Eine Frau schubst auf dem Spielplatz eines Kindergartens ein Mädchen auf einer Schaukel an

Statistisches Bundesamt Fast jeder Sechste von Armut bedroht

Stand: 04.08.2022 09:26 Uhr

Bei etwa 13 Millionen Menschen in Deutschland hat im vergangenen Jahr das Risiko bestanden, in Armut abzurutschen. Wie das Statistische Bundesamt weiter bekannt gab, sind vor allem Alleinerziehende und Alleinlebende betroffen.

Die Zahl der armutsgefährdeten Menschen in Deutschland ist 2021 nur minimal gesunken. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, waren rund 13 Millionen Personen von Armut gefährdet. Das entspricht 15,8 Prozent der Bevölkerung und damit etwa jeden sechsten in Deutschland lebenden Bürger. Im Jahr 2020 waren es mit 13,2 Millionen Menschen insgesamt 16,1 Prozent.

Eine Person gilt nach der EU-Definition als armutsgefährdet, wenn sie über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung verfügt. 2021 lag dieser Schwellenwert für eine allein lebende Person in Deutschland bei 15.009 Euro netto im Jahr, für zwei Erwachsene mit zwei Kindern unter 14 Jahren bei 31.520 Euro netto.

Viele Alleinerziehende und Alleinlebene betroffen

Untergliedert nach Haushaltstypen sind erheblich mehr Personen aus Alleinerziehenden-Haushalten sowie Alleinlebende von Armut bedroht als im Bundesdurchschnitt. Im Jahr 2021 war mehr als ein Viertel der Personen aus Alleinerziehenden-Haushalten (26,6 Prozent) armutsgefährdet. Bei den Alleinlebenden waren es 26,8 Prozent.

Für Personen in Haushalten mit zwei Erwachsenen und einem Kind (9,0 Prozent) beziehungsweise mit zwei Kindern (11,4 Prozent) sowie in Haushalten mit zwei Erwachsenen ohne Kind (11,5 Prozent) lag die Armutsgefährdungsquote 2021 unter dem Bundesdurchschnitt.

Dagegen hatten Personen in Haushalten von zwei Erwachsenen mit drei und mehr Kindern mit 23,6 Prozent eine deutlich über dem Bundesdurchschnitt liegende Armutsgefährdungsquote. Mit 16,2 Prozent waren Kinder und Jugendlichen in Deutschland überdurchschnittlich armutsgefährdet.

Differenziert nach dem überwiegenden Erwerbsstatus von Personen ab 18 Jahren war voriges Jahr in der Gruppe der Arbeitslosen mit 47,0 Prozent fast jede zweite Person armutsgefährdet. Bei den überwiegend Erwerbstätigen betrug der Anteil dagegen nur 8,6 Prozent.

Armutsrisiko bei fast jedem fünften Ruheständler

Für Personen im Ruhestand lag die Armutsgefährdungsquote bei 19,3 Prozent. Bei den Frauen ab 65 Jahren fiel das Armutsgefährdungsrisiko im Jahr 2021 mit 21,0 Prozent noch deutlich höher aus als bei den Männern derselben Altersklasse mit 17,4 Prozent. Die geringeren Alterseinkommen von Frauen im Vergleich zu Männern seien beispielsweise auf unterbrochene Erwerbsbiografien und damit geringere Rentenansprüche zurückzuführen, erläuterte das Bundesamt.

Insgesamt waren 16,5 Prozent der Frauen und 15,1 Prozent der Männer im Jahr 2021 von Armut bedroht.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. August 2022 um 09:00 Uhr.