Erzbischof Reinhard Kardinal Marx spricht zum Auftakt der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz bei einer Pressekonferenz. | dpa

Münchner Kardinal Marx für Ende des Pflichtzölibats

Stand: 02.02.2022 20:39 Uhr

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx steht wegen des Umgangs der Kirche mit Missbrauchsfällen in der Kritik. Nun hat er ein Interview mit bemerkenswerten Aussagen zur Heirat von Priestern gegeben.

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hat sich in einem Interview dafür ausgesprochen, dass katholische Priester heiraten dürfen. "Es wäre besser für alle, die Möglichkeit für zölibatäre und verheiratete Priester zu schaffen", sagte Marx der "Süddeutschen Zeitung". "Bei manchen Priestern wäre es besser, sie wären verheiratet. Nicht nur aus sexuellen Gründen, sondern weil es für ihr Leben besser wäre und sie nicht einsam wären. Diese Diskussionen müssen wir führen."

"Viele Verklemmungen erzeugt"

Die zölibatäre Lebensform bezeichnete Marx als "prekär". Auf die Frage, ob er einen Zusammenhang zwischen dem Zölibat und dem sexuellen Kindesmissbrauch sehe, antwortete Marx, pauschal könne man das nicht sagen. "Aber diese Lebensform und dieses Männerbündische ziehen auch Leute an, die nicht geeignet sind, die sexuell unreif sind. Und Sexualität gehört eben zum Menschen dazu, das geht auch nie vorüber." Die katholische Sexualmoral habe "viele Verklemmungen erzeugt".

Vorwurf des Fehlverhaltens

Die Katholische Kirche steht wegen zahlreicher Missbrauchsfälle massiv in der Kritik. Gutachter der Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl hatten auch dem emeritierten Papst Benedikt Fehlverhalten im Umgang mit Missbrauchstätern in seiner Zeit als Münchner Erzbischof von 1977 bis 1982 vorgeworfen. Benedikt, ehemals Kardinal Joseph Ratzinger, wies das zurück und rechtfertigte sich in einer langen Verteidigungsschrift.

In einem wesentlichen Punkt musste er später aber eine Falschaussage einräumen. Zu Benedikt, der vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, zu einer Entschuldigung aufgefordert wurde, sagte Marx: "Ich will jetzt nicht über die Medien eine Forderung stellen, sondern eine Hoffnung äußern. Dass er sich, so wie angekündigt, umfassend äußert. Und dass die Erklärung auch ein gutes Wort der Anteilnahme mit den Betroffenen enthält".

Über dieses Thema berichtete BR24 am 02. Februar 2022 um 19:45 Uhr in den Nachrichten.