Ein Feuerwehrmann bei Löscharbeiten bei einem Waldbrand | dpa

Feuerwehr-Zwischenbilanz "Wir haben ein Rekord-Waldbrandjahr"

Stand: 26.08.2022 15:59 Uhr

In diesem Sommer hat es in Deutschlands Wäldern besonders oft gebrannt. Feuerwehr und Waldbesitzer warnen: Es könnte noch schlimmer werden. Sie fordern eine bessere Ausstattung, mehr Waldpflege und Verhaltensregeln im Wald.

Von Leonie Schwarzer, ARD-Hauptstadtstudio

Feuerwehr und Waldeigentümer sind sich einig: In deutschen Wäldern hat es viel gebrannt in diesem Jahr. Insgesamt 4300 Hektar Wald sind bislang betroffen - das entspricht mehr als 6000 Fußballfeldern. "Wir haben ein Rekord-Waldbrandjahr. Es gibt mittlerweile Studien, die belegen, dass es in den letzten mehreren hundert Jahren nicht so viele Waldbrände gegeben hat in Deutschland, wie es jetzt der Fall ist", so Karl-Heinz Banse, Präsident des deutschen Feuerwehrverbandes.

Mehr Hubschrauber für größere Wassermengen nötig

Personell sei man gut in Deutschland aufgestellt, es gebe viele Feuerwehren - aber es brauche dringend eine bessere Ausstattung: "Es ist im Augenblick - ich will es jetzt nicht Zufallsprinzip nennen - aber, wer zuerst ruft, der kriegt vielleicht einen Hubschrauber, und wer als Vierter oder Fünfter ruft, dann ist kein Hubschrauber mehr vorhanden." Deshalb seien mehr Hubschrauber nötig, die große Wassermengen transportieren können. Außerdem fordert er leichte, moderne Fahrzeuge, mit denen die Feuerwehr auch auf unbefestigten Waldwegen fahren kann.

Neben der Brandbekämpfung sei aber auch Prävention wichtig, betont Andreas Bitter. Er ist Präsident der Waldbesitzerverbände. Monokulturen, also Wälder, in denen zum Beispiel nur Kiefern stehen, brennen besonders leicht. Wichtig sei es deshalb, den Wald umzubauen, für mehr Vielfalt zu sorgen. "Das bedeutet, dass wir bei Wiederbestockung, also bei Wiederanpflanzung von Schadensflächen, aber eben auch bei den bestehenden Beständen darauf setzen, die Vielfalt der Baumarten zu erweitern", so Bitter.

Außerdem müsse der Wald auch stärker betreut werden - das bedeutet: totes Holz abtransportieren oder Wege freischneiden, damit die Feuerwehr auch zum Einsatzort kommt. Für den Umbau und die Pflege des Waldes sei viel Geld nötig - allein für den Umbau mehr als eine halbe Milliarde Euro pro Jahr rechnet Bitter vor - das könnten die Waldbesitzer nicht alleine stemmen.

Doch nicht nur materielle Unterstützung, wie eine bessere Ausstattung für die Feuerwehr oder mehr Geld für den Wald, fordern Feuerwehr und Waldbesitzer: "Bis zu 90 Prozent der entsprechenden Brände sind in letzter Konsequenz auf menschlichen Einfluss unmittelbarer Art zurückzuführen. Aber es ist, glaube ich, nicht sinnvoll, angesichts der Vielfalt dieser Waldfunktionen und der großen Bedeutung des Waldes für den Menschen ein generelles Waldbetretungsverbot einfordern zu wollen."

Verhaltensregeln für den Wald gefordert

Stattdessen müsse an die Verantwortung der Menschen appelliert werden. Banse fordert Verhaltensregeln für den Wald - er findet unter anderem ein Rauchverbot wichtig: "Es kann nicht sein, dass jeder meint, er könnte in den Wald gehen und mal eben ein Lagerfeuer machen, weil das ja so schön gemütlich ist. Oder bei 35 Grad im Schatten mit der Zigarette im Wald spazieren gehen und die Zigarette dann so wegschnippen - oder aus dem Autofenster rausschmeißen, wenn ich durch den Wald fahre."

Generell müssten die Menschen wieder mehr darin geschult werden, wie sie sich im Wald zu verhalten haben - damit es in Zukunft nicht mehr so häufig brennt wie in diesem Jahr.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 26. August 2022 um 14:36 Uhr.