Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht bei einer Gedenkzeremonie nach einem ökumenischen Gottesdienst im Aachener Dom für die Opfer der Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands im Dom | via REUTERS

Gedenken an Flutopfer "Wir, das ganze Land, stehen an Ihrer Seite"

Stand: 28.08.2021 12:47 Uhr

Staat und Kirchen haben bei einem Gottesdienst im Aachener Dom der Opfer der verheerenden Flutkatastrophe gedacht. Bundespräsident Steinmeier mahnte in seiner Rede Entschlossenheit im Kampf gegen den Klimawandel an.

Sechs Wochen nach der Flutkatastrophe haben Kirchen, die gesamte Staatsspitze und die Regierungschefs der beiden besonders betroffenen Bundesländer - die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer und ihr nordrhein-westfälischer Amtskollege Armin Laschet - im Aachener Dom mit einem Gottesdienst der Opfer gedacht. Im Anschluss hielt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eine Rede.

"Wir vergessen Sie nicht!"

Das Staatsoberhaupt betonte, das Leid der Betroffenen dürfe nicht in Vergessenheit geraten. "Sie sind nicht allein", sagte er, "wir vergessen Sie nicht!" Er erinnerte auch an die Menschen, "denen die Fluten alles genommen haben: ihre Häuser, ihr Hab und Gut, ihre Erinnerungen, ihre Lebensträume", sagte der Bundespräsident. Den Betroffenen in den Hochwassergebieten wolle er sagen: "Wir, das ganze Land, stehen an Ihrer Seite. Ihr Schicksal bewegt uns. Wir, das ganze Land, trauern heute mit Ihnen."

Der Bundespräsident dankte zudem für die "überwältigende Hilfsbereitschaft". Einsatzkräfte von Feuerwehr, DLRG, Polizei, Rotem Kreuz, Bundeswehr und Technischem Hilfswerk hätten bis zur vollkommenen Erschöpfung geholfen. Sein Dank gelte auch Bürgermeistern, Verwaltungsmitarbeitern und den vielen freiwilligen Helfern und Spendern.

Keinen Zweifel mehr am Klimawandel

Zugleich mahnte der Bundespräsident Entschlossenheit im Kampf gegen den Klimawandel an: "Die Folgen des Klimawandels haben auch uns in Europa erreicht - daran kann es keinen Zweifel geben", sagte er. Nötig sei deshalb auch, sich besser auf künftige Krisen vorzubereiten - "das sind wir nicht nur den Opfern des Hochwassers schuldig". Steinmeier begrüßte es, dass die Bundesregierung "schnell gehandelt und einen Hilfsfonds in nie dagewesener Höhe beschlossen" habe.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, sagte in seiner Predigt: "Gott war da, mitten in den Fluten. Aber nicht als der, der auf den Flutknopf gedrückt hat, sondern als der, der mit den Opfern geschrien hat, der mit ihnen gelitten hat."

Auch die Kanzlerin war anwesend

Der Gottesdienst, bei dem auch Bundeskanzlerin Angela Merkel anwesend war, fand auf Einladung von Bedford-Strohm, dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, und dem Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland, Erzpriester Radu Constantin Miron, statt.

Zur Trauerfeier hatten sich auch die Spitzen von Bundesrat, Bundestag und Bundesverfassungsgericht, Reiner Haseloff, Wolfgang Schäuble und Stephan Harbarth, angesagt. Auch Vertreter jüdischen und muslimischen Glaubens nahmen neben weiteren christlichen Repräsentanten teil. Aus Luxemburg war Kardinal Jean-Claude Hollerich angereist.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. August 2021 um 12:00 Uhr.