Katzen | Saarländischer Rundfunk
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Kastrationspflicht für Katzen Ein Herz für wilde Streuner

Stand: 05.01.2021 17:55 Uhr

Verwilderte Katzen vermehren sich schnell unkontrolliert - und führen dann häufig ein kurzes Katzenleben im Elend. Das Saarland führt daher nun eine Kastrationspflicht für diese Tiere ein.

Von Nils Crauser, SR

Ortstermin auf einem Bauernhof mitten im Saarland: Hier leben zehn verwilderte Katzen. Mittlerweile kümmern sich lokale Tierschützer um sie und füttern sie regelmäßig. Die Tiere sind offenbar wohlauf, sie schmatzen und schnurren zufrieden.

Diese Katzen sind bereits registriert und kastriert. Für die Vorsitzende des Deutschen Tierschutzbundes im Saarland, Beatrice Speicher-Spengler, ist das eine absolute Notwendigkeit. Sie führt die sogenannte Katzenpyramide an: "Wenn ich ein Katzenpaar habe, das im Jahr zehn Junge bekommt, habe ich nach zehn Jahren über eine Million Nachkommen - von diesem einen Katzenpaar. Um das zu verhindern, ist die Kastration sehr wichtig."

In Deutschland leben nach Schätzungen des Deutschen Tierschutzbundes rund zwei Millionen verwilderte Hauskatzen. Einige dieser Streuner landen auf dem Behandlungstisch von Jana Michaelis. Die Tierärztin arbeitet schon länger mit den Vereinen zusammen und kennt die Schicksale. Sie hält die Kastration aus medizinischer Sicht für unabdingbar: "Oft sind die Katzen unterernährt - von Inzucht geprägt. Viele sind mit Parasiten befallen oder haben Schnupfen, an dem sei teilweise elendig verenden. Da ist schon sehr viel Leid."

Neue Katzenschutzverordnung

Unterstützung gibt es jetzt aus dem saarländischen Umweltministerium. Seit Anfang des Jahres gilt die neue Katzenschutzverordnung und mit ihr eine Kastrationspflicht an sogenannten Hotspots. Umweltminister Reinhold Jost ist das ein besonderes Anliegen. Die Kastration sei eines der wenigen probaten Mittel, frei lebenden Katzen viel Leid zu ersparen. Nach der Regelung können Tierschützer größere Ansammlungen von verwilderten Katzen melden und das Ministerium reagiert dann.

Katzenhalter werden per öffentlicher Vorankündigung über die Kastrationsaktion informiert. Katzen, die nicht gekennzeichnet und registriert sind, können dann von den Tierschutzvereinen eingefangen werden. Beim Tierarzt werden die Tiere gechipt und kastriert. "Wir sind unserer Kenntnis nach das erste und bisher einzige Bundesland, das die Umsetzung von zentraler Stelle aus auf Landesebene koordiniert, organisiert und finanziert. Überall sonst wurde die Verantwortung dafür an die Kommunen abgegeben", erklärt Jost.

Verwilderte Katzen auf einem Bauernhof | Saarländischer Rundfunk

Die verwilderten Katzen sind oft auf Bauernhöfen zu finden. Landwirte haben meist nichts gegen die Katzen, weil die Tiere Schädlinge wie Mäuse fressen. Bild: Saarländischer Rundfunk

Kastrieren kostet 120 Euro

Die verwilderten Katzen sind oft in Hinterhöfen, in entlegenen Industriegebieten und auf Bauernhöfen zu finden. Gerade Landwirte haben nichts gegen die Katzen, weil die Tiere Schädlinge wie Mäuse fressen. Pferdehofbesitzer Gregor Meersschaut hat seine vier Katzen kastrieren lassen. Er kann aber auch Landwirte verstehen, die diesen Schritt nicht gehen. Das sei für viele auch eine Kostenfrage. Kastrieren und registrieren kostet pro Katze rund 120 Euro.

Das war auch ein Problem für die Katzenschützer, die in Vorleistung gehen mussten. Ab sofort übernimmt das saarländische Umweltministerium die Kosten. "Mit der neuen Verordnung geht die Rechnung vom Tierarzt direkt ans Ministerium", erklärt Speicher-Spengler vom Tierschutzbund. Laut Umweltministerium stehen für die Umsetzung der Katzenschutzverordnung 200.000 Euro im Landeshaushalt zur Verfügung. Aber noch viel wichtiger: Bisher arbeiteten die Tierschützer in einer rechtlichen Grauzone. "Mit der Kastrationspflicht in Hotspots bekommen wir nun auch Rechtssicherheit", so Speicher-Spengler.

Im Katzenhaus des Deutschen Tierschutzbundes im Saarland leben derzeit rund 30 Katzen. Zu einigen Zeiten - etwa während der Ferien - werden es schnell mal doppelt so viele. Sie finden oft ein neues Zuhause, ganz im Gegensatz zu ihren halbverwilderten Verwandten. Die sind als Haustiere nach einiger Zeit im Freien nicht mehr vermittelbar.

Über dieses Thema berichtete MDR um 4 am 02. September 2020 um 16:00 Uhr.