Eine Pflegeschwester hält die Hand einer alten Heimbewohnerin. | dpa

Pflege-Report 2021 Sterblichkeit in Pflegeheimen stark gestiegen

Stand: 29.06.2021 12:35 Uhr

Die Sterblichkeit in Pflegeheimen ist laut einer Studie der AOK während der Pandemie deutlich gestiegen. Der Infektionsschutz sei unzureichend gewesen, so die Forscher. Die Stiftung Patientenschutz kritisiert aber auch das Pflegepersonal.

Die Sterblichkeit von Bewohnern in Pflegeheimen ist in Deutschland in den ersten beiden Pandemiewellen drastisch angestiegen. Dies zeigt der Pflege-Report 2021 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO).

Rund drei Wochen nach Start des ersten Lockdowns im Frühjar 2020 lag die Sterblichkeit bereits um 20 Prozent höher als im Mittel der Vorjahre. In den ersten drei Monaten der zweiten Pandemiewelle von Oktober bis Dezember 2020 übertraf sie das Niveau der Vorjahre um durchschnittlich 30 Prozent.

In der Spitze lag die Übersterblichkeit in der 52. Kalenderwoche 2020 sogar bei 80 Prozent. "Die Infektionsschutzmaßnahmen während der Pandemie reichten nicht aus, um die im Heim lebenden pflegebedürftigen Menschen ausreichend zu schützen", sagte Antje Schwinger, Leiterin des Forschungsbereichs Pflege im WIdO. Das müsse für zukünftige Pandemiekonzepte ebenso berücksichtigt werden, wie die deutlichen gesundheitlichen Folgen für die Pflegebedürftigen, insbesondere auch die psychischen Belastungen durch die Isolation.

Kein Kontakt, zu wenig Bewegung

Laut einer zum Pflege-Report gehörenden Angehörigen-Befragung war für 43 Prozent der befragten Angehörigen ein persönlicher Kontakt zu den Pflegebedürftigen zwischen März und Mai 2020 nicht möglich. Für weitere 30 Prozent war diese Möglichkeit nur selten gegeben.

Nach Angaben der Bezugspersonen war es 16 Prozent der pflegebedürftigen Personen nicht möglich, das eigene Zimmer zu verlassen, weiteren 25 Prozent war es nur selten möglich.

Ein kritisches Versorgungsbild

Die Angehörigen bemerkten während der Pandemie deutlich negative Veränderungen des Zustands der pflegebedürftigen Person. Mehr als 70 Prozent berichten über häufigere Gefühle von Einsamkeit und Alleinsein seitens der pflegebedürftigen Person, häufigere Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit, eine Verschlechterung der geistigen Fitness sowie verringerte Beweglichkeit.

Insgesamt zeichnet die Untersuchung ein kritisches Versorgungsbild. Maßnahmen, die die Pflegebedürftigen vor Covid-19 schützen sollten, führten gleichermaßen zu erheblichen Einschnitten in der Versorgung sowie zu starker sozialer Isolation, so Schwinger. Auf keinen Fall dürfe es noch einmal zu einer generellen Isolierung alter Frauen und Männer von der Außenwelt und ihren Angehörigen kommen.

Geringe Impfbereitschaft beim Pflegepersonal

Unterdessen bemängelte die Deutsche Stiftung Patientenschutz eine zu geringe Impfbereitschaft beim Pflegepersonal. Mindestens 80 Prozent müssten geimpft sein, um das Virus aus den Einrichtungen herauszuhalten, sagte Vorstand Eugen Brysch dem rbb. Dies sei aber nicht der Fall. "Wir erleben, dass beim Altenpflegepersonal die Impfbereitschaft nicht besonders hoch ist. Und das macht große Sorgen, da müssen wir dringend nacharbeiten", sagte Brysch.

Eine Impfpflicht halte er für den falschen Weg. Bei Angehörigen von pflegebedürftigen Menschen sei die Impfbereitschaft deutlich höher als beim Pflegepersonal, fügte der Patientenschützer hinzu. Schon jetzt müsse für den Herbst und mögliche neue Corona-Ausbrüche in Heimen vorgesorgt werden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. Juni 2021 um 14:00 Uhr.

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