Polizeibeamte stehen an einer Absperrung an der Kreisstraße 22 rund einen Kilometer von dem Tatort, an dem zwei Polizeibeamte durch Schüsse getötet wurden. | dpa

Tödliche Schüsse auf Polizisten Tatverdächtige im Saarland festgenommen

Stand: 01.02.2022 03:35 Uhr

Nach den tödlichen Schüssen auf zwei Polizisten sind zwei Tatverdächtige festgenommen worden. Zuvor war öffentlich nach einem der Verdächtigen gefahndet worden.

Die Polizei hat nach den tödlichen Schüssen auf Polizisten zwei Tatverdächtige festgenommen. Ein 38-Jähriger und ein 32-Jähriger wurden im saarländischen Sulzbach gefasst.

Der 38-Jährige wurde in seinem Auto festgenommen, nachdem er sich zuvor über seine Anwältin bei der Polizei gemeldet und damit gestellt hatte, berichtete ein Polizeisprecher. Es soll sich bei dem Verdächtigen um einen Geschäftsmann handeln, der einige Monate zuvor Insolvenz angemeldet hatte.

Laut Polizei wurden bei einer Durchsuchung Waffen sichergestellt. Nach Informationen des SWR hat der Mann aber keinen gültigen Jagdschein mehr besessen. Nach Angaben des Deutschen Jagdverbands war dem 38-Jährigen im Jahr 2008 erstmals die waffenrechtliche Zuverlässigkeit entzogen worden. Ein zweites Mal sei dies im Jahr 2020 geschehen.

Mann soll dem Haftrichter vorgeführt werden

Der Mann soll im Tagesverlauf dem Haftrichter vorgeführt werden. Er habe bislang keine Aussage gemacht, so die Polizei. Zuvor war nach ihm öffentlich gefahndet worden. Der Mann war nach Angaben aus Sicherheitskreisen in der Vergangenheit wegen Unfallflucht aufgefallen.

Der zweite Tatverdächtige wurde in einer Wohnung in Sulzbach festgenommen. In welchem Zusammenhang er zu den tödlichen Schüssen auf die beiden Polizisten stehe, müssten die Ermittlungen ergeben, so die Polizei. Auch er habe sich aber zunächst nicht zur Sache geäußert.

Die Fahndungsmaßnahmen liefen weiter, weil nicht ausgeschlossen werden könne, dass es Mittäter gebe, sagte ein Polizeisprecher. Es würden mehrere Objekte durchsucht, hieß es. Dabei wurden Waffen sichergestellt.

"Die schießen"

Die 24 Jahre alte Polizeianwärterin und der 29 Jahre alte Oberkommissar waren am frühen Montagmorgen gegen 4.20 Uhr bei einer Verkehrskontrolle an einer Kreisstraße in der Pfalz erschossen worden. Die Beamten hatten nach Angaben aus Sicherheitskreisen zuvor per Funk gemeldet, in einem Fahrzeug sei totes Wild gefunden worden. Später meldeten sie "Die schießen".

Mehrere Schüsse abgegeben

Der Polizist soll demnach am Tatort noch mehrere Schüsse abgegeben haben. Ob es Warnschüsse waren oder der Beamte einen Tatverdächtigen verletzte, war am Montag zunächst noch unklar. Die Waffe seiner Kollegin kam offensichtlich nicht zum Einsatz, ihre Pistole steckte noch im Holster. Die junge Frau, die noch an der Hochschule der Polizei studierte, war nach Polizeiangaben sofort tot. Der 29 Jahre alte Oberkommissar aus Kusel habe zunächst noch gelebt, sei aber gestorben, als die Rettungskräfte eintrafen, berichtete ein Polizeisprecher.

Politikerinnen und Politiker zeigen sich bestürzt

Bundeskanzler Olaf Scholz sprach den Angehörigen der beiden Opfer sein Mitgefühl aus. Gleichzeitig erinnerte er an die vielen Polizistinnen und Polizisten, die jeden Tag ihr Leben riskierten.

"Diese Tat erinnert an eine Hinrichtung"

Mit großer Bestürzung hatte auch Bundesinnenministerin Nancy Faeser auf den gewaltsamen Tod der zwei Polizisten reagiert. "Unabhängig davon, welches Motiv der Tat zugrunde liegt: Diese Tat erinnert an eine Hinrichtung, und sie zeigt, dass Polizistinnen und Polizisten jeden Tag ihr Leben für unsere Sicherheit riskieren", sagte die SPD-Politikerin. "Meine Gedanken sind bei den Familien, Freunden und Kollegen der Opfer."

Bundesverkehrsminister Volker Wissing und seine Mainzer Amtskollegin Daniela Schmitt zeigten sich ebenfalls schockiert. Wissing, der auch rheinland-pfälzischer FDP-Chef ist, schrieb auf Twitter: "Eine Tat, die erschüttert und fassungslos macht. Mit meinen Gedanken, meiner Trauer und meinem Mitgefühl bin ich bei den Opfern, deren Angehörigen und Freunden sowie ihren Kolleginnen und Kollegen ...". Die FDP-Politikerin Schmitt sprach auf Twitter von einer "unfassbaren und grausamen Tat".

Trauerbeflaggung in Rheinland-Pfalz

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Innenminister Roger Lewentz zeigten sich "zutiefst schockiert". "Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen", heißt es in einer Mitteilung der beiden SPD-Politiker. "Die Tat ist entsetzlich. Es bestürzt uns sehr, dass zwei junge Menschen im Dienst ihr Leben verloren haben."

Dreyer hat aufgrund der Ereignisse als sichtbares Zeichen der Trauer im Einvernehmen mit dem Innenminister Trauerbeflaggung im Land angeordnet. Für alle Streifenwagen des Landes ist Trauerflor vorgesehen.

Der designierte Grünen-Vorsitzende Omid Nouripour bezeichnete den gewaltsamen Tod als "extrem bedrückend". Polizisten leisteten ihren Dienst für das Allgemeinwohl und arbeiteten gerade in der Pandemie "Millionen Stunden und Überstunden". Den Hinterbliebenen drückte er sein Mitgefühl aus.

Klöckner spricht Angehörigen "volle Solidarität" aus

Die rheinland-pfälzische CDU-Landesvorsitzende Julia Klöckner zeigte sich "schockiert" über die Tat. "Zwei Polizisten sind erschossen worden, die ihre Arbeit machten. Zwei Beamte, die für unsere Sicherheit da waren, die nun selbst Opfer unfassbarer Gewalt geworden sind", teilte Klöckner mit. Den Familien und Angehörigen der Opfer sprach sie "volle Solidarität" aus.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) äußerte sich "tiefbestürzt über den gewaltsamen Tod einer Kollegin und eines Kollegen". "Wir sind in Gedanken bei den Angehörigen der beiden Getöteten und auch bei allen Kolleginnen und Kollegen. Wir durchleben gerade den realen Alptraum aller Polizistinnen und Polizisten", sagte die Landesvorsitzende Sabrina Kunz.

BKA sichert Unterstützung zu

Auch der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Holger Münch, zeigte sich nach den tödlichen Schüssen bestürzt und fassungslos gezeigt. "Es ist unbegreiflich, wenn Polizistinnen oder Polizisten bei der Erfüllung ihrer Aufgabe, die Bevölkerung vor Gefahren zu schützen, zum Angriffsziel werden und ihr Leben verlieren", sagte Münch dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Seine Gedanken seien bei den Angehörigen der Opfer sowie den Kolleginnen und Kollegen vor Ort. Das BKA werde bei der Aufklärung der Tat "seine volle Unterstützung" leisten, sagte Münch.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. Februar 2022 um 20:00 Uhr.