Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bekommt in Berlin eine Auffrischungsimpfung gegen das Coronavirus. | dpa

Spahn wirbt für Booster-Impfung "Es ist genug Impfstoff für alle da"

Stand: 29.10.2021 11:39 Uhr

Bundesgesundheitsminister Spahn wirbt für Auffrischungsimpfungen gegen das Coronavirus. Dadurch könne eine Welle gebrochen werden, wie das Beispiel Israel zeige. Der Charité-Mediziner Sander fordert eine neue Impfkampagne.

Angesichts der hohen Zahl von Corona-Neuinfektionen und sich füllender Krankenhausbetten mit Covid-19-Erkrankten wirbt der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn für Auffrischungsimpfungen. Dies gelte vor allem für ältere Menschen, Pflegebedürftige und medizinisches Personal, sagte der CDU-Politiker im RBB. Es sei genug Impfstoff da, sodass alle, die wollten, eine sogenannte Booster-Impfung bekommen könnten.

Spahn ging mit gutem Beispiel voran - er ließ sich am Donnerstag erneut impfen. Er selbst war an Covid-19 erkrankt und hatte dann im Mai das Vakzin von AstraZeneca erhalten. Als jemand, der nur eine einmalige Impfung mit einem Vektor-Impfstoff erhielt, fällt er in die von seinem Ministerium definierte Zielgruppe.

Abweichende Empfehlungen der STIKO

"Mit dem Boostern lässt sich auch eine Welle brechen", zeigte sich Spahn überzeugt. Dies zeige auch die Entwicklung in Israel. Auffrischungsimpfungen würden helfen, "sicher durch den Winter zu kommen". Die Ständige Impfkommission STIKO hatte Anfang Oktober Auffrischungsimpfungen für Menschen ab 70 Jahren und die von Spahn genannten Gruppen empfohlen. Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern hatten beschlossen, dass sie Menschen ab 60 Jahre nach ärztlicher Beratung angeboten werden können.

Spahn appellierte an die Länder, diese Menschen schriftlich zu Auffrischungsimpfungen einzuladen. Dafür wolle er nächste Woche bei der Gesundheitsministerkonferenz werben. Offen ließ er, wer die Impfungen durchführen soll. Die Impfzentren sind vielerorts geschlossen worden, weil die Finanzierung durch den Bund beendet wurde.

Impfforscher fordert neue staatliche Kampagne

"Allen impfbereiten Menschen eine dritte Impfung ein halbes Jahr nach der Zweitimpfung anzubieten, hätte auch einen dämpfenden Effekt auf die Virusverbreitung in der Bevölkerung", zeigte sich auch der Charité-Impfstoffforscher Leif Sander überzeugt. Der Appell zur Auffrischung müsse von Ärzten und der Politik kommen und solle sich insbesondere an Menschen ab 60 richten.

Sander plädierte für eine sechs- bis achtwöchige Kampagne mit Impfzentren und mobilen Impfteams wie zu Beginn des Jahres, so Sander. Womöglich könnten damit auch einige Ungeimpfte doch noch erreicht werden.

"Wir sind in einer kritischen Phase der Pandemie", fürchtet der Charité-Wissenschaftler. Die Impfkampagne stagniere viel zu früh, wichtige Teile der Bevölkerung seien noch nicht geimpft, darunter auch viele ältere Menschen mit höherem Risiko für schwere und tödliche Verläufe. Hinzu kämen eine nachlassende Immunität bei älteren Geimpften, die viel ansteckendere Delta-Variante und ein stark überbeanspruchtes Gesundheitssystem.

Spahn wirbt für Test- und Schutzkonzepte

Bundesgesundheitsminister Spahn forderte außerdem, das Testen nicht zu vernachlässigen und Schutzkonzepte wieder zu verstärken. "Ich werbe bei den Ländern sehr dafür, dass endlich wieder alle Länder Testkonzepte verpflichtend machen für Pflegeeinrichtungen." Das müsse auch für Geimpfte gelten, die dort arbeiten. Er empfahl allen Menschen, wieder achtsamer miteinander umzugehen - also unnötige Kontakte einzuschränken.

Spahn zeigte sich im RBB auf Nachfrage allerdings noch nicht in existenzieller Sorge um die Krankenhäuser. Es sei erwartet worden, dass die Zahlen im Herbst und Winter steigen. "Wichtig ist jetzt, dass wir die Belastung in den Intensivstationen in den Krankenhäusern nicht zu stark steigen lassen."

"Unvorbereitet in Herbst und Winter"

Dagegen sieht der Virologe Hendrik Streeck das Land unzureichend gewappnet. "Wir gehen leider erneut sehr unvorbereitet in Herbst und Winter", sagte der Direktor des Virologie-Instituts der Universität Bonn der Nachrichtenagentur dpa. "Die Kapazitäten auf Intensivstationen sind reduziert, wir können gegebenenfalls auch wieder mit einer Grippewelle rechnen, wir haben keine gute Erfassung des Infektionsgeschehens, aber wieder eine höhere Mobilität." Gleichzeitig kritisierte er das Ende der kostenlosen Schnelltests für alle Bürgerinnen und Bürger.

"Den Rat zur Impfung kann man nicht oft genug geben", betonte auch Streeck. Ansteckungen von Geimpften sprächen keinesfalls dagegen. "Das Ziel bei der Impfstoffentwicklung war nicht in erster Linie, eine Immunantwort auszulösen, die vor jeglicher Infektion schützt. Es ging immer im Kern um den Schutz vor schweren Verläufen." Wegen sogenannter Durchbruchinfektionen könne man keinesfalls von einem Versagen der Impfstoffe sprechen.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 29. Oktober 2021 um 10:34 Uhr und 11:05 Uhr.