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FAQ

Neue Variante Kommt ein Omikron-Impfstoff?

Stand: 29.11.2021 13:17 Uhr

Noch ist unklar, wie gut Impfstoffe gegen die Omikron-Variante wirken. Wie lange könnte es dauern, um die Impfstoffe neu auszurichten? Und warum gibt es noch kein angepasstes Vakzin für die Delta-Variante?

Von Anja Braun, SWR

Wirken die vorhandenen Impfstoffe auch gegen Omikron?

Zur Zeit wird überprüft, wie gut der bereits vorhandene Impfstoff gegen die neue Variante Omikron wirkt. Mit Ergebnissen wird in etwa zwei Wochen gerechnet - rund um den 10. Dezember. BioNTech/Pfizer untersucht nach eigenen Angaben bereits im Labor, wie gut der bereits zugelassene Impfstoff vor Omikron schützt.

Nach Auskunft des Verbandes der forschenden Pharmaunternehmen vfA prüfen weitere Impfstoffhersteller, wie gut ihre Impfstoffe auch vor Omikron schützen. Darunter Moderna, AstraZeneca und Janssen. Moderna und auch Novavax haben nach eigenen Angaben zeitgleich bereits damit begonnen, einen extra an Omikron angepassten Impfstoff zu entwickeln. Denn während bisher die Impfungen mit den zugelassenen Covid-19-Impfstoffen der ersten Generation gegen die bekannten Varianten wirkten, fürchten Experten nun, dass Omikron möglicherweise den Abwehrwall überwinden kann. Zumindest hat die neue Variante Mutationen an mehreren dafür entscheidenden Stellen.

Wie schnell kann ein angepasster Impfstoff entwickelt werden?

In den vergangenen Monaten haben BioNTech, Moderna und AstraZeneca im Labor geübt, wie sie ihre Impfstoffe an Varianten wie Beta und Delta anpassen können. BioNTech zum Beispiel hat eine Anpassung an die Beta-Variante im Impfstoff vorgenommen und ist damit in der Erprobungsphase II/III. Nun spielt diese Variante weltweit keine große Rolle im Infektionsgeschehen mehr, doch das Ziel war vor allem, gemeinsam mit den Zulassungsbehörden einen Prozess zu entwickeln, wie solche Anpassungen im Notfall schnell durchgeführt werden können. Der Notfall tritt dann ein, wenn eine Variante auftaucht, die der durch Impfungen ausgelösten Immunantwort tatsächlich vollständig entkommen kann.

Ein BioNTech-Sprecher versicherte nun, wenn nötig, dann könne der Impfstoff innerhalb von sechs Wochen gegen die Variante Omikron angepasst werden und die ersten Chargen könnten innerhalb von 100 Tagen ausgeliefert werden. Schon im Juni hatten die beiden Unternehmen BioNTech/Pfizer erklärt, ihren Impfstoff innerhalb von 100 Tagen auf eine sogenannte Fluchtvariante anpassen und auf den Markt bringen zu können.

Warum wurde gegen Delta kein angepasster Impfstoff entwickelt?

Es gibt Impfstoffe, die gegen Delta entwickelt werden. Sie sind allerdings noch in der klinischen Prüfung. Allerdings ist keiner der großen Impfstoffhersteller wie BioNTech/Pfizer, Moderna oder AstraZeneca dabei. Die drei Pharmafirmen haben jedoch im Labor geprüft, wie sich ihre Impfstoffe gegen die Delta-Variante verhalten. BioNTech zum Beispiel sah keine Notwendigkeit, einen eigenen Impfstoff für Delta herauszubringen, da Comirnaty - der Ursprungsimpfstoff- auch gegen diese Variante noch sehr gut wirke.

Wie schnell kann ein angepasster Impfstoff zugelassen werden?

Die mRNA in den Impfstoffen von BioNTech und Moderna oder die Anpassung der Vektorviren bei AstraZeneca kann im Labor in wenigen Wochen verändert werden. Zur Zeit aber gelten Vorschriften, die für eine Markteinführung erst monatelange klinische Studien voraussetzen. Schwierig ist dabei auch, die Wirksamkeit der angepassten Impfstoffe in der Bevölkerung zu untersuchen. Denn wenn bereits viele Menschen geimpft oder genesen sind, wird es aufwändig große Teilnehmerzahlen für die Studien zu rekrutieren.

Möglicherweise werden daher vor allem Laborwerte zur Bewertung der angepassten Impfstoffe herangezogen. Eigentlich sollte hier eine kürzere und einfachere Zulassungsprozedur eingeführt werden, um ähnlich wie bei den Grippeimpfstoffen eine Anpassung schnell und kostengünstig möglich zu machen. Falls sich herausstellt, dass die vorhandenen Impfstoffe tatsächlich nicht oder nur sehr gering gegen Omikron wirken, wird dieser Prozess möglicherweise beschleunigt.

Kann die neue Variante mit den gängigen Verfahren nachgewiesen werden?

Die Gesellschaft für Virologie und Immunologie schreibt dazu in einer Adhoc-Stellungnahme: Nach derzeitigem Kenntnisstand können die gängigen PCR-Verfahren zum Nachweis von Sars-CoV-2 auch die Omikron-Variante detektieren. Auch Antigenschnelltests sollten geeignet sein. Wie umfänglich dies gilt, wird derzeit noch überprüft

Über dieses Thema berichtete BRISANT am 26. November 2021 um 17:15 Uhr im Ersten.