Ostergottesdienst in Weingarten (Baden-Württemberg) | dpa

Osterbotschaften der Kirchen Von Corona und Skandalen

Stand: 04.04.2021 12:02 Uhr

Es ist das zweite Ostern unter Corona-Bedingungen. In den Botschaften der beiden großen Kirchen in Deutschland stand das Thema dementsprechend im Fokus - aber auch der Umgang mit Skandalen.

Für die beiden großen Kirchen in Deutschland ist es schon das zweite Ostern unter Corona-Bedingungen. Dementsprechend spielte die Pandemie in ihren Osterbotschaften eine große Rolle. Die Geistlichen riefen die Menschen dazu auf, in diesen schwierigen Zeiten zusammenzuhalten, und machten ihnen Mut mit der Osterbotschaft. Doch auch die Probleme der Kirche standen in einigen - vor allem katholischen - Predigten im Fokus.

Bätzing: "Ich leide an der Kirche"

So drückte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, sein Bedauern über "Skandale und Unbeweglichkeit in der katholischen Kirche" aus. Er leide an der Kirche, "wenn sie durch Skandale gläubige Menschen ins Wanken bringt oder durch erstarrte Strukturen und mangelnde Veränderungsbereitschaft vielen den Zugang zum Glauben blockiert", sagte der Limburger Bischof. Er bezog sich dabei einerseits auf die Skandale um sexuellen Missbrauch durch Geistliche und die oft zögerliche Aufarbeitung dieser Taten.

Andererseits meinte Bätzing damit auch aktuelle Debatten über strukturelle Reformen - etwa hinsichtlich der Frauenrechte in der Kirche und der Segnung auch von Homosexuellen, die der Vatikan ablehnt. Er liebe die Kirche und verdanke ihr so viel, hob Bätzing hervor. Umso mehr bedaure er, "dass wir als Kirche ein solches Bild abgeben". Mit der österlichen Dynamik habe all dies wenig zu tun. Es schmerze ihn, wenn Menschen mit der Begründung aus der Kirche austreten: "Was man nicht mehr in sich spürt, was man nicht verändern kann, und was selbst nicht in der Lage ist umzukehren, das sollte man verlassen."

Auch der Münchner Kardinal Reinhard Marx hofft auf einen Wendepunkt. Manchmal komme es ihm so vor, dass an Traditionen festgehalten werde aus Angst vor dem Neuen. Marx rief dazu auf, trotz der Krisen in Gesellschaft und Kirche die Botschaft der Hoffnung nicht aus den Augen zu verlieren. "Wir werden uns in dieser Krise nicht bewähren, wenn jeder sein Leben gewinnen will, sondern nur, wenn wir das 'österliche Gesetz' im Blick behalten", so Marx. "Leben geben und so Leben gewinnen, das heißt eben, sein Leben teilen und einsetzen im Geist der Solidarität und so Zukunft ermöglichen."

Bedford-Strohm würdigt Leistung von Frauen in der Pandemie

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, lobte in seiner Osterbotschaft vor allem den Einsatz von Frauen in der Corona-Krise. Unzählige von ihnen bezeugten das Licht der Auferstehung, indem sie täglich für andere da seien, sagte er bei einem Gottesdienst in Landshut. 80 Prozent der Krankenpflegekräfte und 83 Prozent der Altenpflegekräfte seien Frauen: "Sie helfen und trösten die Covid-Kranken", sagte er. Helfen sei keine Frage des Geschlechts: "Aber oft genug gehen Frauen beim Helfen voran und bringen Licht." Bedford-Strohm führte aus, dass "religiöse Hirngespinste, Verschwörungstheorien, spirituelle Betäubungslehren" gekommen und gegangen seien. Die Botschaft von der Auferstehung aber werde immer bleiben, und sie bewahrheite sich bis heute: "Überall auf der Welt feiern Menschen heute Ostern."

Der braunschweigische Landesbischof Christoph Meyns rief die Menschen in seiner Osterpredigt dazu auf, einander mit Wertschätzung und Respekt zu begegnen. Die Coronakrise bezeichnete der evangelische Geistliche als "gigantischen Stresstest" für Familien, Freundeskreise und Politik. Das Gefüge der ganzen Gesellschaft ächze unter der Last der Pandemie. Das Zusammenleben im privaten, beruflichen und öffentlichen Bereich könne jedoch auf Dauer nur funktionieren, wenn die die Menschen gnädig miteinander umgingen, bereit seien, einander zu vergeben und immer wieder einen Neuanfang suchten, betonte Meyns. In dieser Zeit sei die Osterbotschaft eine Quelle der Hoffnung und der Kraft.

Über dieses Thema berichtete am 04. April 2021 die tagesschau um 12:20 Uhr und NDR Info um 12:26 Uhr in den Nachrichten.