Hinweisschild zur Maskenpflicht in einem Laden | dpa

Bei hohen Covid-Inzidenzen Ärzteverband für FFP2-Pflicht in Innenräumen

Stand: 13.10.2022 07:14 Uhr

Angesichts steigender Infektionszahlen fordern Ärztevertreter die Länder zum raschen Handeln auf. Der Marburger Bund rät zum Tragen von FFP2-Masken im ÖPNV und in öffentlichen Innenräumen. Die Kliniken dürften nicht überlastet werden.

Die Vorsitzende des Ärzteverbandes Marburger Bund, Susanne Johna, drängt die Bundesländer zum Handeln bei steigenden Corona-Zahlen. "Überall dort, wo die Inzidenzen jetzt durch die Decke gehen, müssen die Länder mit einer FFP2-Maskenpflicht im ÖPNV und in öffentlich zugänglichen Innenräumen reagieren", sagte Johna den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Die Länder müssten "auf der Basis eines verlässlichen Echtzeit-Monitorings entscheiden, wie das Infektionsgeschehen besser eingedämmt werden kann, um die Krankenhäuser nicht zu überlasten".

Zeeb: Abstandsregeln bei großen Veranstaltungen

Auch der Bremer Epidemiologe Hajo Zeeb hält demnächst stärkere Schutzmaßnahmen für notwendig. "Die Empfehlung oder die Pflicht zum Tragen von Masken werden wir in wenigen Wochen wieder brauchen", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). "Abstandsregeln bei großen Veranstaltungen, in Theatern und Kinos, benötigen wir bald wieder zurück."

Das persönliche Verhalten müsse im Winter wieder stärker auf Corona ausgerichtet werden. "Wir brauchen wieder eine höhere Impfbereitschaft und eine größere Vorsicht." Es sei zwar gut, dass Corona in der Öffentlichkeit nicht mehr die Dramatik wie noch vor ein oder zwei Jahren einnehme, da heute viele Menschen geimpft seien. "Aber es ist falsch, dass Corona jetzt fast gänzlich aus dem Fokus der Öffentlichkeit verschwunden ist - das muss sich schnell ändern", so Zeeb.

Lauterbach: Maskenpflicht in Innenräumen

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) rief die Bundesländer zu einem möglichst einheitlichen Vorgehen bei einer Rückkehr zur Maskenpflicht auf. Die Länder sollten diese Möglichkeit im Infektionsschutzgesetz nutzen, sagte Lauterbach im ARD-Morgenmagazin. "Wenn die Länder sich jetzt einigen könnten, wann der optimale Zeitpunkt ist, wäre das natürlich toll." Zwingen könne der Bund die Länder aber nicht. Jedes Bundesland entscheide für sich selbst. 

Er glaube, dass die Bundesländer verantwortungsvoll mit der Situation umgingen, sagte der Bundesgesundheitsminister weiter. Eine Rückkehr zur Maskenpflicht in Innenräumen sei wegen der hohen Infektionszahlen sinnvoll. Lauterbach lehnte es ab, ganz auf Maßnahmen gegen eine Ausbreitung von Corona zu verzichten. "Die Welle, die sich aufbaut, die wird ja nicht alleine enden. Da muss man reagieren." Es gebe schon jetzt eine hohe Fallzahl mit einer hohen Dunkelziffer, einige Kliniken seien an der Belastungsgrenze. "Und leider steigt auch die Sterblichkeit." Insgesamt sei man aber gut vorbereitet. Es gebe angepasste Impfstoffe, "viel bessere Daten" und Arzneimittel, die die Sterblichkeit senkten.

Lauterbach reagierte auch auf die Kritik des Münchner Oberbürgermeisters Dieter Reiter (SPD), keine Rechtsgrundlage für eine Absage des Oktoberfestes gehabt zu haben. In der Tat habe es die nicht gegeben, räumte er ein. Es sei aber "dem Hausrecht folgend" jederzeit möglich gewesen, dass der Veranstalter die Gäste gebeten oder verpflichtet hätte, für die Innenräume Corona-Tests zu machen. Mit dem neuen Infektionsschutzgesetz sei bei hohen Fallzahlen sogar eine Maskenpflicht für Außenveranstaltungen möglich.

Notaufnahmen überlastet

Mit Blick auf die Situation in den Krankenhäusern sagte die Marburger-Bund-Vorsitzende Johna: "Das Personal geht jetzt schon wieder auf dem Zahnfleisch, ich mag mir nicht ausmalen, wie die Situation ist, wenn der Belegungsdruck auch durch viele Covid-19-Fälle weiter zunimmt oder sich gar eine zusätzliche Influenzawelle aufbaut."

Die Belegung mit positiv auf Corona getesteten Patienten sei auf den Normalstationen gegenüber der Vorwoche um die Hälfte gestiegen, auch auf den Intensivstationen sehe man wieder mehr Covid-19-Patienten. Das alles belaste das Personal, die Isolationsnotwendigkeiten kosteten Zeit und Bettenkapazitäten zusätzlich. "Schon jetzt sind viele Notaufnahmen überlastet, die Rettungsleitstellen haben in manchen Bundesländern Schwierigkeiten, für Patienten in Rettungswagen freie Kapazitäten zu finden", schilderte Johna.

RKI meldet Anstieg der Neuinfektionen

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) ist die Zahl der bekannten Infektionen um 145.213 auf über 34,4 Millionen gestiegen. Das sind 12.719 Fälle mehr als am Donnerstag vor einer Woche gemeldet. Das RKI verzeichnet 176 weitere Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Die bekannte Gesamtzahl liegt damit bei 151.095.

Hausärzteverband für "angepasste Impfkampagne"

Der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbands, Markus Beier, forderte eine "angepasste Impfkampagne" für die zweite Corona-Auffrischungsimpfung. "Die kalte Jahreszeit hat begonnen, der angepasste Impfstoff ist in ausreichender Menge vorhanden: Spätestens jetzt sollte die Impfquote in die Höhe schießen - tut sie aber leider nicht", sagte Beier dem RND.

Die Ständige Impfkommission empfiehlt eine zweite Auffrischungsimpfung Menschen ab 60 Jahren und Gruppen mit Risikofaktoren. Nach Daten des Robert Koch-Instituts haben sich bislang gut 28 Prozent der Über-60-Jährigen einen zweiten Booster spritzen lassen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. Oktober 2022 um 12:00 Uhr.