Schülerinnen und Schüler einer fünften Klasse der Johanniter Realschule Heitersheim (Baden-Württemberg) sitzen während dem Unterricht in ihrem Klassenzimmer. | dpa

Maßnahmen gegen Coronavirus Lehrerverbände sind für Isolationspflicht

Stand: 26.07.2022 12:30 Uhr

Aufhebung der Corona-Isolationspflicht? Die Lehrerverbände sind strikt dagegen: Das würde im Herbst erneut zu flächendeckenden Schulschließungen führen - und das "Kartenhaus Schule" könnte zusammenbrechen.

Der Vorschlag, die Isolationspflicht für Corona-Infizierte aufzuheben, stößt auf viel Kritik. Neben Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil haben sich nun auch die Lehrerverbände gegen den Vorschlag des Kassenärztechef Andreas Gassen ausgesprochen.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, wies den Vorschlag gegenüber den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland zurück. Die Kombination aus nachlassendem Impfschutz, aufgehobener Maskenpflicht, dem Zurückfahren von Testungen und dem nun diskutierten Abbau von Quarantäne- und Isolationsmaßnahmen begünstige eine große Infektionswelle im Herbst, die den Schulbetrieb ernsthaft gefährden könnte.

Meidinger sagte weiter, wenn mehr als 20 Prozent eines Kollegiums erkrankt sind, sei ein normaler Schulbetrieb in aller Regel kaum noch möglich. Wenn Einigkeit darüber bestehe, "dass die Offenhaltung von Schulen das oberste und wichtigste Ziel im Herbst sein muss, dann darf man jetzt nicht einfach alles laufen lassen".

Lehrermangel könnte sich weiter verschärfen

Ähnlich besorgt über den Vorschlag äußerte sich auch der Bundesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung, Udo Beckmann. Er sagte dem RND: "Wenn alle Quarantäne- und Schutzmaßnahmen aufgegeben werden und sich Infektionen ungehindert ausbreiten können, besteht die Gefahr, dass sich der bestehende Lehrkräftemangel so verschärft, dass das Kartenhaus Schule endgültig zusammenbricht." 

Die Probleme durch den Lehrermangel hätten zwar schon vor Beginn der Pandemie bestanden, sagte Beckmann. Aber "bereits vor den Ferien haben vermehrte Infektionen unter Lehrkräften dazu beigetragen, dass sich die ohnehin angespannte personelle Situation unerträglich zugespitzt hat". 

Derzeit gilt Pflicht für fünf Tage

Derzeit gilt für alle Corona-Infizierten eine mindestens fünftägige Isolationspflicht. Gassen hatte die Aufhebung dieser Pflicht gefordert. Auf diese Weise ließen sich Personalengpässe in Kliniken und anderswo vermeiden. Auch die FDP plädiert dafür, auf die Pflicht künftig zu verzichten.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach will die geltende Regelung beibehalten. Wenn Infizierte nicht isoliert würden, gäbe es noch sehr viel mehr Ansteckungen, sagte er am Montag. Dies brächte auch wieder mehr Todesfälle mit sich. Die Isolationspflicht mache somit den Arbeitsplatz sicher.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 26. Juli 2022 um 10:21 Uhr.