Hand betankt Auto mit Wasserstoff | dpa

Kabinettsbeschluss Sauberer Tanken für besseres Klima

Stand: 03.02.2021 18:38 Uhr

Die Bundesregierung will den Anteil klimaneutraler Kraftstoffe im Verkehr bis 2030 auf 28 Prozent steigern. Umweltschützer kritisieren an dem Vorhaben vor allem den weiteren Einsatz von Lebensmitteln für Treibstoff.

Die Bundesregierung hat sich höhere Ziele für klimaneutrale Kraftstoffe im Verkehr gesteckt. Bis 2030 soll ihr Anteil auf 28 Prozent steigen und damit die sogenannte Treibhausgas-Minderungsquote auf 22 Prozent klettern, wie das Bundeskabinett beschloss. Derzeit liegt diese noch bei gut sechs Prozent.

Die Regierung geht damit über Rahmenbedingungen hinaus, die die EU mit der sogenannten RED-II-Richtlinie festgelegt hat. Die Ziele gelten in der Regierung als erreichbar, da man sich in der EU auf eine am CO2-Ausstoß ausgerichtete Lkw-Maut sowie auf neue Flottengrenzwerte für Pkw verständigt habe.

"Was Erdöl ersetzen soll, darf nicht Regenwald vernichten"

Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) sagte, Deutschland brauche mehr saubere Technologien im Verkehr, um die Klimaziele zu erreichen. "Wir wollen aber nicht einfach blind mehr alternative Kraftstoffe im Tank. Was Erdöl ersetzen soll, darf nicht zugleich den Regenwald vernichten", sagte sie.

Dem Vorhaben zufolge soll grüner Wasserstoff doppelt bei der Quote angerechnet werden können, Strom aus erneuerbarer Energie in Autos sogar dreifach. Die Beimischung von Treibstoff aus Nahrungs- und Futtermitteln soll eingefroren werden und 4,4 Prozent nicht übersteigen. Der Einsatz von Palmöl wird schrittweise reduziert und nach 2026 verboten. Stattdessen sollen mehr Kraftstoffe aus Abfällen wie Stroh und Gülle gewonnen werden.

Verankert ist zudem erstmals ein Anteil für CO2-freies, in Deutschland getanktes Kerosin im Flugverkehr. Der Anteil soll 2030 dann zwei Prozent betragen, was auf Basis von 2019 etwa 200.000 Tonnen entspricht. Derzeit ist solcher Kraftstoff noch viermal so teuer wie fossiles Kerosin.

Kritik von Umweltschützern

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisierte an dem Vorhaben vor allem den weiteren Einsatz von Lebensmitteln für Treibstoff. "Agrokraftstoffe leisten keinen Beitrag zum Klimaschutz und müssen raus aus dem Tank. Die Mär vom klimafreundlichen Bio-Kraftstoff muss ein Ende haben", verlangte DUH-Geschäftsführer Sascha Müller-Kraenner. So werde nur das Geschäftsmodell der Agrokraftstoffindustrie gesichert und das Leben des Verbrennungsmotors verlängert.

Jekaterina Boening von der Organisation "Transport and Environment" bemängelte vor allem, dass Palmöl noch bis 2026 eingesetzt werden dürfe: "Deutschland hinkt bei dem Ausstieg aus dem Palmöl deutlich hinterher. Während andere EU-Mitgliedstaaten entschieden vorgehen, schaut Deutschland der Abholzung des Regenwalds tatenlos zu."

Der Verkehrssektor ist seit langem das größte Problemfeld beim Klimaschutz. Im Vergleich zu 1990 hat er seinen Treibhausgas-Ausstoß bis zur Corona-Krise nicht reduziert. Dies soll jetzt durch E-Mobilität, eine stärkere Ausrichtung der Kfz-Steuer und der Lkw-Maut am CO2-Ausstoß und den Einsatz von Wasserstoff geändert werden.