Kinder spielen in einer Kita an einem Tisch mit Holzsteinen. | dpa

Prognose zu Kita-Personal Mehr als 230.000 Fachkräfte fehlen bis 2030

Stand: 24.08.2021 10:32 Uhr

Im Westen gibt es zu wenig Kita-Plätze, im Osten zu wenig Personal - so die Autorinnen einer Studie der Bertelsmann-Stiftung. Bis 2030 brauche es zudem mehr Fachkräfte, als bis dahin ausgebildet werden können.

Der deutsche Kita-Ausbau leidet nach wie vor unter einem starken Mangel an Erzieherinnen und Erziehern. Für eine kindgerechte Personalausstattung bei gleichzeitigem Kitaplatzausbau fehlen einer Studie zufolge bis 2030 mehr als 230.000 Erzieher und Erzieherinnen. Das geht aus Analysen der Bertelsmann-Stiftung hervor.

Die Lücke zwischen voraussichtlichem Angebot an Fachkräften und dem prognostiziertem Bedarf für optimale Qualität in der frühkindlichen Bildung bei bedarfsgerechtem Ausbau der Plätze lasse sich dieses Jahrzehnt nicht vollständig schließen, so die Autorinnen der Studie.

Verbände appellieren an Politik

Der Deutsche Städtetag hält die Berechnungen sogar für nicht ausreichend. Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy sagte, die Prognose zur künftigen Personalentwicklung "sehr optimistisch". Der Bedarf an Betreuungsplätzen werde noch weiter steigen, besonders in Groß- und Universitätsstädten, sagte Dedy.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft forderte von einer neuen Bundesregierung, flächendeckende Mindeststandards für eine bessere Fachkraft-Kind-Relation einzuführen. Der Beruf müsse gesellschaftlich deutlich aufgewertet und besser bezahlt werden. In Richtung Bund hieß es: "Qualitätsverbesserungen müssen aus einem Sondervermögen dauerhaft finanziert werden."

Auch das Deutsche Kinderhilfswerk forderte von Bund, Ländern und Kommunen größere Kraftanstrengungen zur Verbesserung der Kita-Qualität in Deutschland. "Gute Kitaangebote zu schaffen und zu erhalten ist eine Daueraufgabe, die Länder und Kommunen nicht allein stemmen können", erklärte Bundesgeschäftsführer Holger Hofmann.

Forderung: Mehr Ausbildungskapazitäten

Laut der Studie gibt es im Kita-Bereich außerdem weiter große Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland: "Im Westen gibt es zu wenig Plätze und im Osten betreut eine Fachkraft zu viele Kinder. Dieses doppelte Ost-West-Gefälle können Bund und Länder innerhalb der kommenden zehn Jahre weitgehend auflösen, wenn jetzt die richtigen Weichen gestellt werden. Notwendig sind insbesondere mehr Erzieherinnen", so die Stiftung.

Es brauche daher mehr Ausbildungskapazitäten und mehr Berufsschullehrer. Auch Arbeitsbedingungen müssten besser werden, bei sinkenden Geburtenraten müsse vor allem im Osten das Personal gehalten werden, so die Autorinnen. Die aktuellsten Daten der Bertelsmann-Stiftung zeigen für das vergangene Jahrzehnt bereits einen "enormen quantitativen sowie qualitativen Ausbau des frühkindlichen Bildungssystems".

So arbeiteten 2020 mehr als 635.000 Fachkräfte in den Einrichtungen - ein Anstieg um 61 Prozent im Vergleich zu 2011. Der Personalzuwachs liegt am massiven Kitaplatzausbau: Fast 61 Prozent der Kinder bis sechs Jahren besuchen inzwischen eine Kita oder andere vorschulische Einrichtungen - ein Anstieg von 22 Prozent seit 2011.

Im Ländervergleich zeigen sich Qualitätsunterschiede

Verbessert haben sich auch die Personalschlüssel in den allermeisten Bundesländern. Im Durchschnitt kümmert sich in deutschen Kindergärten eine Fachkraft um 8,7 Kinder. In Krippengruppen kommt eine Erzieherin auf 4,1 Kinder, 2013 waren es noch 4,6. Im Ländervergleich zeigen sich jedoch Unterschiede: Je nach Gruppentyp kümmert sich rechnerisch eine ostdeutsche Erzieherin um zwei bis knapp drei Kinder mehr als ihre westdeutsche Kollegin - obwohl auch hier bereits deutliche Verbesserungen zu verzeichnen seien.

Durchschnittlich betreue eine Fachkraft in ostdeutschen Kindergartengruppen rund 13 Prozent weniger Kinder als noch 2013, heißt es in der Studie. Insbesondere im Osten erreichen die Personalschlüssel damit jedoch noch lange nicht das von Fachleuten empfohlene Niveau: In Krippen sehen die Empfehlungen ein Betreuungsverhältnis von einer Fachkraft pro drei Kinder vor, in Kindergärten sollten es nicht mehr als 7,5 sein, um frühkindliche Bildungschancen, die über reine Betreuung hinausgehen, zu gewährleisten.

Bundesländer stehen vor unterschiedlichen Herausforderungen

Im Westen stehen die Bundesländer vor unterschiedlichen Herausforderungen, um die Teilhabequoten auf das heutige Niveau der ostdeutschen Bundesländer zu heben. In Hamburg, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein ist laut Prognose das Personal vorhanden, um genügend Kita-Plätze anzubieten. Hingegen ließe sich in Baden-Württemberg, Bayern, Bremen, Hessen, Nordrhein-Westfalen und im Saarland der Bedarf an Kita-Plätzen nicht decken, ohne über die bis 2030 prognostizierten Ausbildungskapazitäten hinaus zusätzliche Fachkräfte auszubilden und anzustellen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. August 2021 um 16:00 Uhr.