Gestellte Szene zur häuslichen Gewalt: Mann ballt eine Faust, eine Frau hält im Hintergrund ihre Hände schützend vor das Gesicht | picture alliance/dpa

BKA-Statistik 2020 Gewalt in Partnerschaften nimmt weiter zu

Stand: 23.11.2021 14:01 Uhr

Im vergangenen Jahr ist die Zahl der angezeigten Fälle von Partnerschaftsgewalt um 4,9 Prozent gestiegen - in 169 Fällen endete die Gewalt tödlich. Eindeutige Aussagen zu einer Gewaltzunahme im Lockdown sind allerdings schwierig.

Die Polizei hat im vergangenen Jahr einen deutlichen Anstieg der Gewalt in Partnerschaften und zwischen Ex-Partnern registriert. Nach Angaben des Bundeskriminalamtes (BKA) zählten die Behörden 2020 bundesweit 146.655 Fälle, in denen ein aktueller oder ehemaliger Partner Gewalt ausübte oder dies versuchte. Dies ist ein Anstieg um 4,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

139 Frauen und 30 Männer wurden 2020 Opfer von tödlicher Partnerschaftsgewalt. Ein Jahr zuvor waren es 117 Frauen und 32 Männer gewesen.

Die BKA-Daten zeigen, geht die Gewalt nach wie vor zum überwiegenden Teil von Männern aus. Der Anteil weiblicher Tatverdächtiger ist in den vergangenen Jahren leicht gestiegen - auf nunmehr 20,9 Prozent.

Rund 38 Prozent der Fälle nach der Trennung

Die Statistik schlüsselt auch die Beziehungen zwischen Opfer und Täterinnen/Tätern auf. Demnach fand die Gewalt in 37,9 Prozent der erfassten Fälle zwischen ehemaligen Partnerinnen und Partnern statt, in 32,3 Prozent zwischen Ehepartnerinnen und Ehepartner und zu 29,4 Prozent zwischen Partnerinnen und Partner in nicht ehelichen Lebensgemeinschaften. Für 0,4 Prozent der Fälle liegen dazu keine Angaben vor.

Die Daten beziehen sich auf Fälle, bei denen die Ermittlungen 2020 abgeschlossen wurden. Die Tat selbst kann dabei schon früher begangen worden sein.

Gibt es einen Lockdown-Effekt?

In dem Bericht wird betont, dass die polizeiliche Kriminalstatistik ausschließlich das "polizeiliche Hellfeld" abdeckt und somit stark vom Anzeigeverhalten der Bevölkerung beeinflusst ist. Ein Anstieg oder Rückgang der Zahlen wird also auch immer davon beeinflusst, wie groß der Anteil tatsächlich gemeldeter Taten ist. Die Kriminalstatistik bilde somit "kein getreues Spiegelbild der Kriminalitätssituation" ab.

Daher lässt sich auch der Effekt der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie nicht ohne weiteres ablesen. Blickt man auf die während der Monate des (Teil-)Lockdowns begangenen Gewalttaten, ist der Anstieg im Vergleich zum jeweiligen Vorjahreszeitraum relativ gering. Allerdings geht die Polizei davon aus, dass solche Taten während der Zeit der Kontaktbeschränkungen seltener von Dritten entdeckt wurden. Außerdem sei es für Betroffene schwieriger, sich bei der Polizei zu melden, wenn der gewalttätige Partner ständig in der Nähe ist.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 23. November 2021 um 12:40 Uhr.

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KOMMENTARE

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harry_up 23.11.2021 • 18:22 Uhr

@ Stop-Covid, um 17:21

re @ 16:44 von wenigfahrer "Lösung: Indem man über den Tellerrand sieht!" Aha. Und was sieht der prügelnde Partner da?