Der Stadtplatz in Traunstein. | BR/Herbert Ebner

Corona-Pandemie Warum die Inzidenz in Bayern so hoch ist

Stand: 25.10.2021 18:23 Uhr

Neben Thüringen und Sachsen gehört auch Bayern zu den Bundesländern mit den höchsten Corona-Inzidenzen. Zudem ist die Impfquote unterdurchschnittlich. Was ist los in Söders "Team Vorsicht"?

Von Xaver Scheffer, BR

Die bundesweite Corona-Inzidenz steigt derzeit kontinuierlich an. Aktuell liegt sie bei 110,1. Im Vergleich zu den fünf Landkreisen mit den höchsten Inzidenzen in Bayern scheint das aber wenig: Mühldorf am Inn kommt auf 522,8, Traunstein auf 489,1, das Berchtesgadener Land auf 480,6, Straubing-Bogen liegt bei 457,0 und Miesbach bei 434,2. Sie führen die Tabelle an. Alle fünf liegen im Südosten Bayerns. Wieso gibt es gerade in dieser Region so viele Corona-Infektionen?

Auffällig ist, dass viele der bayerischen Landkreise mit besonders hohen Inzidenzen direkt an der Grenze zu Österreich liegen. Laut der Virologin Ulrike Protzer von der Technischen Universität München haben die vielen Corona-Infektionen mit Grenzpendlern zu tun, aber auch mit Urlaubern oder Wochenendtouristen. Durch sie gebe es "Überträge aus den Nachbarländern, in denen es eine höhere Inzidenz als bei uns gibt". In den deutschen Grenzregionen seien die Zahlen deswegen immer vergleichsweise hoch gewesen. Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zeigen auch: In Bayern arbeiten mit 46.000 Menschen deutschlandweit die meisten Grenzpendler mit einem Wohnsitz im Ausland.

Warnung vor Ende der "epidemischen Lage"

Seit Wochen ist auch die Inzidenz in der Stadt Rosenheim mit am höchsten, ebenfalls im Südosten Oberbayerns gelegen. Sie gehört aktuell mit einer Inzidenz von 353,8 weiter zu den höchsten in Deutschland.

Nach Aussage des Chefs des Rosenheimer Gesundheitsamts, Wolfgang Hierl, ist ein Grund dafür die unterdurchschnittliche Impfquote. Laut den Impfmeldungen, die die Behörden erfassen, sind dort derzeit nur etwa 57 Prozent der Menschen vollständig geimpft. Im Bundesdurchschnitt sind es 66,2 Prozent. Hierl glaubt, dass viele Menschen im Raum Rosenheim die Risiken der Impfung überschätzen und die Risiken der Krankheit unterschätzen.

Ein weiterer Grund könnte seiner Einschätzung nach das Interesse an Naturheilkunde und Alternativmedizin eines Teils der Bevölkerung sein. Wenn diese Haltung die Prävention von Infektionskrankheiten behindere, dann könne das "ins Auge gehen", sagt der Chef des Rosenheimer Gesundheitsamtes. Er warnt davor, jetzt die "epidemische Lage" in Deutschland zu beenden: "Es suggeriert natürlich auch: Die Pandemie ist überwunden - und gerade mit Blick auf unsere Region ist das überhaupt nicht der Fall."

CSU-Chef Markus Söder | REUTERS

CSU-Chef Söder mahnt zur Vorsicht. Die Corona-Zahlen in seinem Bundesland sind trotzdem hoch. Bild: REUTERS

"Wir müssen vorsichtig bleiben"

Auch die bayerische Staatsregierung lehnt den Vorstoß von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ab, die bundesweite Corona-Notlage für beendet zu erklären. "Wir müssen vorsichtig bleiben, um gut durch den Herbst und Winter zu kommen", sagte Ministerpräsident Markus Söder.

Das bayerische Gesundheitsministerium sieht ebenfalls Ausflügler und Grenzpendler, aber auch die unterdurchschnittlichen Impfquoten im Südosten als Faktoren für die hohen Fallzahlen. Laut einem Ministeriumssprecher ist "mit weiter steigenden Infektionszahlen in Bayern zu rechnen".

An der Kabinettssitzung am Dienstag sollen auch die Landräte und Oberbürgermeister der am stärksten betroffenen Regionen teilnehmen. Das Ministerium weist darauf hin, dass die Landkreise laut Verordnung bei einem hohen Ausbruchsgeschehen zusätzliche Schutzmaßnahmen ergreifen sollen.

Keine Kontaktbeschränkungen mehr in Bayern

Und auch wenn sich Regierungschef Söder weiterhin als Frontmann im "Team Vorsicht" präsentiert: Auch Bayern hat zuletzt, wie andere Bundesländer, seine Corona-Regeln gelockert. Seit Anfang September gibt es keine Kontaktbeschränkungen mehr. Mit 3G-Nachweis gibt es unter anderem Zutritt zu Restaurants und Theatern. Zur Begründung hatte der CSU-Politiker auf die Impfquote verwiesen und darauf, dass es sich um "eine Pandemie der Ungeimpften und Jüngeren" handle. Vor allem bei den Jüngeren gebe es die Chance auf mildere Krankheitsverläufe.

Nun steht gerade Bayern in der Pandemie aber im bundesweiten Vergleich eher schlecht da: Die Quote der vollständig Geimpften ist mit 64,1 unterdurchschnittlich, die Inzidenz mit 179,1 besonders hoch. Nur Thüringen und Sachsen liegen noch darüber. Auf der Karte sind die Landkreise im Südosten des Landes im dunkelsten Rot gefärbt. Gut möglich, dass Bayern zusätzliche Maßnahmen ergreift, um die Inzidenz dort zu senken.

Über dieses Thema berichtete der BR in der Sendung "BR24 Abendschau" am 06. Oktober 2021 um 16:00 Uhr.