Rechtsextremer mit Deutschlandaufdruck auf Shirt | dpa

Studie zur Lage in Deutschland Ausland über Extremismus besorgt

Stand: 08.07.2021 14:46 Uhr

Im Ausland werden die Deutschen in den vergangenen Jahren als weniger tolerant und offen wahrgenommen. Für eine Studie wurden Hunderte Menschen in anderen Ländern befragt. Bei Wirtschaft und Bildung kann Deutschland hingegen punkten.

Welchen Eindruck vermittelt Deutschland in anderen Ländern? Dieser Frage hat sich eine gemeinsame Studie des Goethe-Institutes, der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) gewidmet. Das Ergebnis: In vielen Aspekten gilt die Bundesrepublik als starkes Land, doch was die Offenheit anderen Kulturen und Migration gegenüber betrifft, schwindet das Vertrauen.

Für die Erhebung haben die Beteiligten etwa 620 Menschen aus 37 Ländern befragt, die über langjährige Erfahrungen mit dem Leben in Deutschland verfügen. Hinzu kamen weiterführende Interviews mit 48 Befragten in 24 Ländern.

Weniger Toleranz und Freundlichkeit

Aus Sicht der befragten Personen nehmen Populismus und extremistische Tendenzen in Deutschland zu. Mehrere Teilnehmer der Online-Umfrage schilderten, sie hätten sich während ihrer Aufenthalte in der Bundesrepublik weniger willkommen, teils diskriminiert gefühlt. Ihnen sei mit weniger Toleranz und Freundlichkeit begegnet worden.

Diese zunehmende Ablehnung führten die Befragten auf Probleme wie die soziale Spaltung innerhalb der deutschen Gesellschaft oder beispielsweise die Sorge vor dem Verlust des Arbeitsplatzes zurück. Auch tue sich Deutschland nach wie vor schwer, eine eigene Identität zu finden. In dieser Hinsicht sei das Land "zerrissen", heißt es in der Studie.

Die befragten Personen äußerten die Hoffnung, dass sich Deutschland mehr zu einem "offenen Land mit offenen Herzen" entwickele. "Deutschland sollte anderen Kulturen und Diversität mit offenen Armen begegnen", zitierte die Studie die Aussagen der Umfrageteilnehmer.

Starke Demokratie, verlässliches Gesundheitssystem

Gleichzeitig wird das politische System in Deutschland als eine funktionierende Demokratie wahrgenommen, in der rechtsstaatliche Prinzipien eingehalten und umgesetzt würden. Positiv bewerteten die Befragten auch die flächendeckende Gesundheitsversorgung, das deutsche Bildungssystem und die wirtschaftliche Stärke des Landes. Als internationaler Gesprächspartner wird der Bundesrepublik eine hohe Glaubwürdigkeit zugesprochen. Daher müsse Deutschland international Verantwortung übernehmen und für ein starkes Europa eintreten.

Nachholbedarf sehen die Befragten in den Bereichen der digitalen Infrastruktur und beim Klimaschutz. Noch werde Innovation in diesen Bereichen in deutschen Unternehmen teils nicht groß genug geschrieben. Dabei müsse Deutschland gerade im Kampf gegen den Klimawandel eine Vorreiterrolle einnehmen.

Im Umgang mit der Corona-Pandemie schreiben die Befragten Deutschland während der ersten Welle ein effizientes Handeln zu. Im weiteren Verlauf jedoch sehen sie "immer weniger Disziplin in der Bevölkerung und Probleme bei der Beschaffung, Logistik und Organisation der Impfkampagne".

Merkel: Studie soll Ansporn für Verbesserungen geben

In einer Videobotschaft dankte Bundeskanzlerin Angela Merkel den für die Studie verantwortlichen Instituten und Organisationen für ihr Engagement. Die Erhebung habe viele positive Aspekte in der Wahrnehmung Deutschlands aufgezeigt, aber auch die kritischen Punkte müssen "Ansporn" sein, "an Verbesserungen zu arbeiten".

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 15. Juni 2021 um 11:25 Uhr.