Impfzentrum Zweibrücken | Christian Kretschmer

Impfzentren in Deutschland Jetzt fehlt nur noch der Impfstoff

Stand: 15.12.2020 09:14 Uhr

Unter großem Zeitdruck sind in Deutschland rund 400 Impfzentren entstanden. Von heute an sollen sie einsatzbereit sein. Was fehlt, ist der Impfstoff. Und es gibt absehbar weitere Probleme.

Von Christian Kretschmer, SWR

Im "City-Outlet" in Zweibrücken stapelt sich kistenweise Schutzausrüstung. Das seit Jahren leerstehende Shoppingcenter ist von heute an das neue Impfzentrum der Stadt. Es ist eines von insgesamt 31 in Rheinland-Pfalz. Matthias Freyler und mehrere Helfer räumen hier bis zuletzt die Regale voll: Allein 35.000 Nadeln und mehr als 25.000 Spritzen warten auf ihren Einsatz. "Wir sind startklar, nur der Impfstoff fehlt noch", sagt Freyler, Koordinator des Impfzentrums. Er deutet auf einen großen leeren Kühlschrank. In speziell isolierten Boxen mit Trockeneis können die Dosen hier gelagert werden - auch wenn das wohl noch Wochen dauert.  

Christian Kretschmer

Wie in Zweibrücken sind in den vergangenen Wochen bundesweit rund 400 Impfzentren entstanden: in Messehallen, ehemaligen Asylaufnahmezentren oder Sportstätten. Die Zahl der Impfzentren in den Bundesländern variiert stark: 93 sollen es zum Beispiel in Bayern sein, 31 in Rheinland-Pfalz, rund 50 in Niedersachsen. Hinzu kommen nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums 27 sogenannte Anlieferungszentren in den Bundesländern, von denen aus der Impfstoff ausgeliefert werden soll. Die Verteilung erfolge entsprechend des jeweiligen Bevölkerungsanteils der Länder, so das Ministerium.

Impfzentrum Zweibrücken: Matthias Frelyer beim Einlernen einer Mitarbeiterin | Christian Kretschmer

Matthias Freyler erklärt einer Mitarbeiterin die Abläufe. Bild: Christian Kretschmer

Wer den Impfstoff zuerst verabreicht bekommt, steht detailliert noch nicht fest. Ein Entwurf der Ständigen Impfkommission sieht vor, dass ältere Menschen und medizinisches Personal mit hohem Infektionsrisiko zuerst geimpft werden. Endgültig festlegen soll die Prioritäten eine Verordnung des Bundesgesundheitsministeriums. Die FDP und Patientenschützer hatten zuletzt gefordert, dass auch der Bundestag in diese Entscheidung einbezogen werden solle. Die Liberalen fordern ein Gesetz.

Terminvergabe online oder über Callcenter

In Zweibrücken versuchen sie die Zeit bestmöglich zu nutzen, bis der Impfstoff eintrifft. Koordinator Freyler erstellt bereits Dienstpläne für Ärzte und Personal. Im großen Warteraum der Impfzentrums erläutert er drei neu eingestellten Verwaltungsmitarbeiterinnen die Abläufe. Sie sollen sich um die Anmeldung vor Ort kümmern und persönliche Angaben überprüfen. "Es könnte ja sein, dass jemand vorgibt, Krankenpfleger zu sein, nur um direkt geimpft zu werden", sagt Freyler. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen deswegen auch Arbeitgeberbescheinigungen kontrollieren. So soll verhindert werden, dass sich Menschen vorzeitig Impfungen erschleichen.

Die größte Herausforderung im Impfzentrum ist aber nicht das Impfen - sondern etwas auf den ersten Blick ganz Banales wie die Termin-Koordination. Sie erfolgt noch vor der Anmeldung im Impfzentrum: "Entscheidend wird sein, dass die Termine so vergeben werden, dass immer Impfstoff verfügbar ist. Das Fehlerpotenzial ist bei der Organisation deutlich größer als beim Impfen selbst", sagt Freyler.

Die Vergabe der Termine soll deswegen in den jeweiligen Bundesländern zentral gesteuert werden. Das geschieht über eine Online-Plattform oder Callcenter. "Das Land weiß dann beispielsweise: Bei uns in Zweibrücken gibt es 500 Impfdosen und kann dann entsprechend 500 Termine bei uns vergeben", erklärt Freyler. Dass dieser Ablauf reibungslos funktioniere, sei wichtig, denn in den Zentren sollen wegen eines möglichen Infektionsrisikos lange Warteschlangen unbedingt vermieden werden.

Impfzentrum Zweibrücken | Christian Kretschmer

Bereit für Impfungen gegen Covid-19. Bild: Christian Kretschmer

Impfzentrum Zweibrücken | Christian Kretschmer

Jetzt fehlt noch der Impfstoff. Bild: Christian Kretschmer

Knackpunkt: Personal

Ein weiterer Knackpunkt: das Personal. Mehr als 10.000 Ärzte haben sich bundesweit bereit erklärt, in den Impfzentren zu helfen. Das ergab eine Umfrage der Funke-Mediengruppe bei den Kassenärztlichen Vereinigungen. Die Hilfsbereitschaft sei groß.

In Rheinland-Pfalz hatte zuletzt die Bezahlung der Ärztinnen und Ärzte für Kritik gesorgt - 140 Euro Stundenlohn sind dort veranschlagt. In den Impfzentren sollen sie vor allem die Aufklärung übernehmen. Besonders gefragt ist nach wie vor medizinisch geschultes Personal, das die Spritzen mit dem Impfstoff verabreichen soll. Eine Akkordarbeit.

In Baden-Württemberg würden für die 59 Impfzentren deswegen weitere Helfer gebraucht, sagte kürzlich Landessozialminister Manfred Lucha und rief etwa Pflegekräfte, Apotheker oder auch Medizinstudenten dazu auf, sich zu melden. Auch in anderen Bundesländern, beispielsweise dem Saarland, werden Stimmen laut, die vor Lücken beim Impfpersonal warnen.

Auch in Zweibrücken sei das perspektivisch eine Herausforderung, sagt Oberbürgermeister Marold Wosnitza. "Wir würden bei zwei Schichten von 8 Uhr morgens bis 22 Uhr durchimpfen - da brauchen wir entsprechendes Personal." Vor allem, wenn neben der einen Impfstraße im Zentrum eine weitere aufgebaut werden sollte und dann rund 400 Menschen pro Schicht den Impfstoff gespritzt bekommen.

Bis es soweit ist, wird es wohl noch dauern. "Ich denke, dass wir im Februar oder März mit dem Impfen in die Breite gehen können", sagt Wosnitza. Frühestens starten sollen die Impfungen jedoch Ende Dezember, sofern er von der Europäischen Arzneimittelbehörde zugelassen ist. Bis dahin heißt es in den Impfzentren: einarbeiten und warten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. Dezember 2020 um 12:00 Uhr.