Eine Frau geht mit ihrem Hund im Regen spazieren. | dpa

Coronakrise Vier Pfoten gegen den Lockdown-Blues

Stand: 21.02.2021 13:16 Uhr

Immer mehr Menschen kommen in der Corona-Krise auf den Hund - ob als Ersatz für soziale Kontakte, für mehr Bewegung oder als Stimmungsaufheller. Der Trend zum tierischen Begleiter hat Folgen - auch wirtschaftliche.

Von Naïma Kunze, HR

Momentan spürt Judith Dresselmann, dass sie ihre Kapazitätsgrenze erreicht. Seit neun Jahren bringt sie Hundebesitzern das richtige Führen ihrer Vierbeiner bei. Wie viele andere Hundetrainer, zumindest in den Bundesländern, in denen sie zurzeit arbeiten dürfen, kann sie sich in ihrer Schule im Lahntal bei Marburg kaum noch vor Anfragen retten, denn immer mehr Menschen in Deutschland legen sich einen Hund zu. Laut dem Verband für das deutsche Hundewesen (VDH) sind im Corona-Jahr 2020 rund 20 Prozent mehr Hunde gekauft worden als in den Jahren zuvor.

Judith Dresselmann | privat

Ausgebucht: Hundetrainerin Dresselmann. Bild: privat

Wartelisten für das Hundetraining

Hundetrainerin Dresselmann dachte bereits über einen Neukundenstopp nach. Mittlerweile arbeitet sie mit Wartelisten. Wer eine Einzelstunde bei ihr buchen möchte, der wartet aktuell vier Wochen. "Ich habe drei 'Führen- und Folgenkurse'. Die sind bis in den April hinein schon ausgebucht", erzählt sie. Selbst Welpen-Stunden werden nachgefragt - und das, obwohl sie gar keine anbietet.

In der Not wird Dresselmann erfinderisch. Um der großen Nachfrage nachzukommen, hat sie Videokurse mit ihrem eigenem Mischlingswelpen Collin gedreht. Diese können Kunden über Ihre Website kaufen und so selbstständig von zu Hause aus mit ihren Vierbeinern trainieren.

Rhodesian Ridgebacks | privat

Wer derzeit einen Kurs in einer Hundeschule buchen möchte, muss mit langen Wartezeiten rechnen. Bild: privat

Rekordeinnahmen aus Hundesteuer

Ein Trend zu mehr Haustieren war schon vor der Corona-Pandemie erkennbar. Deshalb stiegen bereits in den vergangenen Jahren die Einnahmen aus der Hundesteuer. Flossen 2009 noch 248 Millionen Euro in die öffentlichen Kassen, waren es 2019 insgesamt 370 Millionen Euro - 50 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren.

Die Pandemie verstärkte den Trend. Immer mehr Menschen legen sich einen Hund zu, so dass die deutschen Städte und Gemeinden im Corona-Jahr 2020 Rekordeinnahmen aus der Hundesteuer verbuchten. Laut Statistischem Bundesamt nahmen sie im vergangenen Jahr allein in den ersten drei Quartalen rund 331 Millionen Euro aus der Hundesteuer ein - zweieinhalb Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum (323 Millionen Euro). Neuer Höchststand.

Wirtschaftsfaktor Haustier

"Die Heimtierhaltung hat Auswirkungen auf die Wirtschaft", sagt Renate Ohr. Die ehemalige Professorin für Wirtschaftspolitik an der Universität Göttingen hat sich in ihrer "Heimtierstudie 2019" intensiv mit dem Thema beschäftigt. Die Haustiere schafften Nachfrage für alle Dinge, die mit ihrer Haltung zu tun haben. Die höchsten Ausgaben entstünden für Tierfutter und Zubehör. Aber auch die Tiergesundheit, die Versicherungen und Betreuungen der Haustiere spielten eine große Rolle.

Ohr ist selbst Hundehalterin. Wie viele andere investiert auch sie in und für ihr Haustier. Insgesamt geben deutsche Tierhalter rund 10,7 Milliarden Euro jährlich für Ihre tierischen Begleiter aus. Allein 5,6 Milliarden Euro und damit 52 Prozent davon für Hunde. Damit verbunden sind rund 210.000 Vollzeitarbeitsplätze.

Gegen Einsamkeit und schlechte Stimmung

Mit der Corona-Pandemie und den damit einhergehenden eingeschränkten sozialen Kontakten wuchs bei vielen Menschen das Bedürfnis nach einem tierischen Begleiter. Und das nicht ohne Grund. Das Zusammensein mit Haustieren kann Einsamkeit verringern und die Stimmung verbessern. "Die Heimtierhaltung wirkt sich positiv auf die physische und psychische Gesundheit der Menschen aus, auf die Lebenszufriedenheit", sagt Ohr.  Außerdem sind gerade Hundebesitzer durch die täglichen Spaziergänge mehr in Bewegung.