Ein Zugbegleiter zusammen mit zwei Mitarbeitern des Präventionsteams vor einem ICE im Leipziger Bahnhof. | dpa

Anfrage der Linkspartei Mehr Gewalt gegen Bahnbeschäftigte

Stand: 16.06.2021 07:35 Uhr

Obwohl in der Pandemie die Züge deutlich leerer waren, nahm die Gewalt gegen Mitarbeiter der Deutschen Bahn zu. Nach Daten der Bundespolizei waren es im vergangenen Jahr 2070 Übergriffe. Kritiker sehen mehrere Ursachen.

Die Gewalt gegen Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter hat im Corona-Jahr 2020 zugenommen. So gab es im vergangenen Jahr 2070 Gewaltdelikte gegen Zugbegleiter und andere Bahnmitarbeiter - 421 mehr als im Vorjahr. Das geht aus der Regierungsantwort auf eine Anfrage der Linkspartei im Bundestag hervor, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegt. Die Antwort beruht auf Daten der Bundespolizei.

Rund 20.000 Beschäftigte der Bahn arbeiten mit Kundenkontakt. Körperliche Übergriffe gibt es immer wieder. 2020 kam der Streit ums Masketragen im Zug dazu. Die Bahn hatte angekündigt, auf die oft angespannte Stimmung zu reagieren. Dazu dienten Trainings mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

"Probleme schon vor Pandemie"

"Gewalt gegen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bahn ist vollkommen inakzeptabel", sagte die Linken-Abgeordnete Sabine Zimmermann. Sie hatte die Anfrage gestellt. 2020 habe die Gewaltneigung bei Fahrgästen trotz sinkenden Fahrgastaufkommens zugenommen. "Den Bahnbeschäftigten wurden mit der Durchsetzung der Maskenpflicht faktisch polizeiliche Aufgaben aufgebürdet."

Diese Menschen würden die Last öffentlicher Aufgaben tragen, während ihnen die Vorteile einer Beschäftigung im öffentlichen Dienst verwehrt bliebe. Nach Zimmermanns Ansicht belegen die Zahlen, dass die Probleme schon vor der Pandemie begonnen hätten. Immer wieder entlade sich auch Frust über die Bahn in Gewalt gegen Beschäftigte.

Ähnliches gelte bei Post und Paketzustellern. "Dabei wäre Solidarität mit den Beschäftigten angebracht", sagte die Linken-Abgeordnete. Wo schlechter Service dahinterstecke, seien nicht die Beschäftigten verantwortlich. Bei der Bahn etwa habe Privatisierung zu höheren Preisen und weniger Angebot in der Fläche geführt.

Anstieg der Delikte seit 2018

Tatsächlich steigen laut der Daten Gewaltstraftaten gegen Bahnbeschäftigte schon länger an: 2018 waren es erst 1344 Delikte, 2019 kam es zu 1649 Übergriffen. Einer 2019 veröffentlichten Forsa-Umfrage im Auftrag des Beamtenbunds dbb zufolge werden auch Beschäftigte bei Polizei, Rettungsdienst oder Nahverkehr häufig beschimpft oder angegriffen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 16. Juni 2021 um 07:50 Uhr.