Feuerwehr und Polizei bei einem Einsatz in Bremen | Radio Bremen

Omikron-Welle Was es heißt, für den Notfall gerüstet zu sein

Stand: 27.12.2021 14:22 Uhr

Kliniken, Polizei, Feuerwehr, Telekommunikation oder Stromversorgung: Notfallpläne sollen dafür sorgen, dass die Omikron-Welle diese kritische Infrastruktur nicht lahmlegt. Was heißt das konkret? Ein Beispiel aus Bremen.

Von Kristian Klooss, Radio Bremen

Strom und Gas im Winter, die Telefonstimme beim Polizeiruf 110, die Notaufnahme im Krankenhaus - ohne diese kritische Infrastruktur läuft in Deutschland nichts. Doch die Sorge ist groß, dass die Omikron-Welle bald jene Betriebe und Organisationen lahmlegen könnte, die sonst das Leben am Laufen halten. So ist beispielsweise die Zahl der Neuinfektionen in der Stadt Bremen über die Feiertage hochgeschnellt, der Inzidenzwert liegt nun bei mehr als 300.

"Es ist sehr wahrscheinlich, dass ein bedeutender Teil des Zuwachses auf Omikron zurückzuführen ist", heißt es angesichts der steigenden Infektionszahlen aus der Bremer Gesundheitsbehörde. Auch der Bremer Epidemiologe Hajo Zeeb warnt: "Insbesondere die kritische Infrastruktur muss sich auf viele Ausfälle durch Quarantänefälle einrichten." Der kurz vor Weihnachten vom Bund-Länder-Krisenstab ausgerufene Schutz kritischer Infrastruktur wie Krankenhäuser, Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste, Telekommunikation, Strom- und Wasserversorgung rückt so jetzt auch in der Hansestadt in den Mittelpunkt.

Fünfköpfiger Krisenstab

Dies zu koordinieren, ist in Bremen Aufgabe eines zentralen Krisenstabs. Dessen Leiter, Uwe Schmid, und sein fünfköpfiges Team reagierten bereits auf die drohende fünfte Welle. Sie treffen sich wieder zweimal wöchentlich statt nur noch im Wochentakt. "Wir haben auch alle Ressorts aufgefordert, ihre Pandemie- und Hygienepläne zu sichten und in Bezug auf erheblich steigende Infektionszahlen und damit wahrscheinlich erhöhte Personalausfälle anzupassen", sagt Schmid. Einen Masterplan gibt es dabei nicht. Wie die wichtigen Behörden, Betriebe und Organisationen für den pandemiebedingten Personalnotstand planen, ist ihnen überlassen.

Beim städtischen Versorger SWB beispielsweise ist von Sorge keine Spur. Selbst bei hohem Krankenstand sei die Grundversorgung wie zum Beispiel Entstörungsdienste gesichert, teilt das Unternehmen mit etwa 2250 Beschäftigte mit. Zur Not würde man Personal aus weniger wichtigen Bereichen abziehen, sagt eine Sprecherin. "Es gibt natürlich, wenn es hart auf hart kommt, eine Priorisierung von Tätigkeiten."

Klinikverbund verschiebt Behandlungen

Etwas besorgter sind die Verantwortlichen beim Bremer Klinikverbund Gesundheit Nord (Geno). In dessen vier Krankenhäusern, in denen ungefähr 8200 Menschen arbeiten, würden schon jetzt Operationen verschoben, um durch die Omikron-Krise zu kommen, sagt ein Sprecher. Für Bremen sei die Lage aber insgesamt stabil. "Wenn Sie schwer erkranken, müssen Sie sich keine Sorgen machen." Anders könne sich die Situation bei eher leichten Erkrankungen entwickeln, deren Behandlung bei Personalmangel in einigen Fällen verschoben werden müsste.

Tagungsraum des Landeskrisenstabs Bremen | Radio Bremen

Der Krisenstab in Bremen bereitet sich auf die fünfte Pandemie-Welle vor. Bild: Radio Bremen

Bremens Polizei hält sich vergleichsweise bedeckt. "Wir tun alles, was notwendig ist, um die Gefahren des Infektionsgeschehens intern auf ein Minimum zu reduzieren und die sicherheitsrelevanten Bereiche zu gewährleisten, wie zum Beispiel den 110-Notruf", heißt es dort. Wie genau der Plan aussieht, wenn sich ein Großteil der etwa 2400 Polizeibeamten und rund 300 zivilen Mitarbeiter der Polizei Bremen dienstunfähig melden, bleibt offen. Ähnliches gilt für die ungefähr 1500 Einsatzkräfte der Freiwilligen und der Berufsfeuerwehr Bremens. "Wir gehen jetzt nicht davon aus, dass wir so stark betroffen sein werden, dass wir das Einsatzgeschäft nicht mehr sicherstellen können", sagt deren Sprecher.

Polizei und Feuerwehr aktualisieren Pläne

Bremens Innenressort verweist im Hinblick auf Polizei und Feuerwehr auf vorhandene Pandemiepläne aus dem vergangenen Jahr. Diese würden derzeit im eigenen internen Krisenstab aktualisiert und gegebenenfalls nachgeschärft, teilte eine Sprecherin mit. "Weiterhin ist klar, dass wir Aufgaben priorisieren, andere herunterfahren müssen", sagt eine Ressortsprecherin. Bei einer personellen Ausfallquote von zehn Prozent wirke sich dies natürlich anders als bei 20 oder 30 Prozent aus.

Wie sich eine hohe Krankenquote auf eine kritische Infrastruktur auswirkt, bekommen die Menschen schon jetzt im Öffentlichen Nahverkehr zu spüren. Beim städtischen Verkehrsunternehmen BSAG blieben Mitte Dezember krankheitsbedingt fast auf einen Schlag rund 70 der 1100 Mitarbeiter im Fahrdienst zuhause. Die Folge: Jede 20. Bus- und Straßenbahnfahrt fällt derzeit aus. Und weitere Kürzungen wären auch im Notfall das Mittel der Wahl. "Schlimmstenfalls müssten Samstags- oder sogar Sonntagsfahrpläne auch unter der Woche gefahren werden", sagt ein BSAG-Sprecher.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. Dezember 2021 um 12:00 Uhr.