Menschen stehen vor einem Stuttgarter Testzentrum neben einem Transparent mit der Aufschrift "Hier Schnelltest - Ohne Wartezeit" an. | dpa

RKI-Infektionszahlen Sieben-Tage-Inzidenz steigt leicht

Stand: 02.06.2021 10:03 Uhr

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Infektionen ist leicht gestiegen - auf 36,8. Das hatten Experten erwartet. Führende Politiker wollen sich für eine mögliche neue Welle rechtzeitig rüsten.

Die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland ist laut Robert Koch-Institut (RKI) den zweiten Tag in Folge gestiegen. Der Wert lag demnach bei 36,8 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche. Am Vortag lag er bei 35,2, eine Woche zuvor bei 46,8. Binnen eines Tages meldeten die Gesundheitsämter dem RKI 4917 Corona-Neuinfektionen, außerdem wurden 179 neue Todesfälle verzeichnet.

Über das offenbar gestoppte Absinken der Inzidenz hatte RKI-Chef Lothar Wieler gestern gesagt, Modellierungen ließen einen leichten vorübergehenden Anstieg erwarten. Das RKI bringe dies mit Öffnungsschritten in Zusammenhang. Wieler sagte: "Mit kontrolliertem Öffnen erwarten wir kein weiteres exponentielles Wachstum."

Von den mehr als 400 Landkreisen hätten nur noch vier einen Wert von mehr als 100. Längerfristig betrachtet gingen die Inzidenzen in allen Altersgruppen zurück. Außerdem werde die Belegung der Intensivbetten in den Kliniken über die nächsten acht Wochen sinken, so Wieler.

Risikobewertung heruntergestuft

Wegen der entspannteren Corona-Lage gilt nach sechs Monaten erstmals wieder eine niedrigere Risikobewertung für Deutschland. Die Gefahrenlage in Deutschland werde von "sehr hoch" auf "hoch" gesetzt, teilte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am Dienstag mit.

Laut Spahn sind 43 Prozent der Bevölkerung in Deutschland mindestens einmal gegen Covid-19 geimpft, 17,6 Prozent voll immunisiert. Infolge der verbesserten Lage kündigten mehrere Bundesländer spürbare Lockerungen der Schutzmaßnahmen und die Öffnung von Restaurants an.

Schwesig für bundesweite Obergrenze

Angesichts der deutlich gesunkenen Ansteckungszahlen hatte die Bundesregierung angekündigt, die bundesweite Notbremsen-Regelung zum 30. Juni voraussichtlich auslaufen zu lassen. Die Notbremse wurde im April verabschiedet mit dem Ziel, in Regionen mit einem Inzidenzwert über 100 innerhalb von sieben Tagen bundesweit einheitliche Vorgaben für Corona-Schutzmaßnahmen durchzusetzen.

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig sprach sich für eine neue bundesweite Corona-Obergrenze aus. "Wenn diese Bundesnotbremse ausläuft, ist es erforderlich, dass Bund und Länder sich auf eine Obergrenze für Risikogebiete einigen", sagte die SPD-Politikerin den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. Es könne immer wieder passieren, dass es lokale Ausbrüche gebe. Gerade auch mit Blick auf Virusmutanten sei es wichtig, dann zu reagieren. "Dann ist es wichtig, dass es eine klare Regel gibt", sagte Schwesig.

Vorsorge für mögliche vierte Welle

Auch innerhalb der Bundesregierung möchte man vorbereitet sein, sollten die Zahlen erneut steigen. Bundesgesundheitsminister Spahn sagte im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF, Deutschland müsse sich noch im Sommer für eine möglicherweise im Herbst drohende neue Corona-Welle rüsten - besser als im vergangenen Jahr. "Wir werden tatsächlich dieses Mal noch intensiver im Sommer darüber reden und uns darauf vorbereiten", sagte er.

Im vergangenen Jahr kam es nach den Sommerferien zu einem schnellen Anstieg der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Deutschland, ohne dass schnelle Gegenmaßnahmen erfolgten. Spahn sagte, er wolle sich frühzeitig mit dem Robert-Koch-Institut austauschen.

Über dieses Thema berichtete am 02. Juni 2021 Inforadio um 06:21 Uhr und die tagesschau um 09:00 Uhr.

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Moderation 02.06.2021 • 14:47 Uhr

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