Ein Plastikbecher für einen Shake, ein Getränkebecher für Softdrinks sowie Einweggeschirr aus Plastik liegen in einem Mülleimer.   | dpa
FAQ

EU-Verbot Wie die Einwegprodukte verschwinden sollen

Stand: 03.07.2021 08:42 Uhr

Plastikteller, Gabeln, Wattestäbchen, Strohhalme: Seit heute dürfen in der EU Wegwerfprodukte aus Kunststoff nicht mehr verkauft werden. Was ändert sich, was sagt der Handel? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Von Claudia Plaß, ARD-Hauptstadtstudio

Was ist von heute an verboten?

Einweg-Plastikbecher, Plastikbesteck, Trinkhalme, Wattestäbchen, Luftballonstäbe aus Kunststoff - Wegwerfprodukte wie diese landen besonders häufig an Stränden oder in Parks, verschmutzen Meere und die Umwelt. Deswegen sollen sie verboten werden. Auch Fast-Food-Verpackungen und Wegwerf-Behälter aus Styropor dürfen nicht mehr in den Handel gelangen. Das gleiche gilt für Wegwerfteller, Wegwerfbesteck und -becher aus biobasierten oder biologisch abbaubaren Kunststoffen. Auch Einweggeschirr aus Pappe, das mit Plastik überzogen ist, soll aus den Supermarktregalen verschwinden.

Claudia Plaß ARD-Hauptstadtstudio

Was ändert sich noch?

Andere Plastikprodukte, für die es noch keine angemessenen Alternativen gibt, wie zum Beispiel Feuchttücher, Zigaretten mit kunststoffhaltigen Filtern oder Tampons bleiben grundsätzlich erlaubt. Sie müssen nun speziell gekennzeichnet werden, mit einem Hinweis, der Verbraucherinnen und Verbraucher vor Umweltschäden durch Plastik warnt. Auch über die richtige Entsorgung soll informiert werden.

Was ist in der Zukunft geplant?

Von 2023 an sind weitere Schritte in Richtung Mehrweg vorgesehen: Dann sollen etwa Lieferdienste und Restaurants verpflichtet werden, Mehrweg-Behälter als Alternative zu Einwegplastik anzubieten. Vom kommenden Jahr an dürfen Händler keine Plastiktüten mehr verkaufen, ausgenommen sind die sogenannten Hemdchenbeutel, dünne Plastiktüten für Obst und Gemüse. Zudem soll eine Pfandpflicht für Einweggetränkeflaschen eingeführt werden. Von 2025 an gilt zudem: mehr Recycling-Plastik in Einweg-Getränkeflaschen. Sie müssen mindestens 25 Prozent sogenanntes Rezyklat enthalten.

Was erhofft sich die Bundesregierung?

Bundesumweltministerin Svenja Schulze bezeichnet das Verbot von einzelnen Plastik-Einwegprodukten als wichtigen Schritt raus aus der Wegwerfgesellschaft. In Deutschland werden laut Ministerium jede Stunde allein rund 320.000 Einweg-Becher für heiße Getränke verbraucht, davon bis zu 140.000 To-Go-Becher. Die Menge an Einwegmüll ist in den vergangenen Jahren gestiegen: Zwischen 2015 und 2017 um 3,9 Prozent auf 6,15 Millionen Tonnen. Das hat das Umweltbundesamt errechnet.

Um gegen die Vermüllung vorzugehen und Verpackungsmüll zu sparen, setzt die Bundesregierung künftig auf Mehrweg-Alternativen. Grundsätzlich, sagt die SPD-Politikerin Schulze, müsse nun darauf geachtet werden, dass nicht Einwegplastik durch andere Einweg-Produkte zum Beispiel aus Aluminium ersetzt werde, sondern dass es wirklich gute Alternativen gebe.

Wie bewerten Umweltverbände und Verbraucherschützer das Verbot?

Unter anderem ist die Deutsche Umwelthilfe skeptisch. Das jetzt geltende Verbot sei zwar ein wichtiges politisches Signal, trotzdem könnten Unternehmen eben doch auf andere umweltschädliche Einwegartikel zurückgreifen, so die Befürchtung. Deswegen müssten Mehrwegsysteme für Coffee-to-Go-Becher und Essensboxen konsequent gefördert werden.

Auf Einweg-Produkte sollte zudem eine Abgabe in Höhe von 20 Cent gezahlt werden, fordert die DUH, damit ein Lenkungseffekt auf Mehrwegsysteme stattfinde. Mit den Einnahmen müssten wiederum die Mehrwegsysteme finanziell unterstützt werden. Auch die Verbraucherzentrale Bundesverband sieht in dem Verbot einen wichtigen Schritt in Richtung nachhaltige Konsumgesellschaft. Ein Verbot helfe aber nur begrenzt. Vielmehr müsste die Bundesregierung schneller mehr Mehrwegbehälter gegen Einweg-to-go-Produkte durchsetzen.

Und der Handel?

Zwar sind einzelne Einweg-Plastikprodukte nun verboten. Ware, die Restaurants oder Imbissketten derzeit noch im Lager haben, darf aber noch verkauft werden. Laut Handelsverband Deutschland sind das keine größere Mengen genaue Zahlen liegen dem Verband nach eigenen Angaben nicht vor. Viele Einzelhändler hätten in den vergangenen Monaten schon Vorkehrungen getroffen, um sich auf die Alternativen umzustellen, heißt es.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 03. Juli 2021 um 08:03 Uhr.

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Moderation 03.07.2021 • 15:29 Uhr

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