Gebäude der Leopoldina in Halle | dpa

Weiter hohe Corona-Zahlen Leopoldina empfiehlt "harten Lockdown"

Stand: 08.12.2020 15:47 Uhr

Seit November gelten im Kampf gegen Corona zahlreiche Beschränkungen, doch die Zahl der Neuinfektionen sinkt nicht. Wissenschaftler der Leopoldina raten daher zu drastischeren Maßnahmen über den Jahreswechsel.

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina fordert umfassende Kontaktbeschränkungen ab Weihnachten. Die Feiertage und der Jahreswechsel sollten für einen "harten Lockdown" genutzt werden, um die deutlich zu hohen Neuinfektionen schnell zu verringern, heißt es in einer Stellungnahme.

In einem ersten Schritt sollte die Schulpflicht ab kommendem Montag, dem 14. Dezember, bis zu den Weihnachtsferien aufgehoben werden. Erfahrungen in Ländern wie Irland im Umgang mit der Pandemie zeigten, dass strenge Maßnahmen über einen kurzen Zeitraum erheblich dazu beitragen würden, die Infektionszahlen deutlich zu senken und niedrig zu halten. Ab 24. Dezember bis mindestens 10. Januar sollte daher "in ganz Deutschland das öffentliche Leben weitgehend ruhen".

Homeoffice - wo immer möglich

In einem solchen "harten Lockdown" sollten alle Geschäfte bis auf die des täglichen Bedarfs mit Lebensmitteln, Medikamenten und anderen notwendigen Waren schließen. Homeoffice müsse, wo möglich, die Regel sein. Soziale Kontakte seien auf einen sehr eng begrenzten Kreis zu reduzieren. Die Weihnachtsferien in Bildungseinrichtungen und ein eingeschränkter Betrieb in Firmen und Behörden böten nun die Chance, in der Pandemie-Eindämmung ein großes Stück voranzukommen.

Beim Homeoffice hatten sich Union und SPD zuletzt auf eine Steuerpauschale geeinigt. Damit will die Koalition die Ausstattung für das Arbeiten von zuhause unabhängig vom Nachweis eines separaten Arbeitszimmers unterstützten.

Masken im Unterricht für alle Schüler empfohlen

Die Wissenschaftler werben für Verständnis für harte Einschnitte. "Verschärfte Maßnahmen sind auch aus wirtschaftlicher Perspektive sinnvoll", so die Leopoldina. "Zwar erhöhen sich durch einen strengeren Lockdown kurzfristig die Wertschöpfungsverluste, aber zugleich verkürzt sich der Zeitraum, bis die Neuinfektionen so weit gesunken sind, dass Lockerungen möglich werden."

Nach dem 10. Januar empfiehlt die Leopoldina in allen Bundesländern das Tragen einer Maske im Schulunterricht für alle Jahrgangsstufen. Zudem sollten ländereinheitliche Regeln für den Wechselunterricht ab der Sekundarstufe erarbeitet werden. Erforderlich sei zudem eine langfristige politische Einigung auf ein klares, mehrstufiges und bundesweit einheitliches Regelwerk, das ab einer bestimmten Anzahl von Fällen pro 100.000 Einwohner greife, mahnten die Wissenschaftler. Durch ein einheitliches und nachvollziehbares Vorgehen würden die Maßnahmen für Bürger wie Unternehmen transparent und planbar.

Nächstes Bund-Länder-Treffen für 4. Januar geplant

Trotz der Schließung zahlreicher Einrichtungen in einem Teil-Lockdown seit Anfang November bleiben die Zahlen auf hohem Niveau, in den letzten Tagen auch wieder mit eher steigender Tendenz.

Kanzlerin Angela Merkel hatte am Montag in einer Videositzung der Unionsfraktion nach Teilnehmerangaben betont, man komme mit den bisherigen Maßnahmen nicht von den hohen Infektionszahlen herunter. Bund und Länder hatten zuletzt beschlossen, den Teil-Lockdown bis 10. Januar zu verlängern - mit zwischenzeitlich möglicher Lockerung von Kontaktbeschränkungen vom 23. Dezember bis 1. Januar.

Doch exakt diese Lockerungen über die Feiertage sind in einigen Bundesländern vom Tisch. Sachsen will ab kommenden Montag einen Lockdown über Schulen, Kitas uns viele Geschäfte verhängen. Anzeichen der Entspannung sehen auch nicht die Landesregierungen in Bayern und Thüringen: Über Weihnachten werden die Auflagen dort nicht gelockert.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. Dezember 2020 um 14:00 Uhr.