Lothar Wieler und Jens Spahn | REUTERS

Pandemielage in Deutschland "Trauriger Höhepunkt" rund um Weihnachten

Stand: 03.12.2021 11:24 Uhr

Ein düsteres Bild der Corona-Lage haben Noch-Gesundheitsminister Spahn und RKI-Chef Wieler gezeichnet - vor allem zu Weihnachten. Beide erneuerten ihren Impfaufruf. Es sei genug Vakzin für 30 Millionen Impfungen bis Jahresende da, so Spahn.

Die Aussichten seien noch immer schlecht, die Maßnahmen spät gekommen - nun ginge es darum, sie konsequent umzusetzen und zu kontrollieren, um die vierte Corona-Welle in den Griff zu bekommen. So lautet das Fazit des geschäftsführenden Gesundheitsministers, Jens Spahn, und des Chefs des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler. Beide informierten wie inzwischen nahezu jeden Freitag die Presse über die aktuelle Pandemielage - für Spahn war es das letztes Mal in seiner Funktion als Minister.

Mit Blick auf die Feiertage drückte er seine Besorgnis aus: Auch wenn die jüngsten Maßnahmen unmittelbar ergriffen würden und die Infektionszahlen jetzt gesenkt werden könnten, werde die Lage auf den Intensivstationen "rund um Weihnachten ihren traurigen Höhepunkt erreichen".

Spahn betonte, hätten sich alle Erwachsenen in Deutschland impfen lassen, wäre das Land nicht einer solchen Situation. "Die Inzidenz der Ungeimpften liegt in allen Altersgruppen höher als bei Geimpften." Auch auf den Intensivstationen müssten wesentlich mehr Ungeimpfte als Geimpfte versorgt werden, so Spahn weiter.

Impfkampagne wird nicht am Impfstoff scheitern

Der Minister rief erneut zum Impfen auf. Obwohl er einer allgemeinen Impfpflicht skeptisch gegenübersteht, vertritt er die Ansicht, dass die Impfung der einzige Weg aus der Pandemie sei.

Spahn stellte klar, dass genug Impfstoff für 30 Millionen Auffrischungsimpfungen bis Weihnachten vorhanden seien. Seit der Ministerpräsidentenkonferenz am 18. November hätten bereits zehn Millionen der 55 Millionen geimpften Erwachsenen eine Booster-Impfung erhalten. Zehn Millionen weitere Dosen seien bereits ausgeliefert, Anfang kommender Woche folgten weitere zehn Millionen Impfdosen. An der Versorgung werde das von Bund und Ländern gesteckte Ziel also nicht scheitern, betont der CDU-Politiker.

"Viel zu früh", um von einer Trendwende zu sprechen

Auch RKI-Präsident Wieler bewertete die momentane Lage als dramatisch. Angesichts stagnierender Zahlen oder rückläufiger Werte bei der Sieben-Tage-Inzidenz warnte er davor, jetzt von einer Trendumkehr zu sprechen. "Im Gegenteil", sagt Wieler, dafür sei es "viel zu früh".

In einigen Regionen zeigten strengere Maßnahmen zwar tatsächlich Wirkung. In anderen seien niedrigere Fallzahlen aber darauf zurückzuführen, dass die Kapazitäten erschöpft seien. Labore und Gesundheitsämter kämen mit Testen und Melden nicht mehr hinterher, sagte er. Laut den Meldezahlen sei derzeit ein Prozent der Bevölkerung akut mit Corona infiziert. Der tatsächliche Wert sei vermutlich aber wesentlich höher. Das RKI ginge von einer geschätzten Untererfassung mit Faktor 2 bis 3 aus, so Wieler.

4800 Covid-Patienten befänden sich auf der Intensivstation, auch die Todesfälle stiegen deutlich an. Täglich würden um die 400 Corona-Tote gemeldet. Das Gesundheitssystem sei weiter massiv überlastet. "Wir haben keine Zeit zu verlieren - keinen einzigen Tag."

Omikron platzt in Notlage

In diese Notlage platze nun die neue Corona-Variante Omikron, die man noch nicht einschätzen könne, sagt Wieler. Fest stehe, die Mutante sei in Deutschland angekommen und könnte noch ansteckender als die Variante Delta sein.

Deshalb mahnte auch Wieler, dass die von Bund und Ländern nun beschlossenen Maßnahmen alle und von allen konsequent umgesetzt werden müssten, was in der Vergangenheit eben nicht immer geschehen sei. Zudem solle sich jeder einzelne solidarisch zeigen, Ungeimpfte und Geimpfte sollten Kontakte beschränken.

Allgemeine Impfpflicht - "Das ist wirklich nicht so trivial"

Auch Wieler rief erneut zum Impfen: "Eins ist klar, ohne, dass alle Menschen einen Immunschutz haben, werden wir es sehr, sehr schwer haben, diese Pandemie zu einem Stillstand zu bringen."

In der Debatte über eine allgemeine Impfpflicht warb er aber für ein behutsames Vorgehen. Das Thema müsse "sehr, sehr sorgsam kommuniziert und überlegt werden", so Wieler. Es gebe ganz viele Fragen, etwa ab welchem Alter eine Impfpflicht gelten und wie sie vollzogen werden solle und wie damit umgegangen werde, dass Impfungen keinen 100-prozentigen Schutz brächten, sondern eventuell aufgefrischt werden müssten.

"Da braucht es wirklich eine intensive Debatte, um die Pros und Cons herauszuarbeiten. (...) Das ist wirklich nicht so trivial." Er wünsche sich, eine "fundierte Diskussion" und "dann auch eine wirklich informierte Entscheidung im Parlament", sagte Wieler.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 03. Dezember 2021 um 11:00 Uhr.