Autos fahren auf dem Berliner Autobahnring langsam im stockenden Verkehr.  | dpa

Arbeiten in Deutschland 3,4 Millionen Menschen pendeln

Stand: 08.06.2021 10:38 Uhr

Die Zahl der Menschen, die teils weite Strecken zum Job zurücklegen, ist in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen. Besonders nach Berlin pendeln viele. Was heißt das für die aktuelle Benzinpreisdebatte?

3,4 Millionen Menschen in Deutschland hatten den Arbeitsort im vergangenen Jahr in einem anderen Bundesland als den Wohnort. Das geht aus aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit hervor, die die Linke im Bundestag ausgewertet hat.

In den vergangenen Jahren gab es bei den Pendlerzahlen einen deutlichen Anstieg: 1999 hatten erst 2,1 Millionen Menschen ihren Arbeitsort nicht in dem Land, in dem sie wohnten. Wie viele Menschen wegen der coronabedingten Arbeit zu Hause vorübergehend nicht pendeln mussten, zeigen die Zahlen nicht.

Weniger Pendler zu Beginn der Pandemie

Zum Einfluss der Pandemie auf das Pendlerverhalten hatte hingegen das Statistische Bundesamt eine Erhebung angestellt. Demnach gab es ab März 2020 ein Rückgang beim Pendeln. Im April wurde der Rückgang stärker. Im Mai 2020 pendelten demnach schon wieder mehr Menschen.

Die meisten Pendlerinnen und Pendler zwischen den Bundesländern gab es im Jahr 2020 der Statistik zufolge mit 225.000 von Brandenburg nach Berlin, die wenigsten mit 41 von Bremen ins Saarland.

Teils lange Wege zum Arbeitsplatz

Am Beispiel des bevölkerungsreichsten Bundeslandes Nordrhein-Westfalen lässt sich sehen, wie ausgeprägt auch jenseits der Ballungsräume gependelt wird: 93.000 Beschäftigte wohnten in NRW, arbeiteten aber im benachbarten Niedersachsen, 64.000 im angrenzenden Hessen, aber auch 47.000 in Bayern und 38.000 in Baden-Württemberg.

Die Linke-Sozialexpertin Sabine Zimmermann sagte: "Den Beschäftigten werden Mobilität und teils lange Wege zum Arbeitsplatz abverlangt. Keine Bundesregierung, auch nicht die Grünen, haben daran bislang etwas ändern wollen."

Zimmermann: "Rücksicht nehmen auf Pendler"

Vor dem Hintergrund der aktuellen Benzinpreisdebatte forderte Zimmermann, Rücksicht auf Pendler zu nehmen. Es wäre "zynisch, wenn der Preis, um überhaupt zur Arbeit zu kommen, immer höher geschraubt wird." Angestoßen hatte die Diskussion über eine mögliche Benzinpreiserhöhung die Grünen-Chefin Annalena Baerbock. Sie hatte eine Erhöhung um 16 Cent gefordert. Für den Vorstoß hatte sie viel Kritik geerntet, vor allem vonseiten der SPD.

Unterstützung hatte Baerbock vom Chef des Ifo-Instituts, Clemens Fuest, bekommen. Er verwies in den tagesthemen darauf, dass die Bundesregierung selbst als zentrale Maßnahme im Kampf gegen den Klimawandel eine CO2-Bepreisung auch im Verkehr und bei Gebäuden eingeführt hatte. Inzwischen seien die Klimaziele noch einmal ehrgeiziger gefasst worden, so Fuest. Daraus müsse man Konsequenzen ziehen. Der CO2-Preis sei das wichtigste Instrument der Klimapolitik. Es spreche viel dafür, ihn schneller zu erhöhen.

Energiepreise bleiben hoch

Inzwischen erklärten auch Energie-Experten, dass man sich in der EU zukünftig generell auf höhere Energiepreise einstellen müsse. Der hohe Ölpreis sei verantwortlich für die hohen Preise an den Tankstellen. Dieser werde auch nicht mehr dauerhaft sinken, sagte der Energieforscher Steffen Bukold im Gespräch mit tagesschau.de. Das liege neben dem schwachen Euro an Förderproblemen in der Nordsee und Krisen wie in Syrien.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 03. Juni 2021 um 22:15 Uhr.