Ein überdimensionaler offizieller Spielball "Uniforia" von der EURO 2020 ist vor der Münchner Arena aufgestellt

Fußball-Europameisterschaft Spiele ohne Stimmung?

Stand: 11.06.2021 15:25 Uhr

Public Viewing, volle Stadien, Autokorso - so sahen Fußball-EM-Spiele in der Vergangenheit aus. Und diesmal? Am Spielort München wird wohl alles anders sein - und trotzdem hofft man auf Atmosphäre.

Von Katharina Pfadenhauer, BR

In früheren Jahren brummte kurz vor der Fußball-Europameisterschaft längst der Fan-Artikel-Verkauf, wurden Häuser und Autos beflaggt, Tippspiele veranstaltet und Public-Viewing-Areas aufgebaut. In diesem Jahr kommt jedoch nicht so richtig Stimmung auf.

Auch wegen Corona, sagt der Münchner Sozialpsychologe Professor Dieter Frey. Denn Fußball sei auch von emotionalen, zwischenmenschlichen Beziehungen geprägt. "Da herrscht Begeisterung, und das ist im Moment sehr eingeschränkt", so Frey. Fußball und "Social-Distancing", das passe im Moment einfach nicht zusammen, findet der Sozialpsychologe. Fußball sei eben nur die wichtigste Nebensache der Welt.

Public Viewing mit strengen Regeln

Fanmeilen und Public-Viewing-Abende mit Partystimmung und Musik sind wegen der Corona-Pandemie untersagt. Stattdessen laden Biergärten zum gemütlichen Fußballschauen auf Fernsehern oder Leinwänden mit Abstand und Hygieneregeln. Hauptzweck des Biergartenbesuchs muss der Verzehr von Speisen und Getränken sein, Fußball darf nur im Hintergrund laufen. 

Doch wann wird dieser Hintergrund-Fußball zum verbotenen Event? Darüber hat man im Landkreis Neu-Ulm nachgedacht und Kriterien genannt: Wenn Werbung gemacht wird oder wenn die Geräusche aus dem Fernseher die normale Unterhaltung übertönen.

Fußball Arena München wird zur Blaupause 

In München ist die Lage besonders. Hier kommen zu den Spielen der deutschen Nationalmannschaft jeweils 14.000 Zuschauerinnen und Zuschauer. Ein Pilotprojekt und eine Art Blaupause für die Fußball-Bundesliga, die im August startet, wirbt der zuständige bayerische Sportminister Joachim Herrmann (CSU): "Wir wollen sehen: Wie läuft das im Stadion ab, wie ist es davor und nach dem Spiel, ob das Konzept auch für die anstehenden Spiele der Bundesliga Bestand haben könnte." 

Darüber, wie die eingesetzte Arbeitsgruppe dies wissenschaftlich begleitet, ist wenig bekannt. Der sportpolitische Sprecher der Landtags-Grünen in Bayern, Maximilian Deisenhofer, kritisiert es als unwissenschaftlich und wenig transparent: "Wir haben bis jetzt leider nicht erfahren, wer in dieser Arbeitsgruppe sitzen soll, die dieses Projekt wissenschaftlich begleitet und aus unserer Sicht muss das vorher klar sein."

Polizei fürchtet "unkontrollierbare Privatpartys"

Bei der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) hat man Sorge, dass es rund um Spiele in der Fußball Arena München zusätzlich zu unkontrollierbaren Privatpartys kommen könnte. Alleine könne das jedoch die Münchner Polizei nicht stemmen, sagt Jürgen Ascherl von der Deutschen Polizeigewerkschaft. Die Beamtinnen und Beamten seien aufgrund der Pandemie ohnehin sehr angespannt und überarbeitet. 

Darum fordert die Polizeigewerkschaft: Kommunen, Vereine und Fanbeauftragte müssten zusammenarbeiten, damit die EM friedlich und pandemieverträglich bleibe. "Die Polizei kann nicht alle Aufgaben übernehmen, wir werden sicherlich für die Sicherheit sorgen, aber das gesamte Umfeld sollte schon gemeinsam mit Kommunen und Vereinen auf die Reihe gebracht werden", so Ascherl. 

Lieber Autokorso als Menschenmengen

Fußball-Fans, die es im Laufe der Fußball-Europameisterschaft auf die Straße zieht, rät Bayerns Sportminister Herrmann übrigens lieber im Autokorso durch die Innenstadt zu fahren. Das sei allemal besser als große Menschenmengen.

Auch die Münchner Polizei gibt im Internet Tipps, damit die EM für alle ein schönes Erlebnis wird - ernst gemeint, aber auch augenzwinkernd: "Nehmen Sie anderen Fans keine Fanartikel weg", heißt es da etwa. Und vor allem: "Seid's freindlich" - "seien Sie freundlich".

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. Juni 2021 um 15:00 Uhr.