Grundschullehrer stehen vor dem Corona-Impfzentrum Krefeld

Kampf gegen Corona Impfen macht Schule

Stand: 05.03.2021 13:23 Uhr

Lehrkräfte an Grundschulen und Kita-Personal können früher geimpft werden. Erste Bundesländer haben damit bereits begonnen. Wie läuft's und wo hakt's?

Von Christin Jordan,  SWR

Die zweite Woche mit Wechselunterricht in der Carl-Zuckmayer-Grundschule in Nackenheim geht zu Ende: mit halbierten Klassen, Abstandsregeln und Maskenpflicht für alle. Kinder und Lehrkräfte sind motiviert, es gibt aber auch immer noch viele Unsicherheiten. Dass in Rheinland-Pfalz seit dem 1. März auch Grundschullehrerinnen und Grundschullehrer, Kitapersonal und Betreuungskräfte geimpft werden können - für das Kollegium ein Grund zur Hoffnung.

Christin Jordan

"Ich fiebere dem Impftermin entgegen. Und ich freue mich über dieses Privileg - finde aber auch, dass es bitter nötig ist", sagt Eva-Maria Hackl. Sie ist Klassenlehrerin der 2B, unterrichtet von Montag bis Mittwoch. Sie hat sich sofort zur Impfung angemeldet, wie fast alle aus dem 16-köpfigen Kollegium. "Ich hätte mir diesen Schritt schon eher gewünscht - vor den Schulöffnungen."

Bedenken wegen des Impfstoffs, Lehrkräfte werden mit AstraZeneca geimpft, kann sie nicht nachvollziehen. "Unterm Strich ist es doch immer noch besser als nichts. Und ich finde, es ist auch ein Stück weit unsere Verantwortung den Kindern gegenüber und der Gesellschaft."

Kein einheitliches Vorgehen der Bundesländer

Die Bereitschaft, sich impfen zu lassen, ist bei den Lehr- und Kitakräften sowie bei den Betreuenden in Rheinland-Pfalz groß: Allein am ersten Wochenende registrierten sich mehr als 36.000 Menschen. In dieser Woche bekommen mehr als 8000 von ihnen ihre erste Impfung, so das Ministerium für Soziales, Arbeit und Gesundheit.

In Baden-Württemberg können Lehrkräfte aller Schulformen und Betreuende schon seit dem 23. Februar geimpft werden. Ausgenommen waren bisher Menschen über 65, weil der Impfstoff zunächst nicht für diese Altersgruppe empfohlen war. Das betraf mehr als 1100 Lehrerinnen und Lehrer.

Nordrhein-Westfalen startet eigentlich erst am 8. März mit Impfungen für Lehr- und Kitapersonal, rund 275.000 Menschen wären dann impfberechtigt. Doch in Krefeld bekamen Grundschul- und Kitakräfte ein überraschendes Angebot: Vom Impfstoff AstraZeneca waren 1200 Dosen mehr als geplant geliefert worden, die wurden kurzerhand an diese Personengruppe verimpft. Mecklenburg-Vorpommern beginnt heute mit der Impfung von Lehrkräften - in Impfzentren, aber auch mit mobilen Teams.

Ausreichend Impfstoff vorhanden?

Im Impfzentrum des Landkreises Mainz-Bingen in Ingelheim werden derzeit bis zu 600 Menschen pro Tag geimpft, deutlich mehr als zu Beginn der Impfkampagne, weil deutlich mehr Impfstoff geliefert wird. Leiter Mathias Hirsch schätzt, dass allein hier in den nächsten Wochen 5000 bis 6000 Dosen an diese Berufsgruppe verabreicht werden.

Mutmaßungen, das Vakzin könnte extra für Lehrerinnen und Lehrer zurückgehalten werden, widerspricht er energisch: "Wir verimpfen das, was wir haben, an die, die sich anmelden. Wir sehen ja erst bei der Registrierung hier vor Ort, zu welcher Priorisierungsgruppe die Menschen gehören." Die Diskussionen darüber, wer welchen Impfstoff bekommt, kennt er allerdings auch zu Genüge.

Impfskepsis bei Erzieherinnen

"Ja, ich lasse mich selbstverständlich impfen, und meine Chefin auch. Aber ich kenne auch Kolleginnen, die sehr verunsichert sind und das nicht wollen", sagt Sabine Heinz, stellvertretende Leiterin der Walter-Zuber-Kita in Alzey. Etwa ein Drittel der 30 Erzieherinnen stünden Impfungen skeptisch gegenüber. Die Gründe seien vielfältig, die Informationskampagne einfach schlecht gelaufen. "Und dann gibt es auch solche, die sagen, wir Erzieherinnen sind eh immer die letzten, an die gedacht wird, und jetzt kriegen wir auch noch den schlechteren Impfstoff - das wollen wir nicht." Aber: Zwingen könne sie keine ihrer Mitarbeiterinnen, das sei eine persönliche Entscheidung.

Eine Entscheidung, die auch die Lehrerinnen und Lehrer der Carl-Zuckmayer-Grundschule für sich getroffen haben: 14 von 16 lassen sich impfen. Eva-Maria Hackl ist heute dran und hofft, dass bald auch Lehrkräfte weiterführender Schulen in Rheinland-Pfalz diese Chance bekommen. Denn vom 8. März an dürfen die fünften und sechsten Klassen dort mit dem Wechselunterricht beginnen, am 15. März folgen alle anderen Klassen.

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Moderation 05.03.2021 • 18:41 Uhr

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