Menschen gehen durch die Leipziger Innenstadt. | dpa

Corona-Pandemie Inzidenz gestiegen - neue Maßnahmen?

Stand: 28.11.2021 08:49 Uhr

Nach RKI-Angaben ist die Sieben-Tage-Inzidenz um rund zwei Punkte auf 446,7 gestiegen. Besonders schlimm ist es in Sachsen. Die Forderungen nach Kontaktbeschränkungen und einer Impfpflicht mehren sich.

In Deutschland ist die Sieben-Tage-Inzidenz der Corona-Neuinfektionen auf 446,7 gestiegen. Das teilte das Robert Koch-Institut (RKI) mit. Am Samstag hatte sie bei 444,3 gelegen. Der Wert gibt an, wie viele Menschen je 100.000 Einwohner sich in den vergangenen sieben Tagen mit dem Coronavirus angesteckt haben.

Die Gesundheitsämter meldeten dem RKI 44.401 Neuinfektionen, das sind 1674 mehr als am Sonntag vor einer Woche. 104 weitere Menschen starben in Zusammenhang mit dem Coronavirus, insgesamt sind es damit 100.883 Todesfälle.

Inzidenz in Sachsen bei 1205

Vor allem im Süden und Osten Deutschlands bleiben die Infektionszahlen hoch. In Sachsen stieg die Sieben-Tage-Inzidenz auf 1205,5 - das ist weiterhin den höchste Wert unter den 16 Bundesländern. Es folgen Thüringen mit 878,4 und Sachsen-Anhalt mit 719,7. In Brandenburg ist der Wert auf über 700 gestiegen und liegt nun bei 709,4. Bayern verzeichnet eine Inzidenz von 632,2. Den niedrigsten Wert hat weiterhin Schleswig-Holstein mit 150,8.

Der Landkreis Erzgebirge verzeichnet mit 2021,9 als einziger einen Inzidenzwert über 2000. Bundesweit gibt es inzwischen nur noch fünf Landkreise, die einen Wert von unter 100 haben.

Appelle von Steinmeier und Karliczek

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier rief die Bürger eindringlich dazu auf, einen Lockdown durch freiwillige Kontaktbeschränkungen zu verhindern. "Halten wir uns an die Regeln, reduzieren wir noch einmal unsere Kontakte", schrieb Steinmeier in einem Gastbeitrag für die "Bild am Sonntag".

Zuvor hatte die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina eine Impfpflicht und Kontaktbeschränkungen gefordert. Ungeimpfte müssten motiviert oder in die Pflicht genommen werden, heißt es in einem veröffentlichten Appell von Wissenschaftlern: "Nur so können die Bürgerinnen und Bürger unserer Gesellschaft vor weiteren desaströsen Folgen bewahrt werden."

Die geschäftsführende Bundesforschungsministerin Anja Karliczek rief dazu auf, die Leopoldina-Empfehlungen sofort umzusetzen. "Die Politik sollte dem Rat der Wissenschaft ohne Zögern folgen. Wir dürfen keine weitere Zeit mehr verlieren", sagte die CDU-Politikerin der Nachrichtenagentur dpa.

Der voraussichtlich künftige Bundeskanzler Olaf Scholz sprach von "neuen dramatischen Herausforderungen" und betonte, es gebe nichts, was nicht in Betracht genommen werde.

Wann kommt die Impfpflicht für Kliniken?

Der geschäftsführende Bundesarbeitsminister Hubertus Heil möchte eine Impfpflicht für Kliniken und Heime noch vor Weihnachten umsetzen. "Ich finde es richtig, dass wir in einem ersten Schritt noch vor Weihnachten dafür sorgen, dass es zum Beispiel in Kliniken, in Pflege-, Alten- und Behinderteneinrichtungen eine Impfverpflichtung gibt", sagte er der "Bild am Sonntag." Der SPD-Politiker befürwortet auch eine allgemeine Impfpflicht.

Lauterbach kritisiert volle Stadien

Ebenfalls in der "Bild am Sonntag" kritisierte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach volle Fußballstadien trotz der dramatischen Corona-Lage als "hochproblematisch". "Die Menschen infizieren sich nicht im Stadion, aber die Anreise und die Feiern nach dem Spiel sind die Infektionsherde. Daher sind Spiele im vollen Stadion aktuell nicht akzeptabel."

Am Samstag hatte die Partie zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach vor 50.000 Zuschauern unter 2G-Bedingungen stattgefunden.

Hospitalisierungsinzidenz knapp unter sechs

Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen hatte das RKI am Freitag mit 5,97 an (Donnerstag: 5,79) angegeben. Am Wochenende wird der Wert nicht gemeldet. Er spielt eine wesentliche Rolle für die Beurteilung des Infektionsgeschehens.

Regional sind die Intensivstationen der Krankenhäuser bereits überlastet. Am Freitag hatte die Bundeswehr erstmals bei der überregionalen Verlegung von Patienten von Bayern nach Nordrhein-Westfalen geholfen. Innerhalb der Bundesländer werden bereits seit Längerem Patientinnen und Patienten in weniger ausgelastete Kliniken verlegt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. November 2021 um 03:00 Uhr.