Katharina Wermelskirchen | rbb

Arbeit auf Corona-Station Motiviert, aber müde

Stand: 07.04.2021 14:44 Uhr

Die Patienten auf den Covid-Stationen werden jünger, die Behandlungszeit länger: In den Havelland-Kliniken im brandenburgischen Nauen arbeiten Mediziner am Limit - auch weil das Personal fehlt.

Von Andreas König, RBB

Auch auf den Corona-Stationen der Havelland-Kliniken im brandenburgischen Nauen steigt die Zahl der Patientinnen und Patienten wieder an. Nach einem Jahr Pandemie seien sie und ihr Team zwar noch motiviert, aber auch müde, sagt die Intensivmedizinerin Katharina Wermelskirchen.

Einer ihrer Patientinnen geht es langsam wieder besser nach zwei Wochen Behandlung und künstlicher Beatmung auf der Intensivstation. Um die 55-Jährige hätten sie sich sehr viel Sorgen gemacht, sagt Oberärztin Wermelskirchen in der morgendlichen Besprechung mit ihrem Team.

Zahl der Patienten nimmt zu

Aktuell werden hier in den Kliniken 24 Patienten mit Covid-19-Symptomen stationär behandelt. Fünf von ihnen sind Verdachtsfälle, die vorsorglich isoliert worden sind. Drei werden auf der Intensivstation künstlich beatmet. Damit ist die Hälfte der hier zur Verfügung stehenden Plätze belegt.

Nach einer kurzen Erholungsphase im Februar nimmt die Zahl der Corona-Patienten inzwischen kontinuierlich zu. Eine Entwicklung, auf die Medizinerin Wermelskirchen mit Sorge blickt, denn die schwer Erkrankten, die sie und ihre Kolleginnen und Kollegen hier behandeln, werden immer jünger und die Behandlungszeit länger. Kamen vor einem Jahr überwiegend 70- und 80-Jährige auf die Intensivstation, liegt das Durchschnittsalter derzeit etwa bei 60 Jahren, meint die Oberärztin.

  

"Viele schwere Verläufe bei Jüngeren"

Eine Tendenz, die sich bereits im "Krankenhaus-Report 2021" des AOK-Bundesverbandes abgezeichnet hat. Hierfür wurden die Daten von rund 52.000 AOK-versicherten Covid-19-Patienten herangezogen, die von Februar bis November 2020 in deutschen Krankenhäusern behandelt worden sind.  Zwar waren der Auswertung zufolge 52 Prozent der Corona-Patienten 70 Jahre alt und älter.

"Allerdings sehen wir auch viele schwere Krankheitsverläufe bei Jüngeren", betonte Jürgen Klauber, Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK bei der Vorstellung des Reports. So war ein Drittel der behandelten Covid-19-Patienten jünger als 60 Jahre. Auch mussten die 50- bis 69-jährigen im Durchschnitt länger beatmet werden als ältere: 16 im Vergleich zu zehn Tagen bei Patienten ab 80 Jahre.

Havellandkliniken in Nauen | rbb

Havelland-Kliniken Nauen: Die Patienten werden jünger. Bild: rbb

"Entwarnung nicht in Sicht"

Aktuell liegt die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis Havelland anhaltend über 100 und über dem Bundesdurchschnitt. Auch hier grassiert die ansteckendere Virus-Mutante B.1.1.7.

Schon jetzt sei das Krankenhaus hoch ausgelastet, sagt Klinik-Sprecherin Babett Diedrich. Es bestehe die Gefahr, an die Kapazitätsgrenzen zu stoßen, was die Behandlungsmöglichkeiten von Covid-Patienten angeht. So gebe es in einem vergleichsweise kleinen Haus wie Nauen nur begrenzte Isolierungsmöglichkeiten und vor allem zu wenig qualifiziertes Pflegepersonal. 

Zwar sind in den betreffenden Bereichen alle geimpft, die das wollten, so Diedrich, und die krankheits- und quarantänebedingten Ausfälle seien zurückgegangen im Vergleich zum Beginn der Pandemie, doch die Betreuung der Corona-Patienten ist eben aufwendiger und intensiver.

Das kann Wermelskirchen nur bestätigen. An der Technik liege es nicht, meint die Oberärztin. Neue Beatmungsgeräte seien angeschafft worden und auch Intensivbetten mit der notwendigen Ausstattung, die zum Einsatz kommen könnten. Doch gebe es nicht genug Pflegerinnen und Pfleger, die sich um zusätzliche Patienten kümmern könnten.

"Covid-19 bestimmt den Krankenhausalltag"

Wie schon bei der ersten Welle im vergangenen Frühjahr müssen für mit Corona verbundene Eventualitäten Kapazitäten freigehalten werden. So haben auch die Havelland-Kliniken bereits zum zweiten Mal planbare Eingriffe und Behandlungen zurückgefahren. Laut Klinik-Sprecherin Diedrich sind die Fallzahlen hier um 15 bis 20 Prozent gesunken. Das liegt leicht unter dem bundesweiten Durchschnitt.

Hier beziffert der aktuelle AOK-Krankenhausreport den Rückgang von Oktober bis Januar auf 20 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2019/2020. Dass die Auswertung auch einen starken Einbruch bei den Notfall-Behandlungen ergeben hat, findet Jürgen Klauber von der AOK besorgniserregend: "Wiederholt haben Ärzte aus den Krankenhäusern darauf hingewiesen, dass Herzinfarkt-Patienten gehäuft verspätet und mit fortgeschrittener Schädigung des Herzens im Krankenhaus angekommen sind", sagt er.

"Wir können angesichts der Zahlen nur den Appell an die Bevölkerung erneuern, bei Notfallsymptomen auch unter den Bedingungen der Pandemie nicht zu zögern, den Notruf zu wählen." Eine Aussage, der die Sprecherin der Havelland-Kliniken nur zustimmen kann.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Februar 2021 um 10:42 Uhr.