Zwei junge Frauen sitzen in einem Park und schauen auf ein Smartphone. | picture alliance/dpa

Statistisches Bundesamt Junge Menschen ziehen früher aus

Stand: 01.08.2022 13:59 Uhr

Bleiben junge Menschen wegen steigender Mieten oder der Corona-Problematik länger bei den Eltern wohnen? Die Antwort der Statistiker ist ein klares Nein. Auch im EU-Vergleich ziehen junge Menschen in Deutschland eher früh aus.

In Deutschland leben immer mehr junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren nicht mehr im Elternhaus. Das geht aus aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor. So stünden trotz steigender Mietpreise und der Corona-Pandemie 2021 so viele junge Menschen auf eigenen Beinen wie seit zehn Jahren nicht mehr.

31,2 Prozent der Altersgruppe lebte den Zahlen zufolge nicht mehr im Haushalt der Eltern. Das sei mehr als 2011: Damals waren es noch 27,5 Prozent in der Altersgruppe, beziehungsweise 2,4 Millionen Menschen.

Jugendforscher: Ende des "Nesthocker"-Trends

Das Durchschnittsalter beim Auszug junger Menschen aus dem Elternhaus lag 2021 bei 23,6 Jahren. Das ist fast drei Jahre früher als der EU-Durchschnitt. In Schweden verließen junge Menschen das Haus ihrer Eltern europaweit am frühesten, mit durchschnittlich 19 Jahren.

Am längsten blieben junge Menschen in Portugal zuhause wohnen: Ihr Durchschnittsalter liegt für vergangenes Jahr bei 33,6 Jahren. Nach wie vor verließen junge Frauen in der EU das Elternhaus früher als Männer.

Man könne als Trend ablesen, dass die Zeit der "Nesthocker" in Deutschland vorbei sei, sagte Jugendforscher Klaus Hurrelmann. "Das ist wirklich bemerkenswert: Die jahrzehntelange Phase, dass man sehr spät aus dem Elternhaus auszieht, die scheint jetzt abzuklingen."

Das habe nichts mit einem schlechteren Verhältnis zu tun, im Gegenteil: "Die sehr gute Beziehung zu den Eltern bleibt bestehen - das zeigen alle Studien, dass die ausgezeichnet ist." Er werte es eher als Signal, dass die Selbstständigkeit wieder größer geschrieben wird, so Hurrelmann.

Immer weniger Verheiratete

Die Zahl der Verheirateten oder solche in einer Lebenspartnerschaft in der jungen Altersgruppe ist laut der Statistik seit 2011 kontinuierlich gesunken. Zum Ende des Jahres 2021 erreichte sie einen Tiefststand mit 136.000 Menschen. 2011 waren es 246.500, 1991 sogar 990.000.

Weiterhin gesunken ist auch die Zahl junger Eltern. Nur 2,4 Prozent der 15- bis 24-Jährigen waren 2021 Eltern. Zehn Jahre zuvor waren es 3,7 Prozent gewesen.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 01. August 2022 um 10:32 Uhr.