIEDEMANN VOGEL/EPA-EFE/Shutter

Wintereinbruch in Deutschland Es bleibt eisig

Stand: 08.02.2021 19:13 Uhr

Kälte und Schnee haben zu zahlreichen Verkehrsbehinderungen und Rettungseinsätzen geführt. Und in den kommenden Tagen bleibt es eisig: Meteorologen halten Nachtfrost von bis zu minus 20 Grad für möglich.

Der heftige Wintereinbruch hat in weiten Teilen Deutschlands zu Verkehrsbehinderungen und Einsätzen der Rettungsdienste geführt. Dabei verlagerten sich die seit dem Wochenende andauernden unwetterartigen Schneefälle dem Deutschen Wetterdienst (DWD) zufolge schwerpunktmäßig ostwärts in Richtung Sachsen-Anhalt und Thüringen. Zugleich blieb die Witterungslage auch in den weiter westlich gelegenen Bundesländern angespannt.

Auf den Autobahnen ging insbesondere in Hessen, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen teils nichts mehr. Aufgrund der Unwetterlage mit massenhaftem Schneefall, Schneeverwehungen und Glatteis blieben Lastwagen liegen, stellten sich quer oder blockierten Auffahrten und Fahrbahnen. Sperrungen und Behinderungen meldete die Polizei etwa von den Autobahnen 4, 9 und 13 in Sachsen, der A7 in Nordhessen sowie der A36 und der A11 in Sachsen-Anhalt. Aber auch Autobahnen in Nordbayern und Niedersachsen waren betroffen.

Zahlreiche Nothilfeeinsätze

In Teilen Nordrhein-Westfalens verlängerten die Behörden wegen des fortdauernden Schneefalls ein Lastwagenfahrverbot bis zum Abend. Allein in dem Bundesland fuhren Hilfs- und Rettungsdienste bis zum Morgen mehr als 2000 Einsätze.

In Bielefeld wurde ein Mann tot im Schnee gefunden. Wie Medien unter Berufung auf die Polizei meldeten, starb er nach ersten Erkenntnissen aber aufgrund eines medizinischen Notfalls. In Rees starb ein Radfahrer nach einem Sturz. Ob er durch Krankheit oder einen Unfall auf der glatten Straße ums Leben gekommen war, war zunächst offen.

In Duisburg war am Sonntag ein Autofahrer gestorben, nachdem er mit seinem Wagen von der Straße abgekommen und in einen Bach gefahren war. Auch in anderen Bundesländern gab es zahlreiche Unfälle und Nothilfeeinsätze, in den meisten Fällen blieb es aber bei Blech- und Sachschäden.

Mehrere Bahnverbindungen eingestellt

Im Zugverkehr kam es laut Deutscher Bahn erneut in weiten Teilen des Landes zu Verspätungen und Ausfällen. Der Fernverkehr war auf mehreren Verbindungen komplett eingestellt. So fuhren beispielsweise von Berlin keine Fernzüge in Richtung Hannover und München. Zumindest auf einigen Verbindungen sollte sich der Bahnverkehr vom Nachmittag an schrittweise normalisieren. "Tausende Mitarbeitende sind vor Ort im Einsatz. Vielerorts müssen unter widrigen Umständen und in mühevoller Handarbeit Weichen enteist und Schienen geräumt werden", schrieb die Bahn in ihrem Presse-Blog zur aktuellen Wetterlage.

Auch der Nahverkehr blieb mancherorts im Schnee stecken. In Leipzig und Erfurt versuchten mit Schneeschiebern versehene Straßenbahnen, die Gleise wieder befahrbar zu machen. Busse blieben vielerorts in den Depots - in Hessen etwa in Kassel und Marburg, wie die dortigen Stadtwerke mitteilten. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen fiel wegen des heftigen Winterwetters vielerorts die Müllabfuhr aus.

In Thüringen kamen zudem nach Angaben der Deutschen Post mit wenigen Ausnahmen keine Brief- und Paketzusteller. Der verbliebene Präsenzunterricht an den Schulen fiel in dem Bundesland flächendeckend aus. In Jena waren die Kindertagesstätten geschlossen und sollen es auch am Dienstag noch bleiben. Die Stadtverwaltung begründete das unter anderem damit, dass die Essenversorgung nicht gewährleistet werden könne.

Appell vom Verkehrsminister

Teils waren auch Bemühungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie durch das Unwetter beeinträchtigt. In Niedersachsen fielen nach Angaben des Landesgesundheitsministeriums Impfstofflieferungen an zwölf Impfzentren aus. Sie sollten am Dienstag nachgeholt werden. In Thüringen waren am Montagvormittag alle Impfzentren wegen der Witterungslage vorübergehend geschlossen worden, wie das Gesundheitsministerium in Erfurt mitteilte.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer appellierte an die Bürger im Norden und in der Mitte des Landes, angesichts der Wetterlage mindestens bis Mittwoch auf Reisen zu verzichten. "Bei solchen extremen Bedingungen können selbst die beste Weichenheizung und das beste Räumfahrzeug an ihre Grenzen geraten", sagte der CSU-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Deshalb gilt zumindest für die Mitte und den Norden vorerst weiter: Wer nicht unbedingt unterwegs sein muss, sollte zuhause bleiben." Die schwierige Lage sei noch nicht überstanden, warnte Scheuer.

Auch die kommenden Tage eisig

Auch in den kommenden Tagen soll es eisig bleiben. In Teilen Schleswig-Holsteins soll es zu anhaltenden Schneefällen und Schneeverwehungen kommen. Insgesamt wird der Schneefall Meteorologen zufolge im Vergleich zum Wochenende aber zurückgehen. "Jetzt sind Kälte und Frost das große Thema", sagt Andreas Friedrich vom DWD.

Zweistellige Minustemperaturen sind demnach diese Woche nicht selten. "Extreme Nachtfröste von minus 20 Grad sind gerade in klaren Nächten über Schneeflächen möglich", so Friedrich. DWD-Meteorloge Martin Jonas empfiehlt: "Wer morgens mit dem Hund raus muss, sollte sich im wahrsten Sinne des Wortes warm anziehen." Bei Wind und trockener Luft könne die gefühlte Temperatur nachts sogar auf bis zu minus 30 Grad sinken.

Auch tagsüber soll es in immer weniger Regionen frostfrei sein. Laut DWD klettern die Temperaturen an diesem Dienstag nur noch südlich der Donau über die Null-Grad-Marke. Ab Donnerstag sollen die Höchstwerte dann in ganz Deutschland "im Eisfach-Bereich" von minus 1 bis minus 9 Grad verharren, wie Jonas ankündigte. Wer mit dem Auto unterwegs ist, sollte sich also weiterhin auf rutschige Straßen gefasst machen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 07. Februar 2021 um 20:00 Uhr.