Sophia Valbonesi wird geimpft. | SWR

Termine in Arztpraxen Großer Andrang bei Kinderimpfungen

Stand: 16.12.2021 10:41 Uhr

Seit dieser Woche können auch Kinder ab fünf Jahren gegen Corona geimpft werden. Und die Nachfrage in den Kinderarztpraxen ist offenbar hoch, der Beratungsbedarf aber auch.

Von Christin Jordan, SWR

Ein kurzes Vorgespräch, ein kleiner Piks - Sophia Valbonesi ist das erste Kind, das in der Frankenthaler Praxis von Kinderarzt Lothar Maurer gegen Corona geimpft wird. Die Fünfjährige hat keine Vorerkrankungen, ihre Eltern haben sich trotzdem schon jetzt für die Impfung entschieden. Er habe den Eindruck, dass in letzter Zeit die schwerwiegenden Krankheitsverläufe auch bei kleinen Kindern besorgniserregend zunehmen, sagt Vater Alessio Valbonesi. "Da ist es mir wichtig, wenn möglich, die Kinder davor zu schützen."

Christin Jordan

Die Nachfrage ist groß: Allein am ersten Tag werden hier 34 Kinder geimpft. Und so wie in Frankenthal sieht es bundesweit in vielen Kinderarztpraxen aus. Die ausgelieferten 2,5 Millionen Impfdosen dürften schnell verimpft sein. Der Andrang auf die Impfangebote in den Kinderarztpraxen sei groß, sagte der Bundessprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Jakob Maske. Viel Beratungsbedarf bestehe vor allem bei Eltern gesunder Kinder in der Altersklasse zwischen fünf und elf Jahren. Die STIKO hatte eine Empfehlung für Kinder mit Vorerkrankungen ausgesprochen. Für alle anderen Kinder soll eine Impfung bei "individuellem Wunsch" möglich sein. 

Impfen am Wochenende

"Das war auch zu erwarten und es belastet unseren Praxisbetrieb zusätzlich", bestätigt Christian Neumann, Kinderarzt im pfälzischen Zweibrücken. Er hat die ersten 50 Impfdosen für Kinder Anfang der Woche bekommen, wird aber erst am Samstag mit der Impfung der jüngeren Kinder beginnen - dafür öffnet er seine Praxis ausnahmsweise auch am Wochenende. Die Furcht vor der Omikron-Variante sorge dafür, dass deutlich mehr Eltern als zunächst erwartet Impftermine vereinbarten.

Neumann sieht die Kinderimpfung differenziert. Die Politik wälze die Verantwortung damit auf Eltern und Kinder ab, obwohl die Krankheitslast bei jüngeren Kindern gering sei. "Wir kommen nicht aus der Pandemie, indem wir die Kinder impfen. Die Erwachsenen sind das Problem, wir brauchen eine Impfpflicht", so der Mediziner.

"Kinder leiden hauptsächlich"

Die neue grüne Bundesfamilienministerin Anne Spiegel hält es dagegen für ein gutes Zeichen in der Pandemiebekämpfung, dass die Impfungen für Kinder so gut angelaufen sind. "Es zeigt, dass es viele Familien in Deutschland gibt, die sehr sehnsüchtig darauf gewartet haben und die sehen, dass es wichtig ist, auch die Kinder zu schützen."

So wie Katinka Ballhausen, die an diesem Tag ebenfalls mit ihrer Tochter in der Praxis von Kinderarzt Maurer wartet. "Die Kinder leiden hauptsächlich." Und während der Schulschließungen sei alles an ihr hängen geblieben: "Mutter, Hausfrau und noch berufstätig - es muss jetzt einfach mal vorwärts gehen."

So sehen das offenbar viele Eltern in dieser Kinderarztpraxis im pfälzischen Frankenthal: Freie Termine für Corona-Impfungen für Kinder gibt es erst wieder im Januar.

Über dieses Thema berichtete die ARD am 13. Dezember 2021 um 20:15 Uhr.