Videosprechstunde Arzt Patient

Mehr Videosprechstunden Dr. Digital

Stand: 02.02.2021 03:59 Uhr

Corona-bedingt müssen gerade viele Probleme digital gelöst werden - beruflich wie privat. Und auch gesundheitlich. So ist die Nachfrage nach Videosprechstunden beim Arzt massiv gestiegen.

Von Jens Eberl, WDR

Stefan Spieren greift in seiner Praxis nicht nur zu Dermatoskop und Stetoskop, sondern auch zu Kamera und Kopfhörer. Immer mehr Patienten kommen per Videoschalte zu ihm ins Arztzimmer. Der Hausarzt in Wenden im Kreis Olpe (NRW) hat sich digital aufgestellt. Pro Tag hat er zwischen sechs und zehn Videosprechstunden. Gerade in der Corona-Zeit ist dies ein wichtiger Service, denn viele Patientinnen und Patienten möchten gar nicht mehr in die Praxis kommen.

Jens Eberl

Erst kürzlich wollte sich eine ältere Dame unbedingt per Video behandeln lassen. "Sie war morgens gestürzt und hatte Schmerzen im Bereich der Rippen." Dies sei ein schwieriger Fall für eine Videosprechstunde, denn es könne sowohl eine Rippenfraktur sein als auch eine Verletzung in der Lunge. Aber sogar das habe gut funktioniert. "So etwas geht dann nur, wenn man die Patientin gut kennt. Sie hat mir das erklärt, wir haben ein paar Atemübungen gemacht, die Tochter dazu geholt und das dann ausführlich besprochen", so Spieren.

Heiß begehrte Videotermine

Es müsse eine gute Mischung aus digitalen und persönlichen Kontakten sein, ist der Arzt überzeugt. Natürlich sei es einfacher, Patienten über Video zu behandeln, wenn man sie kennt. Es gebe aber inzwischen auch viele Fälle, die schon beim ersten Kontakt per Video in die Praxis kommen. "Gerade am Anfang der Corona-Pandemie hatten wir extrem viel Zulauf. Da haben Leute aus Berlin angerufen, um einen Videotermin zu bekommen. Es gab kaum Praxen, die so etwas angeboten haben", so Spieren. Inzwischen habe sich die Lage aber beruhigt. Viele Hausarztpraxen hätten nachgerüstet.

Insgesamt hat Spieren die Erfahrung gemacht, dass sich sehr viele Probleme per Video lösen lassen. Natürlich könne man kein Blut abnehmen oder eine Wunde behandeln. Aber eine Wundkontrolle oder Wechsel eines Verbandes sei unter Anleitung durchaus möglich. Gespräche über Blutwerte sowieso.

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Hausarzt Stefan Spieren: Sechs bis zehn Videosprechstunden täglich

Persönlicher Kontakt bleibt Goldstandard

Der Goldstandard werde aber immer der persönliche Kontakt zum Patienten bleiben. "Die Videosprechstunde kann nur ein ergänzendes Tool sein", sagt Roland Stahl von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Doch dieses Tool wird immer häufiger genutzt: Durch Corona habe die Videosprechstunde einen regelrechten Boom erlebt. 2019 habe es bundesweit knapp 1700 Videosprechstunden gegeben. "Im Jahr 2020 waren es bis Ende Mai schon 200.000", so Stahl. Die Zahlen nach Mai seien noch nicht ausgewertet, aber er gehe davon aus, dass sie weiter angestiegen seien. Immer mehr Ärzte machten mit. Inzwischen sei jede vierte Arztpraxis in der Lage, Videosprechstunden anzubieten.

Allerdings weigern sich auch noch viele Mediziner. Sie kritisieren, dass Videosprechstunden vergleichsweise schlecht vergütet werden. "Hier sind wir aber dran, mit den Krankenkassen neue Vergütungsmodelle auszuhandeln", so Stahl.

Klare Regeln für Videosprechstunden

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung stellt klare Regeln auf, auch um Kritik von Datenschützern vorzubeugen. Der Arzt sei verpflichtet, einen zertifizierten Videodienstanbieter auszuwählen, der für einen reibungslosen und sicheren technischen Ablauf der Videosprechstunde sorge. "Eine Sprechstunde per Zoom, WhatsApp oder Skype ist verboten", so Stahl.

Die Patientin oder der Patient müsse für die Videosprechstunde eine Einwilligung abgeben und die Videosprechstunde müsse in Räumen stattfinden, die Privatsphäre bieten. "Die Videosprechstunde muss vertraulich und störungsfrei verlaufen - wie eine normale Sprechstunde auch. So darf das Gespräch beispielsweise von niemandem aufgezeichnet werden, auch nicht von der Patientin oder dem Patient", schreibt die KBV in ihren Vorgaben.

Ärztin kommuniziert mit Patienten per Video | picture alliance / imageBROKER

Für Videosprechstunden gelten klare Datenschutz-Vorgaben. Bild: picture alliance / imageBROKER

Videosprechstunden oft effektiver

Hausarzt Spieren aus Siegen hat festgestellt, das Videosprechstunden oft sogar effektiver verlaufen, als wenn der Patient in die Praxis kommt. "Die Patienten sind besser vorbereitet und konzentrierter. Man fokussiert sich in den fünf bis zehn Minuten viel mehr auf die Fragen, um die es geht."

Seine Praxis bietet Videosprechstunden schon seit einigen Jahren an. Deshalb war er in der Corona-Krise von Anfang an gut aufgestellt. Ganz am Anfang der Krise hatte er zeitweise keine Patienten mehr persönlich empfangen. "Wir hatten 30-40 Videosprechstunden am Tag."

Da sei ihm dann auch klar geworden, dass es auf die richtige Mischung und Abwechslung ankommt. "Wenn man nur noch auf den Monitor schaut, dann brummt irgendwann auch der Kopf", vor allem weil bei einer Videosprechstunde andere Regeln gelten, als bei einer normalen Videokonferenz in einem Betrieb. "Sie müssen schon ständig in die Kamera schauen und sich voll auf den Patienten konzentrieren", so Spieren. Denn auch digital solle sich der Patient gut aufgehoben fühlen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 02. Februar 2021 um 12:00 Uhr.