Ein Schulkind wird gegen das Coronavirus geimpft. (Archivbild: 27.05.2021) | picture alliance / Fotostand
FAQ

STIKO-Entscheidung Was für Kinderimpfungen spricht

Stand: 09.12.2021 15:38 Uhr

Nach der STIKO-Empfehlung soll nun bald mit den Impfungen von Kindern mit Vorerkrankungen begonnen werden. Was bedeutet die Empfehlung? Was ist der Unterschied zum Impfstoff für Erwachsene? Antworten auf wichtige Fragen.

Wie sicher und wirksam ist der Impfstoff für Kinder?

Die Autoren der Evaluationstudie im "New England Journal of Medicine" von Anfang November sprechen von einem "günstigen Sicherheitsprofil" für den Kinderimpfstoff von BioNTech/Pfizer. Es seien keine schweren impfbedingten Nebenwirkungen beobachtet worden. Beobachtet wurden nur "milde und vorübergehende Reaktionen" wie Fieber, Schmerzen am Einstich, Müdigkeit oder Kopfschmerzen. Die Impfung sei sicher und effektiv, so das Fazit.

In Phase eins war zunächst die Dosis bestimmt worden. Die Studienphasen zwei und drei umfassten 2268 Kinder zwischen elf und fünf Jahren. Zwei Drittel von ihnen bekam je zwei Dosen des Impfstoffs, ein Drittel ein Placebo. Die Immunantwort wurde einen Monat nach der zweiten Dosis gemessen.

Drei der geimpften Kinder erkrankten in der Beobachtungszeit an Covid-19, in der Kontrollgruppe waren es 16. Die Forscher beziffern die Wirksamkeit des Impfstoffs auf 90,7 Prozent.

Gibt es für Kinder einen eigenen Impfstoff?

Schwerpunktmäßig wurden die Corona-Impfstoffe zuerst für Erwachsene entwickelt - unter anderem weil der Fokus zunächst darauf lag, diejenigen zu schützen, die ein Risiko vor schweren Verläufe haben. Der seit Ende November von der EMA zugelassene Impfstoff von BioNTech/Pfizer wurde für Kinder angepasst. Während der Impfstoff für Erwachsene 30 Mikrogramm mRNA beinhaltet, sind es bei der Variante für die Fünf- bis Elfjährigen nur zehn Mikrogramm.

Wie riskant ist eine Corona-Infektion für Kinder?

Eine Infektion mit Sars-CoV-2 verläuft für Kinder meist mild oder sogar ohne Symptome. Darauf deuten Studien, unter anderem der Berliner Charité, hin. Demnach haben Kinder ein deutlich aktiveres Immunsystem und der Erreger wird bekämpft, bevor er in tiefere Atemwege vordringen kann. Treten Symptome auf, dann handelt es sich laut Robert Koch-Institut häufig um Husten und Fieber. In seltenen Fällen treten schwere Krankheitsverläufe auf.

Darüber hinaus besteht die Gefahr der ebenfalls selten auftretenden Folgeerkrankung PIMS (Pädiatrisches Inflammatorisches Multisystemisches Syndrom). Es handelt sich dabei um eine Entzündung in mehreren Organen, offenbar ausgelöst durch eine Überreaktion des Immunsystems. Die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) erfasst seit 27. Mai 2020 PIM-Syndrom-Fälle. Bis zum 28. November 2021 meldet die DGPI 468 PIMS-Fälle. Zudem wurden auch bei Kindern Long-Covid-Fälle beobachtet.

Was empfiehlt die STIKO?

In Abwägung aller bisher vorhandenen Daten empfiehlt die STIKO Corona-Impfungen für Kinder im Alter zwischen fünf und elf Jahren mit bestimmten Vorerkrankungen. Zusätzlich wird die Impfung Kindern empfohlen, in deren Umfeld sich Kontaktpersonen mit hohem Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf befinden, die selbst nicht oder nur unzureichend durch eine Impfung geschützt werden können. Für alle anderen Kinder soll eine Impfung bei "individuellem Wunsch" möglich sein.

Die STIKO begründet dies damit, dass die Sieben-Tage-Inzidenz in der Altersgruppe zwar sehr hoch sei, aber für Kinder ohne Vorerkrankungen in dieser Altersgruppe nur ein geringes Risiko für eine schwere Covid-19-Erkrankung, Hospitalisierung und Intensivbehandlung bestehe. Hinzu komme, dass das Risiko seltener Nebenwirkungen der Impfung auf Grund der eingeschränkten Datenlage derzeit nicht eingeschätzt werden könne. Sobald weitere Daten zur Sicherheit des Impfstoffs in dieser Altersgruppe oder andere relevante Erkenntnisse vorliegen, werde die Kommission diese "umgehend prüfen und die Empfehlung gegebenenfalls anpassen".

Die europäische Arzneimittelagentur EMA hatte am 25. November grünes Licht für die Zulassung des Präparats von BioNTech/Pfizer (Comirnaty) für die Gruppe der Fünf- bis Elfjährigen gegeben. Sie verwies unter anderem auf die Gefahr von seltenen Langzeitfolgen nach einer Corona-Erkrankung.

Warum kommt die STIKO-Empfehlung erst jetzt?

Die STIKO wurde immer wieder kritisiert, zu lange für Empfehlungen zu brauchen - etwa bei den Impfungen für Jugendliche oder den Auffrischungsimpfungen. Die Kommission verwies dabei darauf, anders als die EMA zu arbeiten. Während die EMA Zulassungsempfehlungen ausspricht, erarbeite die STIKO konkrete Impfempfehlungen. Sie "berücksichtigt dabei nicht nur deren Nutzen für das geimpfte Individuum, sondern auch für die gesamte Bevölkerung", heißt es auf den Seiten des RKI. "Während für die Zulassung einer Impfung deren Wirksamkeit (zumeist im Vergleich zu Placebo), deren Unbedenklichkeit und pharmazeutische Qualität relevant sind, analysiert die STIKO darauf aufbauend neben dem individuellen Nutzen-Risiko-Verhältnis auch die Epidemiologie auf Bevölkerungsebene und die Effekte einer flächendeckenden Impfstrategie für Deutschland."

STIKO-Chef Thomas Mertens hatte zuletzt aber auch Fehler eingeräumt. Bestimmte Entscheidungen der Kommission seien "aus der heutigen Perspektive" zu spät erfolgt.

Wie geht es jetzt weiter?

BioNTech und sein US-Partner Pfizer haben zugesagt, am 13. Dezember ihren Corona-Impfstoff für Kinder an die EU auszuliefern. Laut einer Übersicht des Bundesgesundheitsministeriums sind für Deutschland zunächst 2,4 Millionen Dosen vorgesehen. Unter anderem werden etwa in Italien und Österreich bereits Kinder geimpft. In Spanien soll die Impfkampagne am 13. Dezember beginnen.

Wer impft?

Die Vorbereitungen sind in den Bundesländern noch nicht abgeschlossen. Unter anderem sollen etwa niedergelassene Kinderärzte impfen. In Hamburg sind eigene Kinder-Impfzentren geplant. In Schleswig-Holstein verweist man unter anderem etwa auf die niedergelassenen Ärzte und die Impfstellen. In Berlin sollen in den Impfzentren eigene Kabinen für Kinder aufgestellt werden. In Köln sind eigene Aktionstage geplant, im Rhein-Sieg-Kreis soll eine Kinderklinik impfen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. Dezember 2021 um 16:00 Uhr.