Ein Mann arbeitet an einem Verbrennungsmotor. | dpa

Anfrage der Linkspartei Mehr als eine Million Beschäftigte ab 67

Stand: 11.07.2021 13:03 Uhr

Sie sind im Rentenalter, trotzdem gehen bundesweit mehr als eine Million Menschen arbeiten, die 67 Jahre oder älter sind. Die Linksfraktion spricht von einem "Trauerspiel", wenn der Ruhestand nicht finanziell gesichert ist.

In Deutschland gehen immer mehr Menschen, die 67 Jahre oder älter sind, noch einer Beschäftigung nach. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linkspartei im Bundestag hervor.

Die Angaben beziehen sich auf Daten der Bundesagentur für Arbeit und auf den Stichtag 30. September 2020. Demnach waren zu diesem Zeitpunkt von insgesamt rund 38,2 Millionen Beschäftigten in der Bundesrepublik etwa 1,039 Millionen mindestens 67 Jahre alt oder älter.

Die meisten Älteren gehen Minijob nach

Von diesen Beschäftigten der sogenannten Generation 67 plus gingen etwa 208.000 einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit nach, hinzu kommen laut Bundesregierung etwa 831.000 geringfügig Beschäftigte. Dazu zählen zum Großteil Minijobs. 19.000 Bürgerinnen und Bürger der abgefragten Altersgruppe gingen einem Nebenjob nach.

Die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zeigen, dass zum Stichtag fast 600.000 Arbeitnehmer in Deutschland 70 Jahre oder älter waren. Fast 220.000 Beschäftigte zählten zur Altersgruppe ab 75 Jahren und 72.000 Beschäftigte waren sogar 80 Jahre oder älter.

Im Büro oder als Putzkraft

In Deutschland staffelt sich das Rentenalter je nach Geburtsjahr. Sämtliche Jahrgänge ab 1964 gehen in der Regel mit 67 Jahren in Rente. Im Jahr 2010 hatte der Bundestag beschlossen, das damalige Renteneintrittsalter von 65 auf 67 Jahre hochzustufen. Die Anhebung läuft seit 2012 und soll 2029 komplett abgeschlossen sein.

Zu den häufigsten Tätigkeiten, denen Ältere nachgehen, zählen Büroarbeiten, eine Arbeit als Putzkraft oder als Fahrerinnen und Fahrer. Auch in den Bereichen Gebäudetechnik sowie Lagerwirtschaft und Zustellung sind viele Ältere tätig.

Noch nicht bereit für den Ruhestand

Experten sehen für die steigende Zahl an Beschäftigten ab 67 Jahren verschiedene Gründe, berichtete die Nachrichtenagentur dpa. Zum einen seien Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt begehrt. Zum anderen seien immer mehr Menschen noch nicht bereit für den Ruhestand, wenn sie das entsprechende Alter erreichten. Doch viele Ältere seien auch darauf angewiesen, sich als Rentnerin oder Rentner etwas dazuzuverdienen.

Genau diesen Punkt greift Linksfraktionschef Dietmar Bartsch auf. Auf seine Initiative geht die Anfrage an die Bundesregierung zurück. "Natürlich gibt es Beschäftigte, die freiwillig bis ins hohe Alter arbeiten, aber bei vielen ist es die schiere finanzielle Not, etwas hinzuverdienen zu müssen" kritisierte Bartsch. Es sei ein "Trauerspiel", wenn Menschen mit mehr als 70,75 oder 80 Jahren noch arbeiten müssten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Juli 2021 um 10:00 Uhr in den Nachrichten.