Eine Frau läuft am Krankenhaus Spremberg vorbei. | rbb24

Kliniken in Finanznot Notoperation in eigener Sache

Stand: 02.10.2022 09:56 Uhr

Die Corona-Krise hat viele Kliniken auch finanziell an ihre Grenze gebracht, jetzt verschärfen Inflation und hohe Energiekosten die Situation. Die Klinik in Spremberg in Brandenburg ist insolvent - und plant einen Neuanfang.

Von Jacqueline Piwon, rbb 

Notarztversorgung, MRT, Radiologie - das alles haben sie hier im Klinikum Spremberg im brandenburgischen Landkreis Spree-Neiße. Es ist eine eher strukturschwache Region. Das Klinikum steuert auf die Zahlungsunfähigkeit zu. Es fehlen Millionen. Neben dem Wegfall der Corona-Ausgleichszahlungen verschärfen Inflation und Energiekrise die Situation. Ausgaben, die nicht an die Patienten oder die Krankenkassen weitergegeben werden können.

Deshalb hat die Klinikleitung jetzt Planinsolvenz angemeldet. Würde das Krankenhaus in Spremberg wegen Zahlungsinsolvenz schließen müssen, wäre das für viele Menschen in der ländlichen Region ein Problem. Die nächsten Kliniken sind mehr als 20 Kilometer entfernt. Die medizinische Versorgung in dem Gebiet würde sich deutlich verschlechtern. So weit wollen sie es in Spremberg nicht kommen lassen.  

Forderungen nach Hilfe vom Bund

Überall in Deutschland klagen Krankenhäuser zurzeit über finanzielle Schwierigkeiten. Weitere Insolvenzen könnten drohen, mahnt die deutsche Krankenhausgesellschaft. Mit der Kampagne "AlarmstufeRot" macht sie deshalb seit Wochen bundesweit mobil und zeichnet ein dramatisches Bild: "Betten auf Intensivstationen müssen gesperrt werden. Notaufnahmen werden zeitweise geschlossen. Kinderkliniken sind chronisch überlastet."

60 Prozent der bundesweiten Kliniken machen Verluste, schätzt die deutsche Krankenhausgesellschaft und fordert die Politik zum Handeln auf. Inflationsausgleich für die Krankenhäuser und eine Reform des Finanzierungssystems sind die zentralen Punkte. 

50 Millionen Euro für Brandenburgs Kliniken

Forderungen kommen auch von den Gesundheitsministerinnen und -ministern der Länder. "Wir brauchen dringend eine Förderung durch den Bund, sehr sehr kurzfristig, um diese massiv gestiegenen Kosten abzufedern, sonst schreiben immer mehr Krankenhäuser rote Zahlen", sagt Brandenburgs grüne Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher. Das Land will 50 Millionen Euro zur Verfügung stellen, um Kliniken, wie die in Spremberg, zu stützen, sieht aber in erster Linie den Bund in der Pflicht, den Krankenhäusern unter die Arme zu greifen.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach kündigte ein Hilfspaket für die Kliniken an: "Wir arbeiten mit Hochdruck an einer unbürokratischen Lösung." Der SPD-Politiker will in den nächsten Wochen konkrete Pläne präsentieren. In den Kliniken wartet man dringend darauf.  

Es sind nicht nur die hohen Energiekosten 

Es sind nicht allein die gestiegenen Energiekosten und die Inflation, die die Situation verursacht haben. Viele Krankenhäuser leiden seit Jahren unter einem Investitionsstau. Es geht auch um Gebäude, die nicht saniert wurden und deshalb viel Energie verbrauchen, in der aktuellen Situation ist das eine zusätzliche Belastung. Beklagt wird auch ein überhöhter Bürokratieaufwand, der Personal bindet, ebenso wie die fehlende Digitalisierung.  

Im brandenburgischen Spremberg haben sie jetzt die Reißleine gezogen. In einem Schutzschirmverfahren soll die Klinik umgebaut werden. "Unser Plan sieht eine Spezialisierung dieser Klinik vor, hin zur Psychiatrie in Kombination mit einer Polyklinik und einer umfassenden Notfallversorgung für die Bevölkerung", sagt Verfahrensleiter Mark Boddenberg. Auch Operationen sollen in Zukunft verstärkt ambulant durchgeführt werden, um Kosten einzusparen.

Weitere Maßnahmen werden jetzt diskutiert, zusammen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Klinik. Viele von ihnen sind Mitglied im Förderverein, der 51 Prozent des Krankenhauses besitzt. Die Stadt hält 49 Prozent. Ob alle Mitarbeiter der Klinik weiter beschäftigt werden können, ist jedoch noch unklar. 

So soll das Krankenhaus besser wirtschaften können. Doch die Unsicherheiten durch Inflation und Energiekrise bleiben. Auch in Spremberg warten sie deshalb weiter auf ein konkretes Signal aus dem Bundesgesundheitsministerium.  

Über dieses Thema berichtete SWR4 BW am 16. September 2022 um 16:00 Uhr.