Andreas Hein, Ranger bei der Naturwacht Brandenburg, steht im deutsch-polnischen Grenzfluss Westoder und holt mit einem Kescher tote Fische aus dem Wasser.  | dpa

Fischsterben in der Oder Warum die Ursachensuche so langwierig ist

Stand: 16.08.2022 14:36 Uhr

Immer noch ist unklar, was das Fischsterben in der Oder ausgelöst hat. Warum ist die Suche nach der Ursache so kompliziert und langwierig?

Von Dominik Bartoschek, SWR

Es sind Tausende Substanzen, die theoretisch in Frage kommen, das Fischsterben in der Oder ausgelöst zu haben. Schon allein diese Zahl macht deutlich, wie schwierig der Verursacher zu finden ist. Hinzukommt: Eine Suche ist leicht, wenn man einen konkreten Verdacht hat. Sie ist aber besonders schwierig, wenn man gar nicht weiß, was man eigentlich finden will. Das ist dann eine Art blindes Stochern nach der Nadel im Heuhaufen.

Die Behörden auf beiden Seiten der Grenze gehen dabei momentan unterschiedliche Wege. Die polnischen analysieren Fischkadaver. Sie untersuchen also, wie das Gift im Organismus der Fische gewirkt hat. Immerhin haben sie die möglichen Substanzen, nach denen sie suchen wollen, eingegrenzt: Laut Aussage von Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel auf die Zahl von 300. Das kann die Suche beschleunigen. Es kann aber auch sein, dass unter den 300 der Verursacher nicht dabei ist.

Suche nach der Verursacher-Substanz

Auf deutscher Seite untersuchen die Behörden das Wasser bei der Suche nach der möglichen Verursacher-Substanz. Dazu führen sie eine sogenannte Breitband-Untersuchung durch. Bei dieser hinterlässt jede Substanz in der Wasserprobe eine Spur, sozusagen ihren Fingerabdruck. Der lässt sich dann abgleichen mit bereits vorhandenen Fingerabdrücken in Datenbanken. Sind zwei Fingerabdrücke identisch, hat man eine Substanz in der Probe nachgewiesen und hätte möglicherweise die heiße Spur.

Das Problem dabei: Für diese Methode braucht es zwingend den Vergleich. Der Fingerabdruck der verdächtigen Substanz muss also bereits hinterlegt sein. Ist er das nicht, muss er nachträglich noch "eingemessen", also erst die Substanz in Reinform analysiert werden. Das geht aber nur, wenn man schon einen bestimmten Verdacht hat, um welche Substanz es sich handeln könnte. Ansonsten läuft die Spur ins Leere.

Analysieren, vergleichen, nacharbeiten

Analysieren, vergleichen, möglicherweise noch nacharbeiten - das ist ein extrem aufwendiges Verfahren, das Tage dauern kann. Zumal es wichtig ist, dass ein Ergebnis absolut korrekt und gerichtsfest ist, sollte es irgendwann einmal in einem Prozess als Beweismittel dienen. Ein Schnellschuss verbietet sich da und das Labor muss selbstverständlich zertifiziert sein.

Fragt man den Naturschutzbund (NABU) in Brandenburg, dann ist genau das ein Problem in der aktuellen Lage. NABU-Landesgeschäftsführerin Christiane Schröder, das Landeslabor Berlin-Brandenburg sei in den vergangenen zehn Jahren vom Land massiv heruntergespart worden. Mittlerweile habe es keine Kapazität mehr, um solche aufwändigen Untersuchungen durchzuführen. Die Folge: Es müssten erst private Labore gesucht und beauftragt werden, und die Proben dann dorthin gebracht werden.

Auch das ist also einer der Gründe, warum die Suche nach der Ursache des Fischsterbens noch lange dauern könnte.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 16. August 2022 um 12:25 Uhr.