Anders Arborelius (l) und Hans van den Hende | dpa

Missbrauchsskandal im Erzbistum Köln Visitatoren "empathisch und zugewandt"

Stand: 08.06.2021 17:16 Uhr

Im Erzbistum Köln haben die Visitatoren des Papstes sich mit Opfern des Missbrauchsskandals getroffen, um die Hintergründe der Vertrauenskrise zu klären. Betroffene beschrieben die Kontrolleure als gute Zuhörer.

Das Erzbistum Köln steckt in einer schweren Vertrauenskrise. Seit einem Jahr dauert nun die Aufarbeitung des Missbrauchsskandal an. Kardinal Rainer Maria Woelki steht vor allem beim Betroffenenbeirat des Erzbistums in der Kritik. Viele Gläubige hadern mit ihm, da er bisher zwar persönliche Fehler einräumte, aber zu keinem Rücktritt bereit ist.

Mittlerweile ist die Stimmung so gereizt, dass Papst Franziskus Ende Mai ankündigte, Gesandte für eine sogenannte Apostolische Visitation nach Köln zu schicken. Der Stockholmer Kardinal Anders Arborelius und der Rotterdamer Bischof Hans van den Hende sollen die Ursachen der schweren Vertrauenskrise im größten deutschen Bistum untersuchen. Heute trafen sie sich mit Opfern des Missbrauchsskandals.

Forderung nach staatlicher Aufarbeitung

Die äußerten sich über den Verlauf der Gespräche anschließend zufrieden. Arborelius und van den Hende hätten die Betroffenen immer wieder ermutigt, sich offen zu äußern, sagte Gesprächsteilnehmer Patrick Bauer der "Augsburger Allgemeinen Zeitung". Bauer beschrieb die Visitatoren als "wahnsinnig empathisch und uns zugewandt". Sie hätten einfach nur zugehört, was die Missbrauchsopfer zu erzählen gehabt hätten.

Bauer forderte nach eigenen Angaben in dem Gespräch eine staatlich eingesetzte Aufarbeitungskommission ähnlich wie in den Niederlanden. Mit Blick auf Woelki sagte er: "Er versteht nicht, worum es uns Betroffenen geht. Es geht ihm immer nur um sein Denken, um sein Empfinden und um das, wie er glaubt, wie es gut ist."

Sollte der Papst keinen Änderungsbedarf feststellen, dann sei für ihn jegliche Zusammenarbeit mit dem Erzbistum als Betroffener beendet. Bauer war Anfang der 1980er-Jahre als Internatsschüler am Bonner Aloisiuskolleg von einem Jesuitenpater sexuell missbraucht worden. Im November trat er aus Protest gegen Woelki als Sprecher des Betroffenenbeirats des Erzbistums Köln zurück. Der Kardinal hatte untersagt, ein erstes Missbrauchsgutachten zu veröffentlichen.

Auch Lob für Woelki

Das aktuelle Beiratsmitglied Peter Bringmann-Henselder sagte, die Visitatoren hätten Fragen gestellt, vor allem aber zugehört. "Es war nicht so, wie man es jetzt in den Medien gehört hat, dass sie kommen und richten. Die informieren sich, was ist und was nicht ist."

Bringmann-Henselder, der als Heimkind in Köln missbraucht und misshandelt worden war, sprach sich gegen Bischofsrücktritte aus, da sie sich damit nur ihrer Verantwortung entziehen würden. "Ich finde es gut, dass Kardinal Woelki gesagt hat, er bleibt", sagte Bringmann-Henselder der Nachrichtenagentur dpa. "Ich habe bis jetzt noch keinen der Bischöfe oder Kardinäle getroffen, der so vehement an dieser Sache arbeitet wie der Kardinal Woelki."

Bericht wird den Ausschlag geben

Die Krise im Erzbistum Köln hatte sich unter anderem daran entzündet, dass Woelki ein Gutachten zum Umgang von Bistumsverantwortlichen mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs von Kindern lange zurückgehalten hatte. Mittlerweile ist ein zweites Gutachten veröffentlicht, das hohen Amtsträgern des Erzbistums mindestens 75 Pflichtverletzungen im Umgang mit Missbrauchsfällen nachweist.

Die Visitatoren Arborelius und van den Hende sollen am Ende ihrer Untersuchungen einen vertraulichen Bericht für Papst Franziskus erstellen. Davon könnte abhängen, ob Woelki im Amt bleibt oder nicht. Nach dem Rücktrittsgesuch des Münchner Kardinals Reinhard Marx in der vergangenen Woche waren auch gegen Woelki erneut Rücktrittsforderungen erhoben worden. Woelki hatte aber klargemacht, dass er bleiben will.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. Juni 2021 um 14:00 Uhr.