Minister Spahn (re.) und RKI-Chef Wieler in der Bundespressekonferenz | dpa

Spahn und Wieler zur Corona-Lage Ein Lob und viele Sorgen

Stand: 09.04.2021 11:29 Uhr

Bundesgesundheitsminister Spahn lobt Fortschritte in der Corona-Impfkampagne. Sonst dominierte ein sorgenvoller Ton, darum erneuerte er seine Forderung nach einem harten Lockdown.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hält die Corona-Lage in Deutschland nach wie vor für sehr gefährlich. Der CDU-Politiker betonte, die aktuellen Infektionszahlen seien bereits sehr hoch, spiegelten wegen der Oster-Feiertage aber womöglich noch nicht einmal das wirkliche Geschehen wider. Es gäbe zu viele Corona-Fälle, zu viele Erkrankte und zu viele Menschen, die in Krankenhäusern um ihr Leben kämpften, sagte er in der Bundespressekonferenz.

In den Kliniken zeige sich, wie ernst die Situation tatsächlich sei. Es gebe schon wieder fast 4500 Patienten auf Intensivstationen. "Wenn es so weitergeht, sind es zu viele für unser Gesundheitssystem."

Spahn rügt Parteienstreit

Der Minister warb eindringlich für konsequente und bundeseinheitliche Maßnahmen. "Ich empfehle uns allen, den Parteienstreit - Wahljahr hin oder her - herunterzufahren und uns auf das Wesentliche zu konzentrieren, die Bekämpfung der Pandemie", sagte er. "Es braucht einen Lockdown, um die aktuelle Welle zu brechen."

Die Menschen müssten ihre sozialen Kontakte einschränken - notfalls müsse dies mit nächtlichen Ausgangssperren forciert werden, machte Spahn deutlich.

Lob für die MPK

Im Gegensatz zu Spitzenpolitikern auf Länderebene warb er für ein Bund-Länder-Treffen. Dies sei das richtige Format, um neue Maßnahmen zu beschließen. "Aber wenn manche schon die Einschätzung der Lage nicht teilen, dann wird es natürlich schwierig", so Spahn. Stattdessen nur eine kurze Rücksprache zu halten, reiche angesichts der Infektionslage jedenfalls nicht aus.

Noch während der Pressekonferenz wurde bekannt, dass die für Montag geplante Ministerpräsidentenkonferenz verschoben wird.

Spahn froh über Impf-Fortschritte

Der Bundesgesundheitsminister lobte den Fortschritt der Corona-Impfkampagne. Seinen Angaben nach haben knapp 15 Prozent der Bevölkerung inzwischen eine erste Schutzimpfung erhalten. Knapp sechs Prozent sind demnach durch eine Zweitimpfung vollständig immunisiert.

"Wir sind auf einem guten Weg", so Spahn. Demnach habe es gestern mit 719.000 Impfungen an einem Tag einen neuen Tagesrekord gegeben. Dies liege auch an der Einbeziehung von Hausärztinnen und -ärzten.

"Jeden Tag verlieren wir Menschenleben"

Es werde noch dauern, bis die Impfungen auf Bevölkerungsebene einen Effekt zeigen, gab der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, zu bedenken.

Man könne die dritte Coronavirus-Welle nicht mehr verhindern, aber abflachen, sagte er in der gleichen Pressekonferenz. Diese sei - unter anderem durch die Virusvariante B117 - besonders schwer einzudämmen. Schon jetzt seien die Krankenhäuser massiv belastet - und dies beträfe nicht nur die Maschinen und Betten, sondern auch die Pflegekräfte und das ärztliche Personal.

Wieler hält einen konsequenten Lockdown von zwei bis vier Wochen für nötig, um die dritte Infektionswelle zu brechen. Sollte die Mobilität nicht eingeschränkt werden, würden die Infektionszahlen ansteigen. "Jeden Tag, den wir nicht handeln, verlieren wir Menschenleben."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 09. April 2021 um 11:00 Uhr.