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Impfstoff gegen Coronavirus Ladenhüter Novavax

Stand: 19.03.2022 09:37 Uhr

Der Impfstoff von Novavax sollte eigentlich Skeptiker überzeugen. Doch die Nachfrage nach dem proteinbasierten Impfstoff ist gering. Wie kann das sein?

Von Markus Pfalzgraf, SWR

Noch vor vier Wochen fragten sich die Mediziner: Würden mehrere 100.000 Dosen des neuen Impfstoffes von Novavax ausreichen, um die Nachfrage abzudecken? Immerhin hatten viele Menschen noch abgewartet, die skeptisch gegenüber den bisherigen Corona-Impfstoffen von BioNTech oder Moderna auf Basis der mRNA-Technologie waren. Womöglich würde ein Impfstoff "klassischer Machart" sie eher überzeugen - so die Annahme.

Markus Pfalzgraf

Doch jetzt kehrt Ernüchterung ein: Der Run auf den proteinbasierten Impfstoff Nuvaxovid bleibt aus. Baden-Württemberg als eines der Länder mit einem größeren Anteil an Ungeimpften hatte knapp 200.000 Einheiten des Herstellers Novavax bekommen. In den ersten Tagen ließen sich aber nur wenige Tausend Menschen damit impfen.

Zuletzt waren es in dem südwestlichen Bundesland nur etwas mehr als 4000 Personen insgesamt (bundesweit 40.000), die eine solche Impfung erhalten hatten - und das bei immer noch Millionen Menschen mit unzureichendem Impfschutz: Laut Impfquotenmonitoring des Robert Koch-Instituts haben sich bislang erst rund 7,7 Millionen der elf Millionen Menschen in Baden-Württemberg zweitimpfen lassen, das sind rund drei Viertel der Bevölkerung.

Beschäftigte im Gesundheitswesen im Fokus

Zunächst sollten vor allem Beschäftigte im Gesundheitswesen mit dem neuen Impfstoff versorgt werden. Hier greift schließlich auch bereits die Impfpflicht. Doch selbst dort hat Novavax "nicht den erhofften Effekt für das Schließen der Impflücke gebracht", wie es aus dem Sozialministerium heißt, das in Baden-Württemberg für Gesundheit zuständig ist. Deshalb würden die Bemühungen fortgesetzt, für das Impfen zu werben.

Lahmes Impftempo

Am Klinikum Stuttgart lassen sich immerhin rund 50 Menschen täglich mit dem neuen Impfstoff versorgen. Das Angebot dort ist nicht nur für die Beschäftigten, sondern für alle vorgesehen.

Bei der ohnehin hohen Impfquote unter den Mitarbeitenden habe Novavax "einen kleinen Beitrag geleistet", sagt der Vorstandsvorsitzende der größten Klinik Baden-Württembergs, Jan Steffen Jürgensen. Die Impfungen mit den neuen Präparat seien aktuell überwiegend Erstimpfungen und vereinzelt Auffrischungsimpfungen von Menschen, die bei den anderen Impfstoffen Nebenwirkungen hatten. Insgesamt aber verlangsame sich das Tempo beim Impfen.

Nur wenige Apotheken bieten Impfungen an

Auch die Apotheken haben begonnen, mit Novavax zu impfen. Seit Februar dürfen Apotheken in Baden-Württemberg generell gegen das Coronavirus impfen, brauchen dafür aber gesonderte Räume und eigens geschultes Personal. In der Region Stuttgart bieten nur vereinzelte Apotheken überhaupt Impfungen an, in der Innenstadt der Landeshauptstadt laut einer Übersicht der Landesapothekerkammer keine einzige.

Mit dem zusätzlichen Impfstoff von Novavax gehen Apotheken dort frühestens ab dem 21. März an den Start. Er wird aber nach Auskunft des Landesapothekerverbandes auch nicht oft nachgefragt. Auch Hausärzte und Betriebsärztinnen können erst jetzt den Impfstoff bestellen.

Wie soll so die Impfquote in die Höhe getrieben werden, damit die nächste oder übernächste Pandemie-Welle nicht doch wieder eine kritische Corona-Lage und in der Folge womöglich erneute Beschränkungen mit sich bringt, für die das Verständnis in der Bevölkerung zunehmend schwindet?

Große Unterschiede in den Ländern

In Deutschland gibt es ein deutliches Gefälle, mit höheren Impfquoten im Norden und Westen, und vergleichsweise niedrigen im Osten und Süden des Landes. So sind laut Übersicht des RKI etwa in Schleswig-Holstein 80,6 Prozent der Menschen grundimmunisiert und 71,2 Prozent hatten eine Auffrischungsimpfung. In Bayern oder Baden-Württemberg sind es nur 74,6 und 74 Prozent Grundimmunisierte und 55,6 beziehungsweise 56,6 Prozent Geboosterte (Stand: 18. März).

Das Sozialministerium in Stuttgart will weiter an die Ungeimpften appellieren, ihren Teil beizutragen: "Das muss uns bis zum Herbst gelingen. Ansonsten werden wir auf einen dritten Corona-Winter zusteuern - das muss allen nichtgeimpften Personen klar sein. Wir fordern daher weiter alle nichtgeimpften Personen dazu auf, sich impfen zu lassen und so sich und ihr Umfeld zu schützen."

"Hongkong sollte uns eine Warnung sein"

Die Virologin Sandra Ciesek warnt angesichts Millionen immer noch ungeimpfter Menschen über 60: "Man sieht, wie wichtig die Priorisierung bei den Impfungen bei uns war, weil sie vor einem schweren Verlauf schützt", sagt die Direktorin der Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt am Main in der aktuellen Ausgabe des Corona-Podcasts des NDR.

Der Blick in andere Regionen bestärkt sie in ihrer Auffassung: "Hongkong sollte uns eine Warnung sein, dass Omikron nicht harmlos ist, wenn man nicht immunisiert ist, vor allem in diesem Alter." Dort gibt es derzeit vermehrt Todesfälle in der älteren Bevölkerungsgruppe, mutmaßlich bei Ausbrüchen in Heimen bei unzureichender Impfquote bei den Älteren.

Der Impfstoff von Novavax ist glücklicherweise mehrere Monate bei einfacher Kühlung haltbar: laut Auskunft der Ständigen Impfkommission bis zu neun Monate bei zwei bis acht Grad Celsius. Die Handhabung dieses Serums dürfte einfacher sein als bei anderen Corona-Impfstoffen, weil kein Transport in Gefrierboxen nötig ist. Es könnte also je nach Produktionsdatum bis Sommer oder Herbst reichen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 14. März 2022 um 13:08 Uhr.