Schneeberge in Jena | dpa

Frost in Deutschland In Jena wird's wieder warm

Stand: 11.02.2021 13:39 Uhr

Es ist und bleibt vorerst kalt in Deutschland. Die Bahn kämpft deshalb mit vereisten Weichen und Oberleitungen. Im Straßenverkehr entspannt sich die Lage, und in Jena freuen sich die Menschen über warme Wohnungen.

Der Winter sorgt weiterhin für klirrende Kälte in Deutschland. In Jena dürften sich dennoch Tausende Menschen freuen, denn Wohnung und Wasser werden wieder warm - nach einem Totalausfall in gut 6500 Haushalten.

Eine Fernwärmeleitung war defekt, der Katastrophenfall wurde ausgerufen. Anwohner wurden aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten, um das Auskühlen ihrer Wohnungen hinauszuzögern. Einige Bürger wurden an Notunterkünfte vermittelt. Mitarbeiter der Stadtwerke und Spezialfirmen suchten am Mittwoch stundenlang nach der Ursache der Havarie und rissen dafür sogar eine Straße auf. Am frühen Morgen dann hieß es, die Fernwärmeleitung sei wieder in Betrieb. Ein etwa fünf Zentimeter langer Riss in der Leitung konnte in der Nacht erfolgreich zugeschweißt werden.

Bei klirrender Kälte gab es zuletzt auch in Nürnberg und Braunschweig Probleme mit der Fernwärmeversorgung.

Im Eis eingebrochen

Abseits der Straße beschäftigen die Einsatzkräfte vermehrt witterungsbedingte Freizeitnotfälle: In einem Teich in Berlin suchten Retter stundenlang nach einem Mann, der anscheinend bewusst ins Wasser gestiegen war - mutmaßlich zum Baden oder Tauchen. Der Feuerwehr zufolge wurde der 43-Jährige "unter Reanimationsbedingungen" in eine Spezialklinik gebracht, wo er inzwischen verstarb.

In der Nähe von Flensburg brachen zwei Kinder auf dem Eis eines Teichs ein. Ein Ehepaar beobachtete den Vorfall und rettete die Kinder im Alter zwischen vier und sechs Jahren aus dem eiskalten Wasser. Vor dem Betreten zugefrorener Eisflächen warnen Feuerwehr und Katastrophenschutz eindringlich. Nur freigegebene Flächen sollten betreten werden.

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Vom Schnee bedeckt, vom Eis umhüllt

Strenger Frost beeinträchtigt weiter Bahnverkehr

Der Fern- und Nahverkehr ist durch den Kälteeinbruch mit Temperaturen von örtlich bis zu minus 26 Grad Celsius weiterhin beeinträchtigt. "Durch die extreme Witterung werden Fahrzeuge und Teile der Infrastruktur wie Weichen und Oberleitungen im besonderen Maße beansprucht", teilte die Deutsche Bahn mit. Aktuell komme es vor allem im Harz-Weser-Netz und in Thüringen zu großen Einschränkungen.

Der Fernverkehr laufe aber auf vielen betroffenen Strecken weiter an. "Rund 95 Prozent des Streckennetzes sind wieder befahrbar - allerdings häufig mit Einschränkungen und teils hohen Verspätungen", teilte der Konzern mit. "Auf den Ost-West-Verbindungen gibt es ein eingeschränktes, aber stabiles Angebot", hieß es. Auch zwischen Nord und Süd rollten wieder mehr Züge. Zudem sollte im Tagesverlauf der grenzüberschreitende Verkehr in die Niederlande wieder aufgenommen werden.

Tausende Mitarbeiter seien rund um die Uhr im Einsatz, mehr als 22.000 Mal seien Schneeräumkräfte bislang in die Bahnhöfe ausgerückt. Mehr als ein Dutzend Aufenthaltszüge seien in den Bahnhöfen bereitgestellt worden. Zudem seien bis Donnerstag rund 2000 Hotel- und Taxigutscheine ausgestellt worden.

"Endlich mal keine Probleme"

Im Straßenverkehr beruhigte sich die Lage. Im Raum Bielefeld, wo sich Autos und Lastwagen auf der A2 in den vergangenen Nächten zum Teil extrem gestaut hatten, floss der Verkehr weitgehend problemlos. "Es ist entspannter als in den Nächten zuvor", sagte ein Polizeisprecher. Bei Braunschweig parkten auf der Autobahn laut der dortigen Polizei weiterhin viele Lastwagen auf dem Standstreifen, weil Rastplätze voll waren. Unfälle habe es aber nicht gegeben.

Ein Sprecher der Göttinger Autobahnpolizei sagte, dass es "endlich mal keine Probleme" gebe. Auch in anderen Regionen meldeten die Polizeistationen vergleichsweise wenige Glätteunfälle.

Seit dem starken Wintereinbruch am vergangenen Wochenende verteilten die Straßenmeistereien in Nordrhein-Westfalen rund 20.000 Tonnen Salz auf den Autobahnen. Übereinstimmend teilten die zuständigen Niederlassungen Westfalen und Rheinland mit, dass die Lager dennoch gut gefüllt seien. Mit rund 14.000 Tonnen seit dem Wochenende wurde der bislang größte Teil im Bereich der Niederlassung Westfalen verteilt. Das Münsterland und Ostwestfalen waren auch am heftigsten von den Schneefällen in der Nacht auf Sonntag betroffen. Die Zuständigkeit der Niederlassung Westfalen ragt nach einer Umstrukturierung über Nordrhein-Westfalen hinaus. Sie ist auch für Autobahnen in Niedersachsen und Hessen zuständig.

Das Bibbern geht weiter

Auch in den kommenden Tagen bleibt es frostig in Deutschland. "Am Rande eines Hochs über Nordeuropa wird mit einer nordöstlichen Strömung sehr kalte arktische Polarluft nach Deutschland gelenkt", berichtete der Deutsche Wetterdienst. "Am Alpenrand sorgt ein Italientief anfangs noch für Schneefall."

Tagsüber gebe es weiterhin verbreitet leichten bis mäßigen Dauerfrost zwischen minus 1 und minus 10 Grad. In der Nacht zum Freitag sei verbreitet mit mäßigem bis strengen Frost zwischen minus 8 und minus 17 Grad zu rechnen - im zentralen und östlichen Mittelgebirgsraum sowie in Teilen Süddeutschlands bei Aufklaren sogar um oder etwas unter minus 20 Grad.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. Februar 2021 um 09:00 Uhr.