Fußballfans verfolgen die erste Halbzeit des EM-Spiels Türkei gegen Italien auf den Bildschirmen, die Gastwirtschaften auf den Kölner Ringen aufgestellt haben. | dpa
FAQ

Public Viewing trotz Corona "Rudelgucken?" Aber sicher

Stand: 15.06.2021 10:26 Uhr

Heute Abend steigt endlich auch die deutsche Mannschaft in die Fußball-EM ein. Und die Corona-Lage entspannt sich, so dass auch "Rudelgucken" mit Freunden möglich ist. Was ist dabei zu beachten?

Von Jens Eberl, WDR

Was für Veranstaltungen sind möglich?

Die gute Nachricht: Fußball-Fans dürfen sich wieder treffen, um bei den Spielen gemeinsam mitzufiebern. Menschenmassen vor dem Brandenburger Tor, wie sie noch vom Weltmeistertitel 2014 in Erinnerung sind, passen jedoch nicht in Corona-Zeiten. Solche großen Straßen-Events wird es nirgendwo in Deutschland geben. Dennoch gibt es praktisch im ganzen Land Gaststätten, die Public Viewing anbieten. Manche Biergärten bieten Platz für mehrere Hundert Menschen. Es gelten Abstands- und Hygieneregeln sowie Kapazitätsgrenzen.

Jens Eberl

Einige größere Veranstaltungen sind auch geplant. So werden beispielsweise in Essen alle Spiele bei einem Open Air im Musikpavillon im Grugapark gezeigt. Bis zu 1000 Personen sind hier zugelassen, es wird Biertische für jeweils acht Personen geben, die weit genug auseinander stehen sollen.

Insgesamt gibt es aber nur wenige Angebote von Großveranstaltungen. In den großen rheinland-pfälzischen Städten liegen beispielsweise gar keine Anmeldungen von Veranstaltern vor. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Auch Dresden, Leipzig oder Chemnitz haben darauf verzichtet, eigene Public Viewings auszurichten.

Was genau erlaubt ist, regeln die Coronaschutzverordnungen der Länder, die von den Kommunen umgesetzt und kontrolliert werden müssen.

Sind Public Viewings eine gute Idee?

Ja, sagt der Aerosolforscher Gerhard Scheuch. Denn die Alternative sei, dass viele Menschen drinnen zuschauen, und das wäre schlecht. "Wir wissen aus der Aerosolforschung seit eineinhalb Jahren, dass die meisten Infektionen in den Innenräumen stattfinden. Je öfter wir uns nach draußen begeben, desto besser ist es", so Scheuch. Deshalb sei Public Viewing im Freien besser als das Treffen mit Freunden zuhause.

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach befürwortet ebenfalls Public Viewing, wenn es im kleinen Rahmen stattfindet. Es spreche nichts dagegen, mit ein paar Freunden im Außenbereich eines Restaurants die EM zu gucken. "Die Menschen brauchen nach den harten Monaten Momente der Entspannung", so Lauterbach. 

Was ist beim Public Viewing zu beachten?

Auch hier ist die wichtigste Regel: Abstand halten. Aerosolforscher Scheuch sagt, 1,5 Meter sei die richtige Distanz. Wenn ein Biergarten überfüllt sei, so dass man sich gar nicht mehr aus dem Weg gehen könne, sollte man lieber die Lokalität wechseln. "Vermutlich ist die Gefahr bei An- und Abreise aber deutlich größer als beim Public Viewing selbst." Hier solle man darauf achten, dass man beispielsweise nicht im vollen Bus zu den Veranstaltungen fährt. Wichtig sei auch in den sanitären Einrichtungen der Biergärten auf gute Durchlüftung zu achten.

Darf man beim Torjubel die Freunde umarmen?

Sogar das sei möglich, sagt Aerosolforscher Scheuch. "Wenn man sich umarmt, ist nicht Gesicht gegen Gesicht gerichtet, die Aerosolwolke geht aneinander vorbei." Somit sei eine kurze Umarmung unkritisch. Ansteckungen fänden nach etwa 15 Minuten statt, und ein Torjubel sei ja in der Regel deutlich kürzer. Lauterbach merkt aber skeptisch an, es käme dabei auf die Art der Umarmung an. "Ich würde es nicht ausreizen. Ich denke, man kann die Stimmung ganz gut genießen, ohne dass man sich umarmen muss", so der Gesundheitspolitiker. Virologen warnen zudem vor den Mutationen des Coronavirus, bei denen Ansteckungen schneller möglich sind.

Forscher Scheuch geht davon aus, dass es einzelne Ansteckungen geben wird. "Aber es wird nie zu Cluster-Ansteckungen kommen. Sie werden nicht 30, 40 oder 50 Leute im Freien anstecken können. Solche Situationen wird es draußen nicht geben."

Darf man zu Hause mit Freunden die EM schauen?

In den eigenen vier Wänden lässt sich die EM sicherlich mit dem geringsten Planungsaufwand verfolgen. Wer einen Balkon oder Garten hat, umso besser. Hier ist das Risiko von Ansteckungen geringer. Auf Feiern in privaten Räumen sollte man hingegen verzichten. Auch in Privatwohnungen und anderen privaten Räumlichkeiten sollen sich nur Angehörige des eigenen Haushalts oder insgesamt höchstens fünf Personen aus verschiedenen Hausständen treffen. Kinder bis einschließlich 14 Jahre sowie geimpfte und genesene Personen werden dabei nicht eingerechnet.

Da beispielsweise in Nordrhein-Westfalen die Inzidenz in vielen Kommunen unter 35 liegt, gilt die Stufe 1. Das bedeutet: Erlaubt sind private Treffen im öffentlichen Raum zwischen beliebig vielen Personen des eigenen Haushalts und vier weiteren Haushalten. Darüber hinaus können sich bis zu 100 Personen mit negativem Corona-Test aus beliebig vielen Haushalten treffen.

Auch andere Bundesländer lockerten ihre Kontaktbeschränkungen. So dürfen sich in Bayern zehn Menschen aus zehn Haushalten treffen, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz - wie derzeit fast überall der Fall - unter 50 liegt. Für vollständig Geimpfte und Genesene gibt es keine Beschränkung.

In Baden-Württemberg dürfen bei einer Inzidenz unter 100 fünf Personen aus maximal zwei Haushalten zusammensitzen, bei Inzidenzen unter 50 zehn Personen aus maximal drei Haushalten. Kinder bis einschließlich 13 Jahren sowie Geimpfte oder Genesene zählen nicht mit.

Über dieses Thema berichtete WDR 5 im Morgenecho am 10. Juni 2021 um 07:16 Uhr.