Elke Büdenbender (l-r), Ehefrau von Bundespräsident Steinmeier, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, König Felipe VI. von Spanien und Königin Letizia von Spanien bei der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse | dpa

Frankfurter Buchmesse eröffnet Ein Ort des Diskurses und des Miteinanders

Stand: 18.10.2022 20:34 Uhr

Die 74. Frankfurter Buchmesse könnte angesichts des Ukraine-Krieges so politisch werden wie lange nicht. Bundespräsident Steinmeier würdigte die wichtige Rolle von Büchern, warnte aber auch vor "verlogenen" Schriften. Aus Spanien reiste royaler Besuch an.

Mit Ansprachen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Spaniens König Felipe VI. ist die Frankfurter Buchmesse eröffnet worden. Spanien präsentiert sich in diesem Jahr als Ehrengast der Messe.

König Felipe VI. sagte, es sei "ein Privileg, hier sein zu dürfen." Frankfurt als kosmopolitische Stadt und europäisches Zentrum mit der Geschichte der Paulskirche und als Geburtsort Goethes sei der allerbeste Ort für das "Universum des Buches". Spanien und Deutschland hätten in ihrer Kultur viele Gemeinsamkeiten und seien heute Freunde, vereint durch ein starkes Engagement für das europäische Projekt.

Warnung vor "verlogenen Büchern"

Steinmeier unterstrich in seiner Rede die Rolle guter Bücher, die ein unverzichtbares Mittel seien, die Welt und sich selbst verstehen zu können. Zugleich warnte der Bundespräsident mit Blick auf den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine vor "verlogenen" Büchern und Schriften: "Kein Krieg, das erleben wir ja auch jetzt wieder, ohne Pamphlete, ohne selbstrechtfertigende Reden, ohne Kampfschriften, ohne hasserfüllte Bücher und Artikel."

Der Bundespräsident sagte, die Zerstörung von Bibliotheken und Verlagen in der Ukraine müsse alle zur Hilfe motivieren. Materielle Hilfe für den Wiederaufbau von Buch- und Verlagswesen sei ein Dienst an der Wahrheit - "ein Akt im Kampf gegen die mörderische Lüge und für die Aufklärung". Er hoffe, dass die Buchmesse "ein Lichtblick in verdunkelter Gegenwart" sein könne. Die Verheißung jedes guten Buches sei, dass die Welt lesbar sei, also verständlich, erklärbar und der Vernunft zugänglich:

Es sind die Bücher, die uns die Welt und ihren jeweiligen Zustand kritisch sehen lassen, die uns dialog- und diskutierfähig machen, die uns den immer großen Unterschied deutlich machen zwischen der Welt, wie sie ist - und wie sie sein könnte oder sein sollte.

Messe als "Gegenmodell zu einer Echokammer"

Die Macher der Buchmesse betonten, dass die weltgrößte Bücherschau in Zeiten der Krise und Instabilität ein Ort des Diskurses und Miteinanders sein solle. "Präsenz hilft gegen Polarisierung", sagte Direktor Juergen Boos. Die gesellschaftlichen Entwicklungen und Spannungen abzubilden, sei eine der Kernaufgaben der Branche. Nur so könne man einer vergifteten Debattenkultur entgegenwirken, den demokratischen Diskurs stärken und Diversität eine Bühne geben. "Die Buchmesse ist das Gegenmodell zu einer Echokammer."

Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, sprach von einem "Kulturereignis für Völkerverständigung". In einer Welt, in der immer tiefere Gräben entstünden, werde Raum für friedlichen demokratischen Austausch geschaffen.

Wieder im Normalmodus

Die 74. Frankfurter Buchmesse findet nach zwei Jahren mit pandemiebedingten Einschränkungen wieder ohne größere Auflagen statt. Angemeldet sind den Angaben zufolge rund 4000 Aussteller aus 95 Ländern. In zahlreichen Debatten, Vorträgen und Lesungen geht es in dieser Woche um aktuelle politische Themen wie den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine oder die Lage im Iran und in Afghanistan. So ist beispielsweise der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bei einer Veranstaltung am Donnerstag online zugeschaltet. Seine Frau Olena Selenska wird bei einem Gespräch am Samstag per Internet dabei sein.

In den nächsten Tagen werden auch Bundesinnenministerin Nancy Faeser, Kulturstaatsministerin Claudia Roth, die Schauspielerin Diane Kruger und natürlich zahlreiche Autorinnen und Autoren aus aller Welt erwartet, darunter Donna Leon. Sie will aber keinen neuen Krimi vorstellen, sondern über ihr Leben und ihre Arbeit berichten. Die Messe endet am Sonntag mit der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels an den ukrainischen Schriftsteller Serhij Zhadan.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. Oktober 2022 um 20:00 Uhr.