Eine Frau läuft mit ihren Kindern durch das Lager für Angehörige von IS-Kämpfern in Nordsyrien. | AFP

Aus Lager in Syrien IS-Frauen und Kinder zurück in Deutschland

Stand: 06.10.2022 08:21 Uhr

Die Bundesregierung hat mehrere mutmaßliche IS-Anhängerinnen und deren Kinder nach Deutschland zurückgeholt. Laut Außenministerin Annalena Baerbock sind mit der Aktion fast alle bekannten Fälle abgeschlossen.

Die Bundesregierung hat erneut mehrere mutmaßliche Anhängerinnen der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) und deren Kinder aus einem Gefangenenlager in Syrien nach Deutschland zurückgeholt. Wie Bundesaußenministerin Annalena Baerbock in Berlin mitteilte, wurden in der Nacht sieben Kinder und vier Frauen aus dem Lager Roj in Nordostsyrien nach Deutschland gebracht.

Auch ein junger Mann sei zurückgeholt worden, der als 11-Jähriger nach Syrien gebracht worden sei. Die Frauen und der junge Mann wurden demnach nach ihrer Ankunft in Deutschland direkt in Haft genommen.

Frauen und junger Mann müssen sich verantworten

Baerbock hob hervor: "Ich bin erleichtert, dass mit dieser Aktion nun fast alle bekannten Fälle abgeschlossen werden konnten." Die Kinder treffe "keine Schuld für die fatalen Lebensentscheidungen ihrer Eltern", erklärte Baerbock und fügte hinzu: "Sie sind letztlich auch Opfer des IS. Wir dürfen sie daher nicht ohne Perspektive in den Lagern in Nordostsyrien zurücklassen." Die zurückgeholten Frauen und der junge Mann müssten sich aber für ihre Taten verantworten.

Ausdrücklich dankte Baerbock der kurdischen Selbstverwaltung in Nordostsyrien, die trotz widriger Umstände vor Ort die Rückholung ermöglicht habe. Den USA dankte Baerbock zudem für die logistische Unterstützung. Die Bundesregierung hat damit in sechs Rückholaktionen insgesamt 26 Frauen, 76 Kinder und einen Heranwachsenden aus Nordostsyrien nach Deutschland gebracht. Dabei ging es der Bundesregierung vor allem um die Rückholung deutscher Kinder, die in den dortigen Lagern leben mussten.

Kurden fordern Heimatländer zur Rückholung auf

Viele Kämpfer, die sich einst der IS-Miliz anschlossen, brachten ihre Frauen und Kinder mit in das "Kalifat", das der IS im Jahr 2014 in Teilen des Irak und Syriens ausgerufen hatte. Unterstützt von einer Koalition unter Führung der USA vertrieben die Kurden die Dschihadisten 2019 aus Syrien.

Zahlreiche IS-Anhänger wurden gefangen genommen und sitzen seitdem mit ihren Familien in Lagern in Nordsyrien in Haft. Kurdische Behörden haben wiederholt gefordert, dass die Heimatländer diese Menschen aus den überfüllten Lagern zurücknehmen sollten.

Rückholungen von Kindern sind laut dem Auswärtigen Amt zufolge nur mit Zustimmung und gleichzeitiger Rückholung der Mütter möglich. Derzeit gebe es nur noch einen Fall, in dem die Zustimmung vorliege, die Rückholung bisher aber nicht umgesetzt werden konnte. In weiteren Fällen wollten die Mütter derzeit keine Rückholung.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 06. Oktober 2022 u.a. um 06:03 Uhr und 06:42 Uhr.