Seniorin bei Corona-Impfung | dpa

Debatte um AstraZeneca Wird nun die Impf-Reihenfolge geändert?

Stand: 29.01.2021 15:02 Uhr

Mit hoher Priorität sollten in Deutschland laut Verordnung jetzt über 80-Jährige geimpft werden. Doch das AstraZeneca-Vakzin wird wohl nur für Jüngere zugelassen. Nun gibt es die Forderung, die Impf-Reihenfolge zu ändern.

Die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO), das Corona-Präparat von AstraZeneca nur an Patienten unter 65 Jahren zu verabreichen, sorgt für Diskussionen über Änderungen bei der Impf-Reihenfolge. "Man muss jetzt nochmal die Impfpriorität und Impfhierarchie überdenken", sagte der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF. Der Impfstoff von AstraZeneca solle vermehrt an medizinisches Personal verabreicht werden.

Ähnlich äußerte sich der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, gegenüber dem SWR. Sollte der Impfstoff von AstraZeneca nur eingeschränkt zugelassen werden, müsse die Impfverordnung angepasst werden. Er plädiere dafür, dann medizinisches Personal, Lehrkräfte und Erzieher früher zu impfen.

Nur wenige Daten für Gruppe der Älteren

Ähnlich äußerte sich SPD-Chefin Saskia Esken. "Wir müssen zum einen umgehend alternative Impfstoffe für über 65-Jährige beschaffen und zum anderen die Impf-Reihenfolge für den in Kürze eintreffenden AstraZeneca-Impfstoff neu koordinieren", sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Es wird erwartet, dass das Vakzin des britisch-schwedischen Pharmakonzerns AstraZeneca in Kürze die Zulassung in der EU erhält - als dritter Impfstoff nach den Präparaten von BioNTec/Pfizer und Moderna. Das Problem: AstraZeneca hat nur wenige Daten über die Wirksamkeit bei älteren Menschen vorgelegt. Deshalb empfiehlt die STIKO in einem gestern bekannt gewordenen Entwurf, den Impfstoff nicht bei Menschen ab dem 65. Lebensjahr zu verwenden.

Hohes Infektionsrisiko vor allem für Hochbetagte

Damit stellt sich das Problem, dass viele Menschen, die laut Impfverordnung zuerst dran wären, nicht mit dem Mittel von AstraZeneca geimpft werden können. Denn zur Gruppe mit der höchsten Priorität gehören laut Verordnung alle Menschen über 80, Bewohner von Pflegeheimen - die meist älter als 65 sind - sowie das Personal von Pflegeheimen oder medizinischen Einrichtungen, bei denen ein erhöhtes Risiko für eine Corona-Infektion besteht.

Nur bei letzteren könnte AstraZeneca laut der STIKO-Empfehlung also verwendet werden. Aber gerade für alte Menschen wäre eine rasche Impfung besonders wichtig, da sie ein sehr hohes Risiko haben, im Falle einer Corona-Infektion schwer zu erkranken oder gar zu sterben.

Caritas-Präsident "entsetzt" über Nachricht

Caritas-Präsident Peter Neher sagte, die Nachricht, wonach der AstraZeneca-Impfstoff nicht für ältere Menschen empfohlen wird, habe ihn "mit Entsetzen erfüllt". Es könne nicht sein, dass ein Impfstoff bestellt werde, bei dem hinterher festgestellt werde, er schütze die Hochbetagten nicht ausreichend.

Die STIKO - ein unabhängiges Expertengremium, das beim Robert Koch-Institut angesiedelt ist - hat allerdings nicht davon gesprochen, dass der Impfstoff Hochbetagte nicht schützt. Ihre Empfehlung beruht vielmehr auf der Tatsache, dass es nicht genug Daten gibt, um die Wirksamkeit in dieser Altersgruppe beurteilen zu können.

Spahn: Entscheidung erst nach EMA-Empfehlung

In Großbritannien ist das AstraZeneca-Vakzin bereits zugelassen und wird dort an alle Altersgruppen verimpft. Premierminister Boris Johnson sagte, die britischen Gesundheitsbehörden hätten den Impfstoff als "sehr gut und wirksam" bewertet. Er biete "einen hohen Schutzgrad" - auch für Ältere.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn wies darauf hin, dass es sich bei der Empfehlung der STIKO noch um einen Entwurf handele. Erst wenn die Entscheidung der Europäischen Arzneimittelagentur EMA vorliege, werde die Ständige Impfkommission ihre Impfempfehlung veröffentlichen, und erst danach werde die Impfverordnung gegebenenfalls geändert.

Spahn bekräftigte das Ziel, dass bis Mitte Februar alle Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen ein Impfangebot erhalten sollten, bis Ende März auch alle über 80-Jährigen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 29. Januar 2021 um 14:18 Uhr.

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Moderation 29.01.2021 • 18:34 Uhr

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