Zahlreiche Karnevalisten haben sich am Rosenmontag am Chlodwigplatz zu einer Friedensdemonstration versammelt.  | picture alliance/dpa

Rosenmontag Friedensdemo statt jeckem Treiben

Stand: 28.02.2022 18:24 Uhr

Rosenmontag hat mit Karneval nur noch wenig zu tun: Wegen des Kriegs in der Ukraine wurden viele Umzüge abgesagt - nicht alle. In Köln waren rund 250.000 Demonstranten unterwegs.

Von Susanne Schnabel

Erst die Corona-Pandemie, dann noch der Ukraine-Krieg: Der Karneval steht in diesem Jahr unter keinem guten Stern. Schunkeln und tanzen, während Menschen in der Ukraine um ihr Leben bangen? Vielen Karnevalisten ist die Lust zu feiern vergangen. Die meisten großen Umzüge in NRW wurden abgesagt.

28.02.2022, Nordrhein-Westfalen, Köln: Zahlreiche Karnevalisten haben sich am Chlodwigplatz zur Friedensdemonstration am Rosenmontag versammelt | Rolf Vennenbernd/dpa

Friedensdemo für die Ukraine statt Rosenmontagszug Bild: Rolf Vennenbernd/dpa

Köln: Eine Viertel Million Demonstranten bei Friedensdemo

Das Festkomitee Kölner Karneval hatte zu einer Friedensdemo aufgerufen und laut Polizeiangaben kamen rund 250.000 Menschen, um für Frieden in Europa zu demonstrieren. Damit war dies eine der größten Demonstrationen in der Geschichte von NRW. In den Jahren 1982 und 1983 demonstrierten in Bonn noch mehr Menschen gegen die Politik von Ronald Reagan und für Frieden mit jeweils 500.000 Teilnehmern. 1996, ebenfalls in Bonn, gingen 350.000 Menschen gegen Sozialabbau auf die Straße.

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Friedenszüge an Rosenmontag: Karnevalisten solidarisch mit der Ukraine

Viele hatten an diesem Rosenmontag frei. Sie hätten eigentlich Rosenmontag gefeiert, nutzen aber den Tag, um ein Zeichen zu setzen.

Christoph Kuckelkorn, Präsident Festkomitee Kölner Karneval, trägt bei der Friedensdemonstration am Rosenmontag eine FFP2-Maske mit Friedenssymbol | dpa/Rolf Vennenbernd

Christoph Kuckelkorn, Präsident Festkomitee Kölner Karneval Bild: dpa/Rolf Vennenbernd

"Der Kölner Karneval kann mehr als feiern und schunkeln. Er lebt vor allem von der Solidarität und der Gemeinschaft, Werte wie Freiheit und Gleichheit sind unser oberstes Gut", sagte Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn. 

"Riesenleistung des organisierten Karnevals"

Der Weg des Demonstrationszuges ähnelte dem des regulären Rosenmontagszuges in Zeiten vor Corona, war allerdings mit 4,5 Kilometern etwas kürzer. Am Zugweg stand der Mottowagen, der Putin zeigt, wie er die alte Sowjetunion mit Bauklötzen wieder zusammensetzen will.

28.02.2022, Nordrhein-Westfalen, Köln: Hendrik Wüst (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, trägt bei der Friedensdemonstration am Rosenmontag am Severinstor eine Schleife in den ukrainischen Landesfarben | dpa/Rolf Vennenbernd

Hendrik Wüst läuft in Köln mit Bild: dpa/Rolf Vennenbernd

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) hat die Friedensdemo in Köln als "Riesenleistung des organisierten Karnevals" gewürdigt. Aber auch die anderen beteiligten Gruppen und die Zivilgesellschaft hätten ihren Anteil daran.

28.02.2022, Nordrhein-Westfalen, Köln: Sänger Wolgang Niedecken spricht auf der Friedensdemo in Köln ins Mikrofon | WDR/Jan Knoff

Wolgang Niedecken ist gerührt Bild: WDR/Jan Knoff

Auch BAP-Sänger Wolfgang Niedecken zeigte sich begeistert von der Friedensdemo am "höchsten Kölner Feiertag". "Da bin ich sehr stolz auf meine Stadt, muss ich wirklich sagen", sagte Niedecken dem WDR. Rosenmontag sei zu einer Solidaritätskundgebung für Frieden und Demokratie umfunktioniert worden. Es herrsche eine einzigartige, ernsthafte Stimmung. Auf die Frage, ob er mit so vielen Teilnehmern gerechnet habe, antwortete der Musiker:

Botschaft von Tilly

Wagenbauer Jacques Tilly neben seinem Karnevalswagen  | WDR/Thomas von der Heiden

Nachtschicht für den Frieden: Wagenbauer Jacques Tilly Bild: WDR/Thomas von der Heiden

Überraschung in Düsseldorf: Wagenbauer Jacques Tilly hatte mit seinem Team die ganze Nacht gearbeitet und ließ einen eigens angefertigten Karnevalswagen zum Ukraine-Krieg durch die Stadt rollen. Seine Botschaft an Wladimir Putin: "Erstick dran!"

Duisburg abgesagt, Unna und Monheim ziehen

Der Duisburger Rosenmontags-Umzug in der MSV-Arena wurde ebenfalls wegen des Krieges in der Ukraine abgesagt. In Monheim haben sich - trotz viel Kritik - die Verantwortlichen anders entschieden und sagten, der Zug kann ziehen. "Er muss es vielleicht sogar - gerade jetzt! Weil er ein Zeichen für Frieden, Freiheit und Vielfalt ist und damit den Werten, die die russische Regierung gerade vor aller Welt mit Füßen tritt, entgegensteht", so ein Statement von Bürgermeister Daniel Zimmermann und der Großen Monheimer Karnevalsgesellschaft.

Helmut Scherer (l.) zieht mit seinem nach eigenen Angaben kleinsten Karnevalsumzugs der Welt über das Gelände des Krankenhauses Christliches Klinikum in Unna | dpa/Bernd Thissen

Helmut Scherer - mit 87 Jahren unterwegs für den Frieden Bild: dpa/Bernd Thissen

Der wohl kleinste Karnevalsumzug der Welt war wegen des Krieges noch kürzer: Statt der geplanten sechs Jecken zog Helmut Scherer (87) in Unna nur mit zwei weiteren Mitstreitern los. Aus Rücksicht auf die Gefühle der Ukrainer, die in Unna leben, zog er mit dem Bollerwagen nicht durch die Innenstadt, sondern brachte Patienten am Katharinenhospital ein Musik-Ständchen.

Die Dorstener Karnevalisten wollten den Kindern eine Freude machen - und so rollte der Prinzenwagen durch die Stadt. Auf dem Marktplatz gab es um 14.11 Uhr Süßigkeiten für alle kostümierten Kinder.

Blut spenden und das Prinzenpaar hält Händchen

Am Rosenmontag veranstalteten das Festkomitee Essener Karneval, die Messe Essen und der DRK-Blutspendedienst West eine große Blutspendeaktion in der Essener Messe. Prinzenpaar, Kinderprinzenpaar und Oberbürgermeister Thomas Kufen waren vor Ort und begrüßten die Spender. In Essen hatten im vergangenen Jahr 1.000 Menschen weniger Blut gespendet als noch 2020.